Klasse "Versuchskaninchen"

Jahrgangssprecher Jonathan Skudlik hielt stellvertretend für die 70 erfolgreichen G8-Absolventen des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums die Abiturrede. Foto: Osman

Erzabt Jeremias Schröder versteht sich aufs Pointen setzen. „Ihr seid ein bisschen jünger“, bescheinigte er in seiner Abitur-Ansprache dem ersten Jahrgang, der am Rhabanus-Maurus-Gymnasium das G8 absolviert hat. „Auf den ersten Blick wirkt das putzig. Auf den zweiten ist es beängstigend, denn wahrscheinlich werdet ihr auch schneller alt werden.“ Deshalb gab der Erzabt, der traditionsgemäß die Zeugnisse überreichte, den 70 Abiturienten den guten Rat, nicht gleich mit Volldampf ins Studium durchzustarten. „Seht mal zu, dass ihr in euer Leben ein bisschen Entschleunigung reinkriegt.“

Bei allem Stolz auf seinen erfolgreichen G8-Jahrgang – alle haben bestanden, 90 Prozent sogar mit einer eins oder zwei vor dem Komma – sparte auch Schulleiter Michael Häußinger nicht mit Kritik. Nur zu gut könne er sich an das Schuljahr 2003/04 erinnern, als die Frage aufkam, ob der bereits laufende 5. Jahrgang nach acht Jahren werde Abitur machen müssen. „In meiner Blauäugigkeit hielt ich das nach dem alten Rechtsgrundsatz von Treu und Glauben schlichtweg für undenkbar.“ Die Realität habe ihn eines Besseren belehrt. Nun seien beim G8 zwar die durchschnittlichen Abiturnoten besser, aber es gebe insgesamt auch eine größere Zahl an Durchfallern, die nicht beim Schnitt erscheinen. „Lassen wir uns also nicht von Schnitten blenden.“ Mit einer eigenen Arbeitsgruppe habe St. Ottilien es geschafft, das G8 in einer Form umzusetzen, die der Tradition des Hauses entspreche. So habe man die Freiheit der Fächerwahl beibehalten statt das Programm rigoros auf wenige Kernbereiche einzuschränken. Ein Einheitsgymnasium, „wie es ja auch schon auf deutschem Boden Wirklichkeit gewesen ist“, habe man dadurch vermieden. Auch Elternbeiratsvorsitzende Susanne Plesch erinnerte an den holprigen Start des G8 und daran, dass die Oberstufenreform noch immer nicht reibungslos laufe. „Ihr wart die Versuchskaninchen“, erklärte Plesch. Dass sich die Schüler in St. Ottilien offensichtlich trotzdem sehr wohl gefühlt haben, machte Jahrgangssprecher Jonathan Skudlik deutlich. „Was ist eigentlich Erfolg?“, fragte er. „Erfolg ist nicht, was auf einem amtlichen Zeugnis steht.“ Erfolg sei vielmehr, jeden Morgen aufzustehen und sich auf das zu freuen, was man am Tag tun werde, und auf die Menschen, mit denen man zusammen sein werde. „Und das schafft diese Schule“, war Skudlik voll des Lobes. „Hier fühlt man sich wohl und sicher, hier fühlt man sich zu Hause.“ Die zurückliegenden acht Jahre „waren eine richtig geile Zeit“.

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