No free lunch

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Die Gärtnerei Scherdi Hofstetten würde gerne die Patenschaft für die bislang kargen Kreisverkehre am Bayertor und an der Waldorfschule (Foto) übernehmen, sofern sie dann auch auf sich aufmerksam machen darf.

Landsberg – Ob Edeldistel, Sonnenhut, Buchsbaum oder Schwertlilien – bepflanzt sieht ein Kreisverkehr doch gleich viel besser aus. Deswegen hat die Stadtverwaltung aufgrund eines Beschlusses des Stadtrats bei Landsberger Gartenbauunternehmen nach Kreisverkehr-Paten gesucht. Als der KREISBOTE vorige Woche berichtete, dass die Resonanz mager war, trat in letzter Minute Scherdi Hofstetten auf den Plan – und löste eine Diskussion im Bauausschuss aus.

Denn die Hofstettener „Premiumgärtnerei zwischen Ammersee und Lech“ ist nicht uneigennützig unterwegs. Sie möchte zwei der vier angebotenen Kreisverkehre, nämlich die insgesamt 890 Quadratmeter großen Rondelle am Bayertor und an der Waldorfschule, fünf Jahre lang hegen und pflegen. Aber nur, wenn sie an den sieben Zufahrtsstraßen jeweils 60 mal 60 Zentimeter große Werbeschilder aufstellen darf.

Damit hatten eigentlich nur drei Mitglieder des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses kein Problem: Oberbürgermeister Mathias Neuner, Stadtplanungsreferent Berthold Lesch (CSU) sowie Stadtrat Reinhard Skobrinsky (BAL). Der Erste meinte, professionell gestaltete Kreisel seien doch „eine schöne Sache“, der Zweite glaubte, der Stadtrat habe das doch schon längst entschieden, und der Dritte berichtete, Werbeschilder an Kreisverkehren auf seinen Autofahrten schon öfters gesehen zu haben.

Ihnen gegenüber standen Andreas Hartmann (Grüne), Dieter Völkel (SPD), teilweise auch Jonas Pioch (Landsberger Mitte) sowie Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV). Moderator Mathias Neuner rief mit zunehmender Diskussionslänge immer neue Varianten auf. Mal nahm die Zahl der Schilder, mal ihre Größe ab. Zwischendurch wurde diskutiert, ob man diesen Beschluss überhaupt fassen könne, nachdem man zuvor Interessenten mit gleichem Werbe-Ansinnen abgewiesen habe. Ordnungsamtschef Ernst Müller warnte davor, „ein Fass aufzumachen“ und einen „Bezugsfall“ zu schaffen.

Doris Baumgartl schlug letztlich vor, über beide Kreisverkehre getrennt abzustimmen. Die Stadtverwaltung darf jetzt mit Scherdi über das Rondell an der Waldorfschule verhandeln (8 waren dafür, 5 dagegen). Der Antrag, auch den Kreisel am Bayertor einzubeziehen, scheiterte (5 waren dafür, 8 dagegen). Ob der Gärtnereibetrieb nun noch interessiert ist, blieb zunächst offen – genehmigt sind auch nur zwei Schilder „am Boden“, je eins pro „Hauptfahrrichtung“, jeweils 50 mal 50 Zentimeter groß.

Maßstab für all das ist eigentlich die städtische Außenwerbeanlagen-Satzung vom 23. November 2013. Bei dieser Gelegenheit erfuhr man im Bauausschuss aber, dass sie offenbar bereits wieder geändert werden muss, weil die Stadt einen Prozess vor dem Verwaltungsgericht verloren hat. Dabei geht es wohl um den Satz „Werbeanlagen sind nur an der Stätte der Leistung zulässig“, womit der Aufsteller einer Großwerbetafel auch außerhalb des Ortskerns gehindert wäre, für ein ortsfremdes Unternehmen zu werben. Dies schränkt die Plakatbranche erheblich und möglicherweise unzumutbar ein.

Die sich hinziehende Diskussion hatte etwas Gutes: Am Ende wussten alle Ausschussmitglieder, dass kein Gartenbauer unsere Kreisverkehre ohne Gegenleistung zum Blühen bringt. Einen „free lunch“, sagt eine Theorie, gibt es nicht. Auch nicht im beschaulichen Landsberg. Selbst wenn der Stadtrat noch so nett darum bittet.

Werner Lauff

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