"Brachial und berechnet"

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Landsberg – Weil er einen Parkscheinautomat in der Schlossbergtiefgarage ausgeraubt haben soll, wurde ein 33-jähriger Kauferinger zu sechs Monaten Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt. Für zwei weitere Diebstähle dieser Art war er auch in Verdacht, allerdings fehlten vor dem Amtsgericht Landsberg die Beweise. Auch seine Mittäterin bei diesen beiden bleibt weiterhin unbekannt.

Die drei Fälle in den beiden Landsberger Tiefgaragen fanden im Oktober und November 2013 frühmorgens statt. Insgesamt wurden etwa 3000 Euro entwendet, im dritten Fall Bargeld und eine Geldkassette im Wert von insgesamt 491 Euro. Von der ersten Tat sind keine Videoaufzeichnungen vorhanden, da Jugendliche zuvor die Kamera verstellt hatten, bei der zweiten soll der Täter dies selbst gemacht haben, was die Sicht einschränkte. 

Nur von der dritten Tat konnte vor Gericht eine Aufzeichnung als Beweis verwendet werden. Dank dieser könne man laut dem zuständigen Polizeibeamten, der als Zeuge vor Gericht geladen war, die Tat recht gut rekonstruieren. Der Polizist erkannte den Täter auf einer Aufzeichnung vom Februar dieses Jahres wieder, schildert er vor Gericht. Daraufhin wurde die Wohnung des Mannes wurde durchsucht, wobei Kleidung, die der im Video ähnelt, gefunden wurde. Für Rechtsanwalt Alexander Winkler sei die Alltagskleidung aber noch kein Beweis, unter anderem seien die Jacken nicht identisch. Das war währen der Verhandlung aufgrund der Videoqualität aber nicht sicher festzustellen. Bei der Vernehmung erkannte sich der Angeklagte auf dem Foto vom Februar sofort wieder, so der Polizist. 

Über das andere Bild sagte er überrascht „Das bin ja auch ich!“. Er erklärte in der Verhandlung, dass er das aufgrund der Kleidung gesagt habe. Der Polizist dagegen sei sich aber sicher, dass er sich als Person erkannt habe. Allerdings war man sich vor Gericht uneins, ob dem Angeklagten vor der Aussage bei der Vernehmung bekannt war, dass es sich um ein Tatfoto handelte. Der Polizist bejahte dies, was ihm Richterin Sabine Grub glaubte. Der Verteidiger stellte auch klar, dass sein Mandant zur Tatzeit in seinem Haus geschlafen habe. Das könne seine damalige Freundin bezeugen. Man könne also nicht davon ausgehen, dass er die Diebstähle begangen habe. 

Außerdem habe die DNA-Überprüfung keine Ergebnisse geliefert und man könne nicht allein wegen des ähnlichen Erscheinungsbildes von einer Schuld des Angeklagten ausgehen, so Rechtsanwalt Winkler. Die Polizei sei zu Beginn der Ermittlungen eh davon ausgegangen, dass es sich um einen Täter „jugendlichen Alters“ handle. Dass es immer derselbe Täter gewesen sei, schloss der Polizist aus dem Tatverhalten – das Ziel war immer gleich und der wohl erfahrene Täter – der Angeklagte ist KFZ-Mechaniker – ging mit einem Hebelwerkzeug „brachial und berechnet“ vor. Die Anklagen für die ersten beiden Fälle wurden schließlich fallen gelassen. Für Staatsanwalt Christian Peikert war die Schuld des Angeklagten bei dem Dritten aber bewiesen. 

Für diesen spreche, dass er keine Vorstrafen habe, allerdings sei der Schaden nicht unerheblich. Der Anwalt forderte daher eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten mit drei Jahren Bewährung, eine Geldstrafe von 1500 Euro an die Hospizgruppe Landsberg sowie die Übernahme der Verfahrenskosten. Richterin Grub stimmte Peikert zu, die Videoaufnahmen ließen „gar keinen Zweifel“ bei der Wiedererkennung zu. Außerdem sei die Jacke kein Entlastungsindiz, der Angeklagte könne auch einfach mehrere Jacken besitzen. Das Urteil begründete sie auch damit, dass es ein schwerer Diebstahl gewesen sei. Sie gehe aber davon aus, dass Berufung eingelegt werde.

Judith Rietzl

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