Kultur erleben wo man lebt

+
Annette Ronkov-Rießner, preisgekrönte Akkordeon-Virtuosin aus Dießen, veranstaltet Kammermusikabende in privaten Wohnzimmern.

Dießen – In den Salons betuchter Familien waren einst Hauskonzerte ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Jetzt werden die intimen Kulturtreffs wieder en vogue. Engagierte Musiker wie Annette Ronkov-Rießner sorgen für das Aufleben hochkarätiger Kammermusikabende in privatem Rahmen. Die Akkordeon-Virtuosin gründete die Veranstaltungsreihe „Hauskonzert am Ammersee“ und wird zunächst zweimal jährlich zusammen mit Kammermusikpartnern in Privatwohnungen musizieren. Auftakt ist am 25. November in Windach, wo die bekannte Klarinettistin Cornelia Boczek (Münchner Holzbläser Quintett) mit von der Partie ist.

Annette Ronkov-Rießner lebt seit einem Jahr in ihrem „Sehnsuchtsort“ Dießen in der Nähe des Schacky-Parks im Haus ihres Großvaters, des bekannten Landschaftsmalers Rudolf Schoeller (1905 bis 1986). Dort hat die gebürtige Weißenburgerin (Franken) oft ihre Ferien verbracht. Und als ihr Ehemann Stephan Ronkov (47) ein berufliches Traumangebot des Dießener Marienmünsters bekam, stand dem Umzug an den Ammersee nichts mehr im Wege. Ronkov ist hier Münster-Organist an der weltberühmten historischen Orgel, 1739 von Caspar König erbaut. Außerdem leitet er den Chor des Marienmünsters und steht der Reihe „Dießener Münsterkonzerte“ vor. Den Umzug nach Dießen ins Haus ihres Großvaters nennt Annette Ronkov-Rießner einen Glücksfall, zumal sich die gemeinsamen Kinder Adelheid (3) und Ferdinand (1) hier schon prächtig eingelebt haben.

Mit der Hauskonzert-Reihe nach dem Motto „Akkordeon plus?“ hat die Profimusikerin bereits an ihrem letzten Wirkungsort Freiburg im Schwarzwald beste Erfahrungen gemacht. Die außergewöhnlichen Konzerte im Wohnzimmer von privaten Gastgebern waren stets ausgebucht. Auch aus dem Fünfseenland und dem Oberland haben sich schon viele Interessenten gemeldet, die Kultur da erleben wollen, wo man lebt. Zusammen mit Familie, Freunden und auch spannenden unbekannten Gästen, die sich für die einzelnen Konzerte Karten kaufen können. Für die Premiere in Windach sind nur noch wenige Tickets erhältlich. „Reich wird man diesen Veranstaltungen bestimmt nicht“, erklärt Annette Ronkov-Rießner. „Das deckt nicht mal die Unkosten sowie Anreise und Übernachtung meines jeweiligen Kammermusikpartners.“ Ihre Motivation sind einfach die außergewöhnliche und ungezwungene Atmosphäre dieser Abende und der enge Kontakt und Austausch mit den Gästen. Mehr auf www.hauskonzert-am-ammersee.de.

Die Neu-Dießenerin Annette Ronkov-Rießner studierte Akkordeon in Ufa-Baschkirien (Russland), Berlin und Freiburg sowie Kulturmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Sie ist Preisträgerin verschiedener nationaler und internationaler Wettbewerbe und wurde von der Yehudi-Menuhin-Stiftung gefördert. Bereits während ihres Studiums interessierte sie sich für zeitgenössische und experimentelle Musik und ihre Präsentation. Daraus ergaben sich unter anderem Tätigkeiten für Theater-, Hörspiel- und Filmmusiken für das Hans-Otto-Theater Potsdam, die TV-Sender ARTE, 3-Sat und SWR-ARD. Und sie wirkte bei Orchesterprojekten mit beim WDR-Rundfunkorchester Köln, bei der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, am Musiktheater der Jungen Oper Stuttgart und am Theater Freiburg.

Bei diesem Background und soviel künstlerischer Erfahrung dürfte es der charmanten Musikerin nicht schwer fallen, die Wohnzimmer für die geplanten Hauskonzerte zu füllen. Wobei man das Motto „Hauskonzert am Ammersee“ nicht so eng sehen darf. Auch in der weiteren Region können sich Musikliebhaber für ein Konzert im trauten Heim bewerben. Jeder Gast wird mit Handschlag begrüßt und darf ich als VIP in der ersten Reihe fühlen.

Momentan studiert Annette Ronkov-Rießner das Programm für Windach ein. Sie hat sich unter anderem erzählerisch-märchenhafte Werke der tschechischen Komponisten Leos Janacek und Jiri Laburda sowie Witold Lutoslawski aus Polen ausgesucht. „Passend zur dunklen Jahreszeit“, wie sie erklärt. „Natürlich werde ich zu den Komponisten und Stücken einiges sagen und natürlich alle Fragen der Gäste gerne beantworten.“

Dieter Roettig

Meistgelesene Artikel

Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Landsberg – Aus Irland direkt in die Lechstadt: Richard Kingston (CMC Capital) hat am Mittwoch mit Erfolg für das neue Lechland-Center geworben. Eine …
Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Hände weg von der Kreisumlage!

Landkreis – Es ist ein klares ­Signal, das die Mitglieder des Finanz- und Kreisausschusses in ihrer jüngsten Sitzung gesendet haben: Einer Erhöhung …
Hände weg von der Kreisumlage!

Bauland soll auf einmal kein Bauland mehr sein

Kinsau/Schongau – Baugrund oder Außenbereich? Mit dieser Frage setzte sich der Kinsauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung auseinander. Ein …
Bauland soll auf einmal kein Bauland mehr sein

Kommentare