Aufklärung in der Wasserkrise

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Wassermeister Sebastian Filipp, Nachfolger von Wassermeister Anton Heiß, zeigte dem KREISBOTEN die Zone 1 des Kauferinger Wasserschutzgebietes. Die Bäume am Hang werden demnächst entfernt. Der Abstand zu den Brunnen muss 20 Meter betragen.

Kaufering – Es war eine sehr emotionale Sitzung. Kauferings Marktgemeinderat hatte auf der jüngsten Sitzung das Thema „keimverseuchtes Wasser“ auf der Tagesordnung. Schon eingangs bei den Fragemöglichkeiten für Bürger beschwerte sich eine verunsicherte Anwohnerin beim Rathauschef und dem Marktgemeinderat. Als Mutter eines Säuglings habe sie zu spät von dem verkeimten Wasser und der anschließenden Chlorung des Wassers erfahren und große Angst gehabt. Das Informationsblatt der Gemeinde sei bei ihr nicht angekommen und erst durch einen Anruf ihrer Mutter habe sie von dem Problem erfahren. Für Simone Drexl ist das Verhalten der Marktgemeinde ein großer Vertrauensbruch. Darüber sei sie sauer, betonte sie. Es habe viel zu wenig Information gegeben.

Gleiches hatte die Kauferinger Mitte in einem Flugblatt, das an alle Kauferinger Haushalte verteilt worden war, dem Bürgermeister vorgeworfen (der KREISBOTE berichtete). Bürgermeister Erich Püttner versuchte, die Wellen zu glätten und Simone Drexl zu beruhigen. „Sie haben sauberes Wasser aus sauberen Leitungen getrunken“, sagte der Rathauschef und verwies auf den Tagesordnungspunkt, in dem das Thema ausführlich behandelt werden soll. Püttner betonte ausdrücklich, man habe alles richtig gemacht. Er räumte allerdings ein, die Information über den Wasserbezug aus Landsberg nicht kommuniziert zu haben. „Das geht auf meine Kappe“.

Was dann folgte, war ein dokumentierter und lückenloser Sachstandsbericht über den Verlauf der Kauferinger Wasserkrise. Der Wassermeister der Kommunalwerke, Anton Heiß, sagte, nach der Feststellung der Verkeimung habe man in enger Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Lebensmittelkontrollstelle des Landratsamtes das Wasser mit Chlor versehen. Nach weiteren Messungen habe man aber feststellen müssen, dass das Problem nicht behoben sei. Man habe vor der Wahl gestanden, entweder weiter Chlor hinzuzugeben oder das Wasser über die Notverbundleitung aus Landsberg zu beziehen. „Wir haben uns dann für das Landsberger Wasser entschieden“, sagte Heiß.

Zur Ursache nahm Heiß auf die Analyse eines Geologen Bezug, nämlich dass eine Reihe von Bäumen unmittelbar an den Quellen beziehungsweise Brunnenanlagen gefällt worden seien. Die absterbenden Wurzeln hätten das sensible Gefüge der Quellen aus dem Gleichgewicht gebracht und die Verkeimung gefördert. Auch den Schuldigen konnte Heiß präsentieren. Es sei Altbürgermeister Dr. Klaus Bühler gewesen, der damals die Vorgaben nie erfüllt hat, schreibt der Kauferinger Wassermeister in seiner Dokumentation. Die Vorgabe lautet nämlich, „die Flächen sind möglichst mit einer zusammenhängenden Grasdecke zu versehen und frei von Bäumen zu halten, mindestens 20 Meter in Fließrichtung (des Grundwassers)“. Bühler sei damals der Meinung gewesen, dies wäre nicht notwendig, sagte Heiß.

Eine Kamerabefahrung hatte 2014 ergeben, dass es an mehreren Stellen zu starken Verwurzelungen gekommen war. In enger Abstimmung mit den Behörden war man zu dem Schluss gekommen, die gesamte Quellsammelanlage zu sanieren. Die erste Hälfte der Bäume sei gefällt worden, sagte Anton Heiß, mit den nun bekannten Folgen, dass die absterbenden Wurzeln für die Verkeimung gesorgt hätten.

Abgeschlossen ist die Sanierung noch nicht. Die Kommunalwerke gehen davon aus, dass bis Ende dieses Jahres die Maßnahmen abgeschlossen sind. In weiteren Schritten müssen in den nächsten zwei Jahren weitere „Wurzeleinträge“ aus der Sammelleitung entfernt werden. Auf der Webseite der Marktgemeinde ist zu lesen, dass bis zum endgültigen Abschluss des baulichen Projektes das Wasser von den Stadtwerken Landsberg bezogen wird.

Weitere Aufklärung über die gesetzlichen Vorgaben bei Wasserschutzgebieten gab es von Bärbel Kromminga. Die Expertin erläuterte dem Gremium ausführlich, was man im Kauferinger Wasserschutzgebiet tun oder lassen muss.

Heftige Kritik über das Info­blatt der Kauferinger Mitte gab es in der Sitzung von den anderen Parteien. Das Infoblatt erwecke den Eindruck, das Landsberger Wasser sei vergiftet, schimpfte CSU-Fraktionschef Meinrad Mayrock. Sascha Kenzler (UBV) nahm die Mitarbeiter der Kommunalwerke in Schutz: „Sie haben alles richtig gemacht.“ Der Infobrief sei eine Fehde gegen Erich Püttner. Gabriele Triebel (GAL) konterte, auch zu Bühlers Zeiten sei Wasser aus Landsberg bezogen worden, ohne dass der Marktgemeinderat informiert worden sei. Ratsmitglied Johann Drexl, selbst Landwirt, brach eine Lanze für seine Kollegen. Auch Landwirte trinken Wasser. Er und seine Kollegen wären sich ihrer Verantwortung für das Grundnahrungsmittel Wasser durchaus bewusst. Die meisten der Kauferinger Landwirte hätten freiwillige Kooperationsverträge mit der Verwaltung geschlossen. Er verstehe nicht, wie die Kauferinger Mitte so einen „Schmarrn schreibe und den ganzen Berufsstand verunglimpfe“. Es werde schon gar kein Klärschlamm im Wasserschutzgebiet ausgebracht, wie die Kauferinger Mitte in ihrem Infoblatt suggeriert hatte. Einen Fall gab es allerdings 2013. Durch ein Versehen waren kleinste Mengen Gülle genau an der Grenze der Schutzzone II und III ausgebracht worden. In Schutzzone III sei das gesetzlich erlaubt.

Das Thema Trinkwasser wird auf der kommenden Bürgerversammlung am 30. November ausführlich behandelt, versprach Bürgermeister Erich Püttne.

Siegfried Spörer

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