Das Kinderhaus vor dem Aus?

Die ursprüngliche Planung: Das „Kinderhaus Römerauterrasse“ (oben Mitte, dunkel) sollte an der Einfahrt zum Klinikum Landsberg (links) gebaut werden. Foto: kb

Nicht kleckern, sondern klotzen: Wenn schon ein Kinderhaus, dann richtig. Aus diesem Fahrwasser ließen sich die Stadtoberen in den zurückliegenden eineinhalb Jahren nicht drängen – auch nicht von jenen, die den Bedarf für das von Ex-OB Ingo Lehmann (SPD) mit aller Macht angeschobene Projekt stets in Zweifel zogen. Jetzt wird die große Mehrheit des Stadtrates eines Besseren belehrt: Der Freistaat fördert das „Kinderhaus Römerauterrasse“ nur zum Teil, weil es in der Lechstadt keinen Bedarf für wei­tere Kindergartenplätze gibt. Unbestätigten Informationen zufolge will OB Mathias Neuner (CSU) das Projekt stoppen.

Für knapp vier Millionen Euro sollte der aus fünf zweistöckigen Häusern bestehende Kinderhauskomplex nach den Plä­- nen des Nürnberger Büros BBS gebaut werden. Eine Bedarfsermittlung in Form eines von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens und ein Architektenwettbewerb waren vorausgegangen. Drei Kindergarten- und drei Krippengruppen für 75 beziehungsweise 36 Kinder waren geplant – zunächst auf einem Grundstück des Landkreises, direkt an der Einfahrt zum Klinikum. Weil das aber an den Verhandlungen zwischen Stadt und Klinikumsvorstand scheiterte, erwarb die Stadt im Herbst vergangenen Jahres von Privat ein Grundstück westlich des Klinikums in der Bürgermeister-Dr. Hartmann-Straße. Mit geringfügigen Planänderungen ließe sich das Projekt auch an diesem Standort realisieren, hieß es damals. Das „sportliche Ziel“, bis zum Kindergartenjahr 2012/13 fertig zu sein, sei noch erreichbar, sagte Lehmann im August. Für März, also noch vor der OB-Wahl, war der Spatenstich für das die „Betreuungslücke im Nordwesten der Lechstadt“ schließende Projekt vorgesehen. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Einerseits forderte das Landratsamt, die Pläne erneut zu ändern, da einige Gruppenräume zu klein ausgefallen waren. Andererseits lagen etwa zu diesem Zeitpunkt im Landratsamt als Aufsichtsbehörde für die Kindergärten die neuesten Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung im Landkreis vor. „Danach gibt es in Landsberg in den nächsten Jahren keinen Bedarf an weiteren Kindergartenplätzen“, sagt Landrat Walter Eichner (CSU) auf Anfrage des KREISBOTEN. Die Geburtenzahlen in der Lechstadt seien rückläufig. Vor gut zwei Wochen habe das Landratsamt neuerlich eine Stellungnahme bei der Regierung von Oberbayern abgegeben, was dazu führte, dass diese ihre Förderzusage für die drei Kindergartengruppen zurückzog. "Wackelig eine Gruppe" Verschiedener Ansicht waren Stadt und Landkreis von Beginn an. Den Bedarf für die drei Krippengruppen habe man stets unterstützt, so Eichner, darüber hinaus aber nur „wackelig eine Kindergartengruppe“. Diese Position sei im Mai 2011 bei einer gemeinsamen Besprechung in der Regierung von Oberbayern, an der auch Ex-OB Lehmann teilnahm, vertreten worden. Die Münchener Behörde habe sich etwas großzügiger gezeigt und drei Krippen- sowie zwei Kindergartengruppen als förderfähig erachtet. Letzteres ist jetzt allerdings Makulatur und hinterließe bei der Stadt eine Finanzierungslücke von 200000 Euro – sofern das Kinderhaus dennoch gebaut würde. Für die Kinderkrippe soll eine Förderung in Höhe von gut 850000 Euro in Aussicht stehen. Und was nun? Während OB Neuner nach KREISBOTEN-Informationen das Projekt auf einem teuer erkauften Grund­stück aus Kostengründen nicht mehr realisieren möchte, ist hinter vorgehaltener Hand die Rede davon, dass es eine abgespeckte Planung geben soll – das wäre dann schon die vierte. Bisher dürfen allein für die drei Planungen und den Architektenwettbewerb 250000 Euro ausgegeben worden sein. Eine Stellungnahme von der Stadt war heute nicht zu bekommen. Der Oberbürgermeister ließ wissen, dass er „für zwei Tage nicht da sei“, das Pressereferat unter der Leitung von Eva Schatz glänzte komplett mit Abwesenheit – Betriebsausflug.

Meistgelesene Artikel

Noch ein Protest-Kunstwerk

Holzhausen – Wie einst Asterix und seine Gallier gegen die Römer kämpfen Daniel Fusban und seine Holzhauser Mitbürger gegen die übermächtige …
Noch ein Protest-Kunstwerk

Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Kaufering – Die Freiwillige Feuerwehr der Marktgemeinde hat Nachwuchssorgen. Das war eines der brennenden Themen auf der diesjährigen …
Alarmstimmung bei der Feuerwehr

Ein Kreisverkehr ist out

Kaufering – Pendler, die morgens zur Hauptverkehrszeit auf der alten B17 in Richtung Landsberg unterwegs sind, kennen das Problem zur Genüge. Wenn …
Ein Kreisverkehr ist out

Kommentare