Kinder als Existenzbedrohung?

Was im Volksmund gerne als das größte Glück auf Erden bezeichnet wird, nämlich Kinder zu haben, stellt Frauen und deren Partner zunehmend vor existenzielle Probleme. Besonders erschreckend findet Gertrud Bliemert-Prestele, Leite­- rin der Katholischen Schwangerenberatungsstelle, dass ver­mehrt auch solche Frauen ihre Schwangerschaft als bedrohlich empfänden, deren Partner über ein regelmäßiges Einkommen verfügten.

Doch was eigentlich heißt in diesen Fällen „regelmäßiges Einkommen“? „Wir reden zum Beispiel von Männern mit Niedriglohnjobs, die trotz einer Vollzeitarbeit auf staatliche Hilfe zu­rückgreifen müssen, um ihre Fa­- milien über die Runden zu bringen“, erläutert Bliemert-Prestele. Gemeint sind auch Männer, deren ohnehin schmaler Lohn durch Kurzarbeit noch geringer wird und die permanent von Arbeitslosigkeit bedroht sind. In einer derart instabilen Lage geraten schwangere Frauen besonders schnell unter Druck. Sie kommen in die Beratung und haben meist einen Rucksack voller Probleme dabei. Doch das, was alle anderen Probleme überwiegt, zum Teil überdeckt und andere nach sich zieht, ist die schlechte wirtschaftliche Situation. Von den 407 meist weiblichen Ratsuchenden, die 2008 zur Katholischen Beratungsstelle kamen, gaben rund 80 Prozent an, finanzielle Probleme zu haben und nahezu 60 Prozent klag­ten über Zukunftsängste. Da ist es nicht verwunderlich, dass annährend genauso viele Frauen sich physisch und psychisch überlastet fühlen, was sich negativ auf die Gesundheit der Frauen auswirkt. Auch wenn noch keine abschließende statistische Auswertung für das ablaufende Jahr vorliegt, so kann Bliemert-Prestele mit Sicherheit sa­gen, dass dieser Trend sich 2009 ungemindert fortgesetzt hat. Neben der Leiterin arbeiten zwei weitere Sozialpädagoginnen in der Katholischen Beratungsstelle. Susanne Bouzo ist eine von ihnen. Sie spricht im Zusammenhang mit der Erstberatung sogar von „Krisenintervention“. „Die meisten der Frauen wissen nicht, welche gesetzlichen Leistungen ihnen zustehen. Deshalb sind wir, was die Sozialgesetzgebung und arbeitsrechtliche Fragestellungen betrifft, ebenso intensiv geschult wie in paar- und familientherapeutischen Belangen.“ Das Beraterteam steht Frauen nicht nur bei finanziellen Schwie­rigkeiten zur Seite. Denn gerade wenn der erste Schockzustand über die meist ungeplante Schwangerschaft und die damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten sich langsam zu lösen beginnt, kommen weitere, nicht weniger belastende Probleme, ans Tageslicht. Dazu gehören Konflikte mit dem Partner und den Eltern. In dieser Situation der Überforderung unterstützen die Sozialpäda- goginnen die Frauen auch bei der Haushaltsplanung und der Wohnungssuche. Sie helfen besonders jungen Müttern und Vätern, damit diese mit der Elternrolle und der Übernahme von Verantwortung für das Kind vertraut werden. Jahrelange Begleitung Natürlich hört die Begleitung nach der Geburt des Kindes nicht auf. „Unsere Hilfsangebote gehen weit über die Betreuung von schwangeren Frauen hinaus. Wir stehen den Frauen und Familien bei, bis die Kinder drei Jahre alt sind“, so die Leiterin der Beratungsstelle. Das Beratungsspektrum umfasst alle Probleme rund um das Thema Familie und Kinder. Das reicht von unerfülltem Kinderwunsch über Ausbildungsför­de­rung junger Mütter bis zu den psychischen Spätfolgen eines Schwangerschaftsabbruchs. Was immer wieder Verwunderung auslöst, ist die Tatsache, dass die Katholische Beratungsstelle offen ist für alle Frauen, unabhängig von ihrer Religion und Nationalität. Weitere Angebote Mit dem Blick auf die Zukunft der Kinder gerichtet, liegen Bliemert-Prestele zwei Angebote be­sonders am Herzen. In der Beratungsstelle finden, neben Gruppentreffen für Alleinerziehende, auch Intensivkurse für junge Mütter und Väter statt. Hier lernen die jungen Eltern zum einen, was ihre Babys für eine gesunde Entwicklung brauchen, wie man Babysprache deutet und wie man mit Stress und Überbelastung umgehen kann. In einem anderen Kurs steht die Beziehung zwischen Eltern und Kind im Vordergrund. Damit junge Eltern und ihre Kinder auch in der finanziell und sozial bedrückenden Lebenslage die Chance bekommen, etwas von dem größten Glück auf Erden zu spüren. Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, Vorderer Anger 276, Landsberg, Telefon 08191/478511.

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