Kinder setzen neuen Wald

Über 2000 Bäume und Sträucher haben Siebtklässler der Freien Waldorfschule kürzlich während ihres Praktikums beim städtischen Forstamt gepflanzt. Mit Klassenlehrerin Eva Römer, Gartenbaulehrer Stefan Charrois und einigen Eltern waren sie einige Tage nach Erpfting gekommen und haben intensiv mit Spaten und Wiedehopfhauen gearbeitet.

Jede Menge Fachinformationen haben die Waldorfschüler mitgenommen und auch gemerkt, wie anstrengend, aber auch gewinnbringend die körperliche Arbeit in der freien Natur ist. Von Förster Joachim Schwarzer und Forstwirt Tobias Harrer erfuhren die Jugendlichen, wie ein Wald bepflanzt wird und welche Überlegungen dabei eine Rolle spielen. Der Wald hat wichtige Funktionen: Er produziert Sauerstoff, filtert Schadstoffe, bindet Treibhaushausgase, sorgt für Wasser­rückhalt bei starkem Regen und für Temperaturausgleich und Regelung der Luftfeuchtigkeit. Wird ein Waldgebiet gerodet, wie das etwa in großem Stil im Iglinger Frauenwald der Fall ist, muss laut Bayerischem Waldgesetz innerhalb von zwei Jahren an anderer Stelle für Ausgleich gesorgt werden. Damit das Klausner-Sägewerk gebaut werden konnte und das Edeka-Logistikzentrum demnächst entstehen kann, mussten Wald­- flächen gerodet werden. Dafür hat die Stadt Landsberg nun ein großes Gebiet beim Gut Mittelstetten wiederaufgeforstet. Während das eigentliche Waldgebiet mit Stieleichen und Winterlinde maschinell bepflanzt wurde, waren die Siebtklässler der Waldorfschule für den Waldrand zuständig. Dieser Schutzstreifen ist 25 Meter tief gestaffelt, steigt fließend und stufenartig zum eigentlichen Wald hin an und besteht aus drei verschiedenen Zonen. In der ersten Zone stehen einheimische Sträucher, etwa niedrige Rosenarten. In der zweiten Zone kommen drei bis vier Meter hohe Sträucher wie Schlehen oder Weißdorn zum Einsatz und in der dritten Zone zwölf bis 20 Meter hohe Bäume – Vogelbeeren etwa. Über 2000 Setzlinge brachten die Waldorfschüler nun in die städtische Erde. „Wir haben über die Jahre gut mit der Waldorfschule zusammengearbeitet und unterstützen sehr gern waldpädagogische Programme für Schulklassen“, sagt Forstamtsleiter Dr. Gerhard Gaudlitz. Er findet es wichtig, dass Kinder nicht nur virtuell, sondern direkt vor Ort erleben, wie arbeitsintensiv die Pflege und der Schutz des Waldes sind. Bei der Bepflanzung spielt übrigens auch der Vogelschutz eine Rolle und wichtig ist zudem, dass Kleinlebewesen im Winter eine Nahrungsquelle haben – zum Beispiel Wildapfel und -birne oder Vogelbeere. Die Schönheit des Waldes wird ebenfalls in die Überlegungen einbezogen: „Im Frühjahr zum Beispiel soll es abwechslungsreich blühen und im Herbst soll später eine schöne, intensive Laubfärbung zu sehen sein“, erklärt Gaudlitz. Die Schüler lernten auch, was Waldpflege und -schutz bedeuten. Am letzten Tag ihres Praktikums haben sie östlich der B17 in der Nähe eines Industrieunternehmens Müll gesammelt. Zum Lohn spendierte das Unternehmen den jungen Waldarbeitern eine Brotzeit. „In zwölf bis 15 Jahren wird in Erpfting ein dichter Jungwald entstanden sein“, weiß Forstamtsleiter Dr. Gaudlitz. Auf einen wirklichen Ausgleich für eine gerodete Fläche muss man also einige Jahre lang warten.

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