"Ochsentour" soll enden

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„Rechnerisch“ sind genug Kindergartenplätze in Landsberg vorhanden, allerdings stehen trotzdem noch 80 Kinder auf der Warteliste.

Landsberg – Der Stadtrat hat sich die aktuellen Belegungszahlen der Kinderbetreuungseinrichtungen vorlegen lassen. Gleichzeitig hat er dringend gebeten, dass die Stadtverwaltung mehr Service für die Eltern schafft. Es gehe nicht an, dass diese bei der Suche nach Kindergarten- oder Krippenplätzen eine „Ochsentour“ absolvieren und sich durchfragen müssen.

867 Kindergartenplätze werden – „bei hundertprozentiger Inanspruchnahme“ – in Landsberg benötigt; die sind „rechnerisch“ alle vorhanden. Wieso noch 80 Kinder auf Wartelisten stehen, ist unklar – die Stadt spricht von einer „Momentaufnahme“ – „belastbare Daten werden voraussichtlich erst Ende Juli vorliegen“. Ein Problem ist die Koordination von Angebot und Nachfrage. Eltern müssen die einzelnen Einrichtungen abtelefonieren. Das müsse doch einfacher gehen, sagte Berthold Lesch (CSU) in der Sitzung des Stadtrats: „Wir brauchen eine zentrale Auskunft und Vergabe für Kinderkrippen und Kindergärten.“

Davon ist man offenbar noch weit entfernt. Auf ihrer Website lässt die Stadt zwar Stolz auf die Vielfalt des Angebots erkennen: „Sie haben innerhalb der Stadt Landsberg 14 verschiedene Kindergärten zur Auswahl. Dabei ist nicht nur die Lage des Kindergartens entscheidend. Das Angebot geht über kirchliche – evangelisch und katholische – Einrichtungen, zu Arbeiterwohlfahrt, Lebenshilfe, Bayerisches Rotes Kreuz, städtische Kindergärten bis zu privaten Trägern und Vereinen. Aber nicht nur die Träger sind vielfältig, sondern für Eltern steht oftmals das pädagogische Konzept im Mittelpunkt. Offene oder feste Gruppen, Waldorfpädagogik oder Waldkindergarten, die Auswahl ist groß.“

Doch dann wird es für die Eltern diffus: „Alle Kindergärten versenden die Zusagen per Post. Eltern haben dann Zeit, verbindlich ihre zugesagten Plätze zu bestätigen. Reagieren die Eltern nicht auf die Zusage oder sagen diese ab, werden die Plätze im jeweiligen Nachrückverfahren aufgefüllt.“ Die Träger und die Stadt bürden die Suche also den Eltern auf, die damit bis zuletzt unsicher sind, ob beispielsweise eine Arbeitsstelle angetreten werden kann oder nicht. Außerdem führt dieses Verfahren zu einer Vielzahl von vorsorglichen Mehrfachanmeldungen.

Gerhard Müller, zuständiger Referatsleiter bei der Stadt Landsberg, erklärte in der Sitzung, die elektronische Beantragung, Koordination und Vergabe der Plätze sei auch sein Ziel. „Das Problem sind aber die Träger.“ Zwar versuche die Stadt, die in diesem Segment führende Software („Little Bird“) einzuführen; Mittel seien dafür auch schon etatisiert. Schwierigkeiten bereiteten aber Kompatibilität und Schnittstellen. Dennoch sagten Müller und Kindergartenreferentin Doris Baumgartl (UBV) nun eine Beschleunigung des Prozesses zu.

Bei den Kinderkrippen sieht die Lage weniger gut aus. 171 Plätze in Einrichtungen und der Tagespflege stünden zur Verfügung, was zu einer Betreuungsquote von 33 Prozent führe, sagte Müller – jedes dritte Kind könne also einen Krippenplatz erhalten. Das entspricht zwar ziemlich genau dem Bundesdurchschnitt, ist in Landsberg aber nicht genug: Zurzeit stehen 97 Kinder auf der Warteliste. Jost Handtrack (Grüne) lobte die Stadtverwaltung dafür, dass sie nun erstmals Tagesmütter in die Darstellung einbeziehe; sie seien bisher vernachlässigt worden.

Werner Lauff

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