Kein Schnaps im Bauwagen

Von der Bildfläche inzwischen verschwunden, weil nicht genehmigungsfähig: der Bauwagen auf dem Ertl-Areal in Rott. Foto: Privat

Bauwagen und Hütten im Landkreis – wertvolle Jugendtreffpunkte oder Plätze, an denen vorwiegend gesoffen und geprügelt wird? Das Thema beschäftigt die Behörden, zuletzt vor allem die Landkreisverwaltung, seit mehr als drei Jahren, inzwischen ist man dabei auf der Zielgeraden angelangt.

Im Landkreis gibt respektive gab es 56 derartige Einrichtungen, längst war klar, dass nur diejenigen weiter existieren können, die auf einer rechtlich sauberen Grundlage stehen. Dazu ist Voraussetzung, dass die Gemeinde die „Verkehrssicherungspflicht“ übernimmt und eine Hausordnung erlässt, die (analog zum Jugendschutzgesetz) unter anderem den Konsum von hochprozentigen Alkoholika verbietet. Für 20 bisherige Bauwagen und Hütten dürfte demnach das letzte Stündlein geschlagen haben. Die Gemeinden ließen sich dabei nicht in die Pflicht nehmen. Mit dem „Rückbau“ soll zeitnah begonnen werden, neben anderen ist der in der Öffentlichkeit Aufsehen erregende Bauwagen in Rott bereits von der Bildfläche verschwunden. „In 36 Fällen wurde uns gemeldet, dass die Gemeinde die Verkehrssicherungspflicht übernimmt und eine entsprechende Hausordnung vorhanden ist, dementsprechend wird das Bauamt diese Einrichtungen dulden“, gab Jugendamtsleiter Peter Rasch jüngst bekannt. Landrat Walter Eichner (CSU) ist das Thema trotzdem weiterhin ein Dorn im Auge: „Wenn ich jetzt gerade wieder in den Zeitungen lese, dass sich 17-Jährige dort besoffen um 3.30 Uhr die Schädel einschlagen und dann auch noch die Polizei bedrohen, frage ich mich schon, wie sich das mit einer Duldung unsererseits verträgt.“ Nicht so dramatisch sieht das Landsbergs Polizeichef Alfred Geyer. „So schlimm war der Fall auch wieder nicht. Unser Problem ist einfach, dass da massiv gesoffen wird, deswegen kontrollieren wir das auch. Aber das hätten wir auch anderswo, wenn es die Bauwagen nicht mehr gibt.“ Fuchstal-Bürgermeister Erwin Karg gibt sich ebenfalls pragmatisch. „Wir haben unsere drei Einrichtungen mit als Erste angemeldet und die sind inzwischen auch genehmigt. Die Anforderungen in punkto Standsicherheit, Brandschutz und Erreichbarkeit für Rettungsfahr­- zeuge sind erfüllt.“ Genauso klar ist allerdings, dass weder Polizei noch Bürgermeister vor Ort durchgehend kontrollieren können, ob das „Schnapsverbot“ eingehalten wird. Karg weiter: „Wenn es da zu Ausschreitungen kommt, werden wir das mitbekommen. Das weiß ich spätestens, wenn es die Polizei mit zwei 14-Jährigen besoffenen Mädchen zu tun bekommt, die mit einer Flasche Whiskey aufgegriffen werden. Das wird dann beim ersten Mal Thema im Gemeinde­- rat sein, beim zweiten Mal werden wir dem Landratsamt mitteilen, dass die Auflagen nicht eingehalten werden und dann wird die Einrichtung beseitigt.“ Schon im Jugenhilfeausschuss des Landkreises gab Karg dazu eine klare Prognose ab: „Im Moment sind 36 Einrichtungen genehmigt. Ich gehe davon aus, dass wir in fünf Jahren noch die Hälfte davon haben werden und der Rest geschlossen ist.“

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