Jetzt wird geblitzt:

Keine Chance für Raser

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Auch in der Kolpingstraße (Foto) soll zu schnell gefahren worden sein. Das haben Probemessungen ergeben. Die Spitzengeschwindigkeit eines Autofahrers lag sogar bei 90 km/h. Zulässig ist dort Tempo 30.  Im nächsten Jahr werden nach dem Willen des Marktgemeinderates im Ort geblitzt werden.

Kaufering – Radarkontrollen in Kaufering? Die gab es bisher nicht. Das soll sich aber nun ändern. Der Marktgemeinderat befürwortete in seiner jüngsten Sitzung mit knapper Mehrheit eine Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland (KVS). Diese Organisation wird für Kaufering ab 2016 sowohl das Blitzen als auch die Überwachung des ruhenden Verkehrs übernehmen.

Entscheidungsgrundlage für die Marktgemeinderäte war eine im Mai dieses Jahres durchgeführte anonyme einwöchige Radarmessung an insgesamt fünf Messstellen im Gemeindegebiet. Die Geschwindigkeitsübertretungen wurden nicht geahndet, obwohl das sicherlich schon viel Geld in die Gemeindekassen gebracht hätte. Zudem hätte sich die Zahl der Fußgänger, zumindest temporär, erheblich erhöht. Zusammengerechnet an allen fünf Messstellen hätten innerhalb des achttägigen Messzeitraumes 154 Autofahrer ein Fahrverbot erhalten, wäre scharf geblitzt worden. 941 Autofahrer waren so schnell, dass es nicht nur für ein Bußgeld sondern sogar für Punkte in Flensburg gereicht hätte.

Betrachtet man die einzelnen Ergebnisse der Überwachung fällt einem die Messung an der Hessenstraße, Höhe Einmündung Berliner Ring ins Auge. Dort lag die Beanstandungsquote bei 43,83 Prozent. Im Klartext: Fast jeder zweite Autofahrer war zu schnell unterwegs, in absoluten Zahlen ausgedrückt waren es exakt 4052 Autos. Zwei Fahrzeuge waren sogar schneller als 90 Stundenkilometer. Das gilt als rekordverdächtig in einer ausgewiesenen Tempo-30-Zone. Die Haidenbucher Straße in Höhe der Einmündung zur Herbststraße war ebenfalls acht Tage lang im Focus des Radargerätes. 4901 Fahrzeuge fuhren zu schnell, die Beanstandungsquote lag bei 25,5 Prozent. Auf der Kolpingstraße Höhe Kivostraße fuhren 14 Prozent der Verkehrsteilnehmer zu schnell.

Insgesamt waren es 4505 Autos, die schneller als Tempo 30 fuhren. Auf der Iglinger Straße waren es in den acht Tagen 3384 Fahrzeuge, die zu schnell unterwegs waren. Die Beanstandungsquote lag hier bei 24,7 Prozent. Die wenigsten Geschwindigkeitsübertretungen gab es auf der Epfenhauser Straße. Allerdings herrschte dort auch wenig Verkehr im Vergleich zu den anderen Messpunkten. 142 Fahrzeuge wurden als zu schnell registriert. Die Beanstandungsquote lag hier bei 0,38 Prozent. Grundsätzlich empfahl der KVS eine Überwachung der Geschwindigkeit, da es zum Teil sehr hohe Beanstandungsquoten gab, die ein hohes Gefährdungspotential beinhalteten.

Das sahen nicht alle Marktgemeinderäte so. Von Geldschneiderei war die Rede. Nach ausgiebiger Diskussion fiel die Entscheidung mit 11:10 Stimmen für den Abschluss einer Zweckvereinbarung mit dem KVS. Gemeinsam mit der Polizei, dem KVS und dem Marktgemeinderat sollen nun die endgültigen Messpunkte festgelegt werden. Gleichzeitig strebt der Markt eine temporäre Überwachung des ruhenden Verkehrs an, beispielsweise am Seniorenstift oder einigen anderen ausgewählten Stellen, erklärte Bürgermeister Erich Püttner auf Nachfrage. Der Zweckverband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, mit den Aufgaben Ordnungswidrigkeiten nach § 24 Straßenverkehrsgesetz in gleicher Weise zu verfolgen und zu ahnden wie die Bayerische Landespolizei. Alle vereinnahmten Verwarn- und Bußgelder werden zu 100 Prozent an die Kommunen weitergeleitet.

Damit ist der Zweckverband ein Dienstleister der Kommunen. Dabei werden für die Mitglieder alle Verfahrensschritte eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens – vom Versand der Anschreiben über die Behandlung von Einsprüchen bis zum Mahnverfahren – durchgeführt. Der Zweckverband verfügt derzeit über neun Überwachungsfahrzeuge. Es handelt sich dabei um fünf volldigitale Geschwindigkeitsmessgeräte, vier Radaranlagen und zwei mobile Lasermessanlagen.

Siegfried Spörer

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