Um keine Ausrede verlegen

Leichtes Spiel beim Schnapps-Kauf… Cartoon: Pfeffer

Wie leicht kommen Jugendliche an Schnaps? Immer noch zu leicht. In 63 Geschäften hat das Amt für Jugend und Familie seit Oktober in Stadt und Landkreis Landsberg inkognito die Probe gemacht, 28 Mal erhielten die Testkäufer im Alter von 16 und 17 Jahren harte Spirituosen ausgehändigt – das entspricht einer „Erfolgsquote“ von 44 Prozent.

„Das ist immer noch zuviel“, sagt Amtsleiter Peter Rasch, „aber in anderen Landkreisen, in denen nicht kontrolliert wird, liegt die Quote bei 60 bis 70 Prozent.“ Seine Schlussfolgerung: „Wir wurden zwar aus dem Landkreis Weilheim-Schongau heftig angefeindet, als wir die Testkäufe angekündigt haben. Aber die Zahlen gehen nur dort zurück, wo kontrolliert wird. Mit Prävention alleine erreicht man nicht das gewünschte Ergebnis.“ Das Jugendamt schickt bei den Käufen zwei Jugendliche mit einigen Waren, darunter eine Flasche Schnaps, an die Kasse von Supermärkten, Tankstellen, Getränkemärkten und anderen Einzelhandelsgeschäften. Die Käufer seien so ausgewählt, dass „man optisch auf jeden Fall Zweifel an der Volljährigkeit haben müsste“, so Rasch. An den meisten Kassen ist inzwischen ein System installiert, das den Kassierer oder die Kassiererin auffordert, das Alter des Kunden zu überprüfen, sobald Alkoholika über den Barcode-Scanner gezogen werden. In 20 Fällen wurde das schlicht ignoriert, in acht Fällen der Ausweis verlangt, dann aber offenbar falsch gerechnet: Die Jugendlichen erhielten ihn zusammen mit dem Schnaps zurück. „Da weiß ich auch nicht genau, was ich dazu sagen soll“, kommentiert Rasch den Vorgang. Er weiß allerdings genau, was er dann tut: Wurde der Kauf verweigert, wird das Gespräch mit der Kassenkraft gesucht, der Sachverhalt aufgeklärt und ein Lob ausgesprochen. Wurde aber der Schnaps verkauft, wird zu einem Gespräch ins Büro gebeten und es setzt ein Bußgeld. Bislang sind 100 Euro fällig; wurde der Ausweis angefordert und das Alter falsch berechnet, sind es 50 Euro. Allerdings ist mit einer einmaligen Kontrolle kein Verkäufer aus dem Schneider, das Amt plant auch wiederholte Tests in denselben Märkten und Tankstellen. Sollte jemand zum zweiten Mal erwischt werden, wird Amtsleiter Rasch ungemütlich. „Dann sind 350 bis 400 Euro fällig.“ Die Strafen bleiben in der Regel an den Verkäufern hängen, denn die Eigentümer oder Filialleiter haben sich abgesichert. „Alle, bei denen wir bis jetzt waren, können die erforderliche Belehrung ihres Personals vorweisen“, berichtet Peter Rasch. Auch mit Aushängen im Büro werden die Angestellten auf die Sachlage hingewiesen: „Wer Schnaps an Jugendliche verkauft und erwischt wird, zahlt selbst“, warnt mancher Chef. Teilweise hat das dann unangenehme Konsequenzen. Rasch: „Manchmal heißt es dann vom Kassenpersonal, dass ihm jetzt eine Abmahnung oder gar die Kündigung drohe. Aber wir können ja deswegen nicht die Sache unter den Tisch fallen lassen.“ Andere Ertappte sind nicht um eine bunte Ausrede verlegen, da wird im Gespräch mit dem Amt auch der vorgelegte Altersnachweis der Jugendlichen ignoriert: „Glaub' ich nicht, die ist doch locker 18“. Rasch und seine Truppe ficht das nicht an – es wird weiter kontrolliert.

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