Keine Schuld

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Der Blumenladen am Klostereck hat dem Deckenfresko nicht geschadet.

Landsberg – Es war der erste Aufreger in der Amtszeit von Oberbürgermeister Matthias Neuner: Der Verwaltungschef kündigte 2012 den Pachtvertrag des Blumenladens am Klostereck, weil der angeblich das Deckenfresko schädige. Stattdessen sollte ein „Kulturbüro“ dort Einzug halten. Nach massiven Protesten aus der Bevölkerung musste Neuner einen Rückzieher machen. Seit der Stadtratssitzung am Mittwoch ist nun bekannt, dass der Blumenladen für das Fresko wohl sogar besser ist als ein Büro.

„Der Blumenladen ist am Zerfall des Freskos nicht schuld“, sagten die von der Stadt beauftragten Gutachter, der Restaurator Thomas Hacklberger und der Bauphysiker Horst Schuh, bei einer Präsentation im Stadtrat. Die schon seit 1976 dokumentierte Rissbildung sei wohl eher durch „Auflastung“ entstanden. In einem nicht begehbaren Kaltraum oberhalb der Stuckdecke – von dem bislang nie die Rede war – gibt es einen Eisenträger; „er könnte eine Ursache sein“.

Grundsätzlich sei die in einem Blumenladen vorherrschende relative Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent für ein barockes Fresko zwar „ein bisschen schädlich“. Aber noch problematischer wäre, die Kapelle als Büro zu nutzen. In einem kalten Winter würde die Herstellung einer normalen Zimmertemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von deutlich unter 70 Prozent „verheerende Schäden anrichten“. Mit anderen Worten: Der Plan „Kulturbüro“ war genau der falsche Weg. Ganz optimal wäre es, wenn man „ein Kirchenklima“ schaffen würde – das hieße aber, den Raum überhaupt nicht mehr zu nutzen.

Sanierung dauert Monate

Das waren im Prinzip gute Nachrichten für die Betreiberin und ihre Mitarbeiterinnen, die komplett im Zuschauerraum erschienen waren. Der Blumenladen kann grundsätzlich bleiben und er muss auch bei den jetzt anstehenden weiteren Prüfungen nicht weichen – sie dauern zwei bis drei Wochen und in dieser Zeit kann man den Verkaufsraum mit einem Gerüst überspannen.

Hinsichtlich der endgültigen Sanierung liegt der Zeitbedarf allerdings nicht im Wochenbereich; „das dauert Monate“. Und der Raum ist zu klein dafür, die Restaurationsarbeiten bei laufendem Geschäftsbetrieb durchzuführen. Hier muss also eine Lösung oder Zwischenlösung gefunden werden. Doch darüber wollte der Stadtrat am Mittwoch erst einmal nicht diskutieren. Er leitete mit einem einstimmigen Beschluss zunächst die weitere Prüfung ein.

Ein Thema wollten die Stadträte allerdings sofort geklärt wissen: Ist es möglich, das Fresko „unter Glas zu legen“? Doch dieses Thema war binnen Sekunden erledigt: „Wir sind Restauratoren und lehnen alles ab, was das Kunstwerk manipuliert; da spielt auch das Landesamt für Denkmalpflege nicht mit“, sagte Hacklberger. Außerdem sei die Verwirklichung der Idee aufgrund der notwendigen Luftzirkulation und Temperierung „richtig teuer“.

Dass die Decke des „Kirchenschiffs der profanierten Leonhardikapelle des ehemaligen Ursulinenklosters“ nicht vollständig von Dominikus Zimmermann persönlich stammt, ist inzwischen bekannt. „Stuck und Malerei sind 1730 datiert. Eine durchgängige eigene Tätigkeit von Dominikus Zimmermann ist dabei nicht vorauszusetzen. Vielmehr wird es sich um eine Werkstattarbeit handeln“, hatte Kreisheimatpflegerin Heide Weishaar-Kiem im Januar in ihrem Eröffnungsvortrag zum Dominikus-Zimmermann-Jahr gesagt. Und auch Stadtheimatpfleger Werner Fees-Buchecker sprach in der Sitzung des Stadtrats nur noch davon, das Fresko stamme „zumindest teilweise“ von Zimmermann. Doch alle waren sich einig: Darauf kommt es im Grunde nicht an. Es ist ein Kunstwerk, das erhalten werden muss.

Werner Lauff

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