Der Wald der Zukunft

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Das Wachstum der jungen Eichen kontrollierten wbv-Geschäftsführer Martin Mall, Waldbesitzer Dieter Kautzok sowie Forstamtsrat Erwin Schmid (v. links).

Pürgen – Rekordsommer, Winter ohne Schnee, verheerende Stürme – die Folgen des Klimawandels gehen nicht spurlos an unseren Wäldern vorbei. Deshalb heißt es nun, schnellstmöglich zu handeln. Wie Waldbesitzer auf die veränderten Bedingungen reagieren und was sie tun können, um klimatolerante Wälder zu schaffen, die Sturm und Borkenkäfer trotzen, zeigt ein Beispiel in Pürgen. Dort hat eine Familie ihren Wald nun für die Zukunft vorbereitet.

Die Fichte hat keine große Zukunft mehr gehabt auf dem trockenen, kiesigen Lehmboden in Pürgen, da ist sich Forstamtsrat des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck (AELF) Erwin Schmid sicher. Sturm Niklas, der Ende März 2015 auch über den Landkreis Landsberg hinwegfegte, sowie der darauffolgende Borkenkäferbefall haben vielen Fichten den Garaus gemacht. Aber auch der Jahrhundertsommer 2015 und die letzten drei Winter, die keine waren, setzen dem Wald zu, erläutert auch Hans-Jürgen Gulder, Behördenleiter des AELF. Hinzu kommt ein Temperaturanstieg von 0,8 bis 1 Grad in den letzten 25 Jahren im Landkreis Landsberg – eine „dramatische Entwicklung“.

Mit Einzelschutz müssen die jungen Triebe vor Wild geschützt werden.

Was kann der Waldbesitzer nun tun? Mit dieser Frage sah sich auch Dieter Kautzok aus Pürgen konfrontiert. In Zusammenarbeit mit der Waldbesitzervereinigung (wbv) traf er im Dezember die Entscheidung: Seine gesamte Fläche einschlagen und aufforsten. Auf 1.200 Quadratmetern entsteht nun im Osten Pürgens ein neuer Mischwald. Besonders klimatolerante Bäume wie Stieleiche, Hainbuche oder Wildkirsche wurden hier angepflanzt – abgewickelt durch die wbv. „Nach Niklas haben wir etwa 100.000 Pflanzen gesetzt“, erklärt wbv-Geschäftsführer Martin Mall. Die Kosten pro Pflanzung betragen dabei etwa 60 bis 70 Cent. Auf die Qualität komme es dabei an, so sind sich Gulder und Mall einig: Im Klimawandel darf nicht gespart werden.

Die Entscheidung fällte Waldbesitzer Kautzok im Dezember. Nun wachsen die kleinen Bäumchen bereits fleißig in die Höhe. „Das Frühjahr war für das Wachstum top“, unterstreicht wbv-Geschäftsführer Mall. Doch mit dem Pflanzen war es nicht getan. Die Triebe sind nämlich „Leckerbissen für das Wild“, sagt Erwin Schmid. Deshalb musste Kautzok auch noch einen Zaun um seinen Jungwald errichten. Einzelne junge Kirschbäume außerhalb dieser Umzäunung wurden mit einem Einzelschutz – einer Plastikröhre – gesichert.

Auch in diesem Jahr hätten viele Birken, Buchen und Vogelbeeren Probleme, da es überdurchschnittlich warm sei, so Gulder. Er hofft allerdings, dass die Bäume die nächsten zwei Jahre Zeit haben werden, um sich zu regenerieren. Sein dringender Rat: „Baut‘s Mischwälder an!“ Denn der Mischwald habe Zukunft. Die Fichte, die ursprünglich ja aus dem Norden stammt, kommt mit den heißen Tagen über 30 Grad nicht zurecht. Erwin Schmid blickt voraus: „2100 wird ein hohes Risiko für die Fichte bestehen.“ Baumarten der Zukunft sieht er in Stieleiche, Buche, Ahorn und Kirsche. Auch Elsbeere und Walnuss wären seiner Ansicht nach denkbar.

Dass man reagieren muss, zeigen auch andere Risiken für den Wald: Der Prozessionsspinner stellt, laut Mall, eine Gefahr für die Eiche dar. Der Borkenkäfer sei momentan außerdem „absolut akut“. Das Wachstum von indischem Springkraut und Efeu werde vom Klimawandel ebenso begünstigt, ergänzt Forst­amtsleiter Hans-Jürgen Gulder. Er appelliert außerdem an die Jäger: „Die Jagd müsste mitmachen, damit die Bäume Chance auf Nachwuchs haben.“

Astrid Neumann

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