Kein Gewusel am Tatort Ammersee

Sonntagabend in Deutschland. Die eine Hälfte der Fernsehnation lässt sich spannend mit der neuesten Folge des Tatortes aus Berlin unterhalten, die andere kuschelt mit dem Partner vor dem Fernseher bei Rosamunde Pilchers neuester Liebesschmonzette. Doch an diesem Sonntag stimmt das so nicht ganz. Eine verschwindend kleine Menge befindet sich zur „Tatort-Zeit“ auf dem Ammersee, genauer gesagt auf dem im vergangenen Jahr neu installierten Dampfer „Augsburg“ und genießt die zweite Folge der Krimireihe „Tatort Ammersee“.

Wie schon bei der Erstauflage findet auch heuer die Auftaktveranstaltung zur „Tatort-Ammersee“-Reihe auf dem Ammersee statt – wo sonst? Die bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk liest höchst selbst aus einem Lokalkrimi, der in Landshut spielt: „Pasta nera“. Mit erstaunenswert dramatischer Stimme und einem hübsch gesprochenen italienischen Akzent lässt sie den mörderischen Koch, der mit seiner köstlichen „Pasta nera con gamberoni“ den Kommissar ermordet, vor den Augen der Zuhörer im Speisesaal der „Augsburg“ lebendig werden. „Für gutes Essen tue ich fast alles“, gesteht der echte Kriminalkommissar, Manfred Frey, Leiter der Fürstenfeldbrucker Kriminalpolizei, im anschließenden Interview mit Sabine Thomas, Initiatorin des Krimi-Festivals. Aber, so Frey weiter, die Krimis seien viel spannender als das wirkliche Leben eines Kommissars. Das sei langweiliger. Er wäre schon gerne Tom Selleck in Magnum, seine Frau sehe in ihm vielleicht doch eher den Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu, die Kultfigur des Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr. Mit ungewöhnlichem Witz und Charme kontert der Kommissar die Fragen der Interviewerin. Warum so viele Frauen morden und Männer häufiger wegen Totschlages angeklagt werden, möchte Thomas wissen. Das liege wohl am Motiv, meint Frey, denn Männer wehren sich einfach. Ebenso stellt Frey klar, dass das Gewusel am Tatort, wie wir es von den Krimiserien her kennen, bei wirklichen Kriminalfällen nicht stattfindet. Dort sei es nicht so wie bei „Columbo“, wo das halbe Polizeipräsidium um die Leiche herumschwadroniere. Running Sushi Dann der Höhepunkt des Abends. Die beiden Allgäuer Kultautoren Volker Klüpfel und Michael Kobr lesen aus ihrem Werk „Seegrund“. Es macht Spaß den beiden zuzuhören, wenn sie mit verteilten Rollen den Kommissar Kluftinger im japanisch-vietnamesischen Lokal mit den „Running Sushi“ kämpfen lassen. Witzig, wie Klüpfel dieses japanisch akzentuierte Deutsch nachahmt und Kobr kühl allgäuerisch antwortet. Zum Schluss bekommen die beiden noch die „Mimi“, den Krimipreis des deutschen Buchhandels des Jahres 2009 von der bayerischen Justizministerin überreicht. Vorher müssen sie allerdings noch gestehen, dass sie nur noch sechs Wochen bis zur Abgabe ihres Buches haben, das pünktlich zur Buchmesse im Herbst diesen Jahres erscheinen soll. Die erste Verfilmung des Romans „Milchgeld“ wird am 27. September im Fernsehen gezeigt. Klüpfel spielt dort den Pathologen. Kobr möchte wissen, wie Klüpfel das nur geschafft hat…

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