"Kleines Format" ganz groß

Bald wird auch in Dießen an öffentlicher Stelle eine Skulptur von Christian Tobin (Foto) zu sehen sein. Das Publikum votierte für einen entsprechenden Ankauf. Foto: Nagl

Landschaft, nicht im Weitwinkel sondern im kleinen Format – ein Widerspruch in sich? Nicht für die 26 Künstler, die Kuratorin und Malerin Annunciata Foresti heuer zur dritten Produzentenausstellung „Das kleine Format“ ins Blaue Haus geholt hat. Die Werke wurden bereits am Eröffnungsabend von sehr, sehr vielen Menschen bewundert wurden.

Jeder Künstler interpretiert Landschaft, ein Grundthema der Kunst, auf seine Weise. Den international bekannten Maler Bernd Zimmer aus Polling begleiten Landschaften durch seine gesamte künstlerische Biografie. Seine zahlreichen Reisen verarbeitete er in großformatigen Serien, als kleines Format zeigt er farbige Holzschnitte, kleine Landschaftszitate die sich im Wasser spiegeln oder in denen sich der Himmel zu spiegeln scheint. Hans Dumler, der große Meister aus Utting, der in diesem Jahr seinen 88. Geburtstag feiert, präsentiert 18 Gouachen mit reizvollen minimalistischen Landschaften, die er eigens für „Das kleine Format“ gemalt hat. Nur wenige Schritte davon entfernt ziehen, in einem aufwändigen Verfahren gegossenen Reliefs von Ilse Bill (Peiting) die Blicke auf sich. Sie lässt sich von abgemähten Wiesen inspirieren. Das Wechselspiel von Grasreihen und Schneisen zeichnet zweimal jährlich Streifen in die Landschaft. Wechselt der Betrachter den Standort, scheinen sich Flächen und Linien der Reliefs zu bewegen. Aktuelle Akzente setzt der junge Künstler Franz Hartmann. Er hat die Finanzlandschaft und ihre aktuellen Auswirkungen zum Thema gemacht. Im kleinen Format präsentiert er unter dem Titel „Erntefrei“ seine Gedenkmünze zur Finanzkrise 2009 im ersten offiziellen Leerverkauf als „garantiert nicht wertbeständige Wertanlage“. Dazu zeigt Hartmanns „Bagdaduhr“ die halben und vollen Stunden in Form eines Luftalarms an. In seiner Eröffnungsansprache definierte Sepp Dürr, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, Kunst, die sich mit Landschaft befasst als „mehrfach geschichtete Form der Aneignung von Natur.“ Demnach sind es zuerst materielle, dann ideelle Aneignungsbemühungen, mit denen wir Menschen die uns umgebende Natur wohnlich machen, ihr bewusst oder unbewusst einen kulturellen Stempel aufdrücken, uns in ihr beheimaten. In diesem Sinne, so Dürr, könne man sich aus der Ausstellung „Das kleine Format“ ein kleines Stück Heimatgefühl mit nach Hause nehmen. Publikum stimmt ab Diesen Zweck verfolgte auch die Künstlerprämierung: Das Publikum stimmt ab, von welchem Künstler die Gemeinde Dießen, vertreten durch Bürgermeister Herbert Kirsch, ein Werk ankaufen soll. Fast 200 Stimmen wurden abgegeben und die Mehrheit sprach sich für Bildhauer Christian Tobin aus, dicht gefolgt von Hans Dumler, Ernst Heckelmann und Micca Knorr-Borrocco. Tobins Werke, die Stein, Wasser, Schatten, Luft und Bewegung zu Skulpturen komponieren, stehen in der ganzen Welt – bald in Dießen. In einer derart überzeugenden Ansammlung findet sich Kunst in kleinen Formaten nur einmal im Jahr, nämlich bei der Ausstellung „Das kleine Format“. Kleines Format bis 5. Dezember „Das kleine Format“ im Blauen Haus zeigt Werke von Julia Albrecht (Dießen), Angelika Böhm-Silberhorn (Utting), Kathleen Canady (Schondorf), Isle Bill (Peiting), Hans Dumler (Utting), Gerd Eisenblätter (Bernried), Annunciata Foresti (Dießen), Gabriele (Dießen), Erich Grandeit (Hamburg), Susanne Hauenstein (Andechs) Ernst Heckelmann (Dornstetten), Micosch Holland (Schondorf), Carmen Jäckel (Dießen), Brigitte Kirchner (Altenstadt), Micca Knorr-Borocco (Utting), Dany Mayland (Holzhausen), Christoph Moeller (Dießen), Klaus Neizert (Dießen), Bert Praxenthaler (Penzing), Anemone Rapp (Eching), Livia Ritthaler (München), Bernardo Rossi (Comer See), Wolf Schindler (Weilheim), Egon Stöckle (Hohenfurch), Christian Tobin (Riederau) und Bernd Zimmer (Polling). Die Sonderausstellung „Installationen“: Cornelia Rapp (Denklingen), Nue Ammann (Dießen) und Franz Hartmann (Issing). Im Begleitprogramm: Am Samstag, 27. November, um 16 Uhr referiert Kunsthistoriker Thomas Raff zum Thema „Der Ammersee ein Eldorado der Landschaftsmalerei“; am Sonntag, 28. November, gibt es um 11 Uhr eine museumspädagogische Führung für Kinder ab 10 Jahren mit Nue Ammann. „Das kleine Format“ ist bis 5. Dezember Do. bis So. von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

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