Kaum mehr Luft nach unten

An der rot markierten Stelle des „6-Monats-Euribors“, ein Zinssatz, unter dem sich die Banken untereinander Geld leihen, hat die Stadt Landsberg weiter auf Zinsen uns somit hohe Geldsummen aufs Spiel gesetzt. Screenshot: Kruse

Verzockt hat man sich bei der Stadt Landsberg bekanntlich schon 2008, als man die spekulativen Zinsgeschäfte auf die eigenen Schulden abschloss. Auch eine externe Beratung schützt aber offenbar nicht vor weiteren Fehleinschätzungen, wie nun der aktuelle Bericht zu den Derivaten vor dem Stadtrat zeigte. Die Stadt muss für das laufende Jahr noch einmal eine halbe Million Euro mehr als erwartet nachschießen. Grund: die Zinsen sind offenbar überraschend noch weiter gefallen. Verlust für das Jahr 2012 aus den Zinswetten: 1,6 Millionen Euro.

Noch vor wenigen Monaten hatte der damalige OB Ingo Lehmann (SPD) im Stadtrat von einem Aussteigen aus den Verträgen abgeraten: „Das wäre nach Auskunft aller unserer Berater mit weiteren Kosten verbunden. Der Zinssatz liegt im Moment bei einem Prozent. Viel weiter runter kann er nach Auskunft der Experten nicht gehen. Und wenn er nur um ein Prozent steigt, hat die Stadt schon wieder eine Million pro Jahr gewonnen.“ Das Problem: Seit Lehmanns Stellungnahme kennt der ausschlaggebende „6-Monats-Euribor“, ein Zinssatz, zu dem sich die europäischen Banken untereinander Geld leihen, nur eine Richtung, und die führt nach unten. Damit wird das Geschäft für die Stadt immer teurer. Bei einem Euribor von 4,8 Prozent hatte man die Wette auf steigende Zinsen abgeschlossen, Lehmanns Statement erfolgte bei 1,2 Prozent, inzwischen krachte der Euribor auf etwas über 0,4 Prozent ab. Martin Hoffschmidt, der als Fachanwalt der Kanzlei Becker, Büttner, Held die Stadt auch bei der Klage gegen die Privatbank vertritt, die die entsprechenden Derivate verkauft hat, erläuterte den Räten die komplexe Materie. In seinem Vortrag ging es auch um die „Bloomberg-Software“, die „anhand zurückliegender und nachträglich täg­- lich aktueller Werte die Zinserwartungskurven berechnet.“ Sowohl die „Experten“ als auch das komplexe Computerprogramm lagen allerdings wohl in diesem Jahr falsch. Die Versuche der EZB, den Euro zu retten, indem man den Geldmarkt mit über 500 Milliarden Euro flutete, haben offenbar auch alle Prognosen über den Haufen geworfen – die für die Stadt relevanten Zinsen stürzten gegen Null ab. Für die Stadt Landsberg bedeutet das, dass sie für dieses Jahr für ihre spekulativen Zinsgeschäfte nochmals knapp 516000 Euro mehr als noch im März von BBH veranschlagt an ihre Bank überweisen muss. Der potenzielle Gesamtschaden aus den Derivatgeschäften erhöht sich damit auf 6,21 Millionen Euro. Zwei gute Nachrichten gibt es allerdings: Viel tiefer kann der Zinssatz nun tatsächlich nicht mehr fallen – unter Null wird er nicht sinken. Zudem werden im Moment die laufenden Kassenkredite dank der niedrigen Zinsen immer billiger. Und davon hat die Stadt inzwischen über 15 Millionen angehäuft. Wegen der „Hebelwirkung“ der Optionsgeschäfte macht das den Verlust aus den Derivaten nicht wett. Für Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) belegt das seine These: „Eine Kommune sollte sich nicht auf Zins-Wetten einlassen, so einfach ist das.“ Bis auf den „Doppel-Swap“ laufen alle Verträge mit der Bank zum Jahresende aus. Der intern mit „969“ bezeichnete Vertrag läuft allerdings noch bis 2034.

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