Konkurrenz für den "Filmpalast"?

Das eine schließt das andere nicht aus, im un­günstigsten Fall setzt der „Kanibalisierungseffekt“ ein, weil sich die Einzugsgebiete überschneiden würden. Ungeachtet des gerade erst vollzogenen Spa­tenstiches für den „Film­palast“ am Kauferinger Bahnhof stehen die Chancen für ein neues oder erweitertes Kino in der Lechstadt „grundsätzlich gut“. Das geht aus der Analyse der Münchener CIMA Beratungs- und Mana­ge­ment GmbH hervor, die Diplom-Geograf Stefan Gortan vergangene Woche im Bauausschuss präsentierte.

Geht es nach dem Kauferinger Bürgermeister, dann hätte sein Landsberger Amtskollege den Tagesordnungspunkt gleich absetzen können. „Ordnungspolitisch unverständlich“ wäre es für ihn, so Dr. Klaus Bühler, „wenn die Stadt jetzt in das Marktgeschehen eingreifen wür­de.“ Die angestrebte Neu­aus­wei­sung von Bau­recht für ein zweites Kino im Raum Landsberg/Kaufering bereite den „Boden für einen ruinösen Wettbewerb“. Verunsicherung Sollte etwa der Spatenstich in der Lechfeldgemeinde ganz bewusst unmittelbar vor der Präsentation der Marktanalyse gesetzt worden sein? Für Verun­sicherung in Stadtratskreisen hat es allemal gesorgt, schließlich ist die aktuelle Entwicklung in der im April fertiggestellten CIMA-Marktanalyse nicht mehr berücksichtigt. „Ein Spatenstich macht noch kein Kino“, kommentierte OB Ingo Lehmann entsprechende Nachfragen im Bauausschuss. Mit Genugtuung vernahm das Stadtoberhaupt Gortans Einschätzung: Landsberg verfüge über her­vorragende Standortbedingungen sowie eine hohe Zentralität und habe gegen­über Kaufering gewisse Stand­ortvorteile. Für Bühler hingegen ist am Kauferinger Bahnhof der „eindeutig bessere Standort“. Ungeachtet der von Dr. Bühler angemahnten „interkommunalen Zusam­men­arbeit“ steht nun erneut ein Gerangel zwischen Kaufering und Landsberg an – diesmal eben in der Kino­frage. Oberbürgermeister Lehmann lässt sich davon nicht beirren: „Wir haben für Landsberg zwei Investoren, die fest entschlossen sind, das Projekt durchzuziehen.“ Beide Investoren werden sich und ihr Vor­haben laut Lehmann voraussichtlich am 4. August in einer gemeinsamen Sondersitzung von Bau- und Finanz­ausschuss vorstellen – nichtöffentlich. Diskutiert werden dann gewiss auch mögliche Stand­orte sowie das Ergebnis der entsprechenden Grund­- stücks­ver­hand­lungen. CIMA-Experte Gortan und sein Team beurteilen in ihrer Kino-Marktanalyse die Standorte BayWa in der Spöttinger Straße, Pflugfabrik und Lechwiese als weniger optimal. Klarer Favorit ist der Infantrieplatz: zusätzliche Belebung und Koppelungsnutzen für die Innenstadt, optimale Anfahrts- und Parkplatzsituation, marktgerechte Voraus­- setzungen – insbesondere für die wichtigste Landsberger Zielgruppe, den „anspruchsvollen älteren Kinobesucher“. Einzige Einschränkung: städtbaulich ist die Kino-Erweiterung nicht ganz einfach. Fürs junge Publikum Auf das typisch auto-orientierte, also das jüngere Publikum, zielt der Standort „Am Penzinger Feld“ ab. Direkter Autobahnanschluss mit guter Fernwirkung, günstige Planungs- und Baukosten sowie Koppelungsnutzen mit dem InCenter seien die Vorteile, fehlende Impulse für die Innenstadt hingegen ein Nachteil. Den deutlich größeren betriebswirtschaftlichen Nutzen sprach Stefan Gor­tan dem Standort im Landsberger Osten zu. Er liegt übrigens nicht im Bebauungsplangebiet des Fachmarktzentrums. Vier bis fünf Säle Bei einem Besucherpotenzial von 216656 Einwohner im erweiterten Einzugsbereich – „80 Prozent der Kinobesucher nehmen bis zu 20 Kilometer in Kauf“ – hält der Marktforscher aus München bis zu 1100 Sitzplätze für tragfägig. Will heißen: Unter Berücksichtigung von 371 Plätzen im Olympia-Film­-theater ist noch Raum für vier bis fünf Säle. Apropos Olympia: Die Betreiberfrage ist nach Ansicht von Stefan Gortan für eine Realisierung entscheidend. Rudolf Gilk, Geschäftsführer der Olympia Filmtheater GmbH, müsse aufgrund seiner guten Marktkenntnisse in den Entscheidungsprozess einbezogen werden. Alternativ kämen auch regionale Betreiber und Gastronomen in Betracht.

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