Nicht zu "Greater Munich"

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Für Elisabeth (links) und Wolfgang Frey (rechts) war es ein bewegender Abschied von der Kauferinger SPD. Kreisvorsitzender Dominic Scales (2. v. links), Thomas Salzberger (Mitte) und Dr. Albert Thurner (2. v. rechts) verabschiedeten das Urgestein der Kauferinger Sozialdemokraten nach Norddeutschland.

Kaufering – Für Elisabeth und Wolfgang Frey war es ein Abschied. Beide gehören zum Urgestein sozialdemokratischer Politik in der Marktgemeinde und beide sind seit mehr als 40 Jahren in der SPD. Eine Woche vor ihrem Umzug zu ihrer Tochter ins „Alte Land“ zwischen Hamburg und Bremen nahmen sie an der für sie letzten Mitgliederversammlung der Kauferinger SPD teil.

Dort sollte eigentlich die Wahl der Delegierten für die Bundeswahlkreiskonferenz im Mittelpunkt stehen. Die Wahlen waren schnell über die Bühne gebracht. Als Delegierte wurden Ingrid Weichert, Thomas Salzberger und Michael Gröger gewählt. Thomas Wiesmann und Flora Kurz nahmen als Ersatzdelegierte die Wahl an.

Anschließend würdigte Thomas Salzberger als Vorsitzender des Kauferinger Ortsvereins vor allem die politischen Verdienste von Elisabeth Frey. Als Nachfolgerin von Hans Koch trat sie den Ortsvorsitz der Kauferinger SPD an. In den Marktgemeinderat kam sie von 1995 bis 1996 als Nachrückerin für den verstorbenen Friedrich Meixner. 2002 bis 2008 folgte eine Legislaturperiode als Marktgemeinderätin. Salzberger betonte, Elisabeth Frey habe viele weitere Ämter im Kreisvorstand inne gehabt. Im Kauferinger Ortsverein sei Elisabeth Frey immer eine aktive Helferin gewesen.

"Nicht zumutbar"

Ein wenig Politik gab es auch noch zu diskutieren. Markus Wasserle, ehemaliger Landratskandidat, äußerte die Überzeugung, der 30 Millionen teure Neubau eines Landratsamtes sei den Steuerzahlern nicht zumutbar. Für ihn könnte eine „öffentlich-private-Partnerschaft“ eine Lösung sein. Dann würde ein privater Investor das Gebäude bauen und an das Landratsamt vermieten.

Dass etwas passieren muss, sieht auch Dr. Thurner, Bürgermeister der Gemeinde Vilgertshofen und Mitglied im Kreistag. Einen Neubau lehne er nicht grundsätzlich ab, betonte der SPD-Politiker. Im Gegensatz zur totalen Ablehnung von Markus Wasserle sieht Thurner die Probleme etwas differenzierter. Unbestritten sei die Enge im Landrastsamt, dadurch könnten vertrauliche Gesprächen mit Bürgern nicht mehr geführt werden.

Ein weiteres Argument ist für Thurner das Parkproblem. „Natürlich sehe ich auch das Problem der Finanzierung“, sagte Thurner. Marktgemeinderatsmitglied Thomas Wiesmann wies darauf hin, dass er ein Problem habe, wenn das Vorhaben über die Kreisumlage finanziert werden müsse.

Ohne jedes Eigenleben

Einen spannenden Vortrag über die Historie des Lechrain präsentierte Dr. Albert Thurner im Anschluss. Der promovierte Kunsthistoriker betonte, noch sei in der Bevölkerung eine Art Identität und Bewusstsein zum Lechrain vorhanden. Dies sei aber im Schwinden. „Immer weniger Menschen wissen überhaupt vom Lechrain“, sagte Thurner. Man gehöre heute lieber zu „Greater Munich“. Der spezielle Dialekt im Lechrain sei im Aussterben. Thurner gab die Prognose ab, dass zukünftig unter dem Begriff Lechrain eine reine Landschaftsbezeichnung ohne jedes Eigenleben verstanden wird.

Das sei früher anders gewesen. Eindeutig lässt sich laut Thurner aber nicht belegen, welche Einflüsse sich in dem Grenzland zwischen „Baiern“ und Schwaben durchgesetzt hätten. Für ihn am glaubwürdigsten sei die Theorie, dass es im Frühmittelalter noch keine großen Unterschiede des zu „Baiern“ gehörenden Landstriches am Lech gab. Allerdings sei der Einfluss von Augsburg nicht zu unterschätzen gewesen. Augsburg sei damals im Gegensatz zu München eine Weltstadt gewesen.

Siegfried Spörer

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