Kartoffeln und Brot – Chinesische Hospitantin zu Gast am Gymnasium St. Ottilien

Ganz spontan fallen Liu Yifang drei Dinge ein, die anders sind als in ihrer Heimat China: die Menschen seien generell sehr ehrlich, sehr vertrauensvoll und hielten sich an Regeln. Die Schüler wiederum, mit denen sie drei Wochen lang zu tun hatte im Rhabanus-Maurus–Gymnasium in St. Ottilien, sind respektloser den Lehrern gegenüber. Auch geschminkt sein und den Unterricht einfach verlassen sei im Reich der Mitte nicht möglich. Und was das Essen hierzulande betrifft, so vermisst die Deutschlehrerin aus Shanghai die Vielfalt ihrer Heimat. Hier gebe es immer nur Kartoffeln und Brot.

Frau Liu, das ist der Familienname, war über den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) dem Gymnasium des Klosters als Hospitantin zugeteilt worden. Man habe sich, so die Chinesischlehrerin Susanne Rübel, zu dieser Einladung entschlossen, weil die Schule seit diesem Schuljahr Chinesisch als dritte Fremdsprache anbietet. Zuvor gab es nur eine Arbeitsgemeinschaft und daraus haben sich nun einige Schüler für den Vier-Wochenstunden-Kurs entschieden. Chinesisch zählt durch die fremden Schriftzeichen, die Aussprache, Tonation und die Zischlaute sicher zu den schwierigen Sprachen für uns Angehörige der Indogermanischen Sprachfamilie. Aber noch weitaus mehr stöhnen die Chinesen über unsere Grammatik. Denn ihre Sprache kennt keine Konjugation, keine Deklination. Um Vergangenes auszudrücken wird eben „gestern“ gesagt und nicht per Verbform das Gewesene in einfache oder Vorvergangenheit eingeordnet. Was Liu Yifang aus Deutschland mitnehmen wird, sind eine Menge neuer Vokabel, die aber weniger dem Bayerischen entstammen. Außerdem will sie weg von den drei warmen Mahlzeiten pro Tag, die in China üblich sind. Womit sie weniger klar kam, war die manchmal sehr direkte Art der Deutschen, die dem „Gesicht wahren“ und „immer äußerst höflich sein“ der Chinesen ziemlich entgegengesetzt war. Nun freut sich Liu Yifang vor allem auf ihren inzwischen ein Jahr alten Sohn, den sie bei Ihrer Mutter zurückgelassen hat. Auch das ist völlig normal in China und für viele Mütter hier nicht denkbar. Die Frauen in China, so erzählt sie, hätten Angst ihren Job zu verlieren, darum kümmert sich die Großmutter um den Nachwuchs. Vor allem die Gymnasiasten in St. Ottilien haben profitiert von dem Gast aus Shanghai. Endlich konnten sie sich aus erster Hand Informationen einholen, etwa über die traditionellen chinesischen Feste. Lehrerin Susanne Rübel will diesen Kontakt indes nicht abreißen lassen. Die Sinologin wird mit Direktor Häußinger versuchen, die Fremdsprachenschule in Shanghai als Partnerschule für ihr Gmnasium zu gewinnen, um dann einen Schüleraustausch fest zu etablieren.

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