"Grundlos" zugeschlagen

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Vor dem Amtsgericht Landsberg wurde ein 48-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung zu einem Jahr und fünf Monaten Gefängnis verurteilt.

Landsberg – Völlig grundlos sei der 48-jährige Landsberger auf seine Opfer losgegangen – das stand für Staatsanwalt Matthias Neumann und Richter Andreas Niedermeier vor dem Amtsgericht Landsberg fest. Im Abstand von nur wenigen Monaten beging er eine gefährliche und eine vorsätzliche Körperverletzung. Und auch ein Blick in sein Vorstrafenregister machten deutlich, dass es sich dabei nicht um das erste Mal handelte. Am Ende wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt.

Um zwei Fälle der Körperverletzung ging es in der vergangenen Woche vor dem Amtsgericht Landsberg. Im ersten Fall könne er sich nur noch an zwei Ohrfeigen erinnern, im zweiten Fall gar nicht, sagte der Angeklagte vor Gericht. Beide Male hatte er schon einige Bier getrunken. Zudem sei er Diabetiker und habe aufgrund einer Unterzuckerung Erinnerungslücken, so der 48-jährige Landsberger.

Am Ostersonntag vergangenen Jahres hatten sich offenbar einige Personen in einer Landsberger Wohnung getroffen. Man saß zusammen und trank ein paar Bier. Dann kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und einem der Anwesenden, woraufhin der Landsberger zwei Ohrfeigen austeilte. Danach habe er den anderen „von der Eckbank runter gezogen“, dann fehle die Erinnerung, sagte der Angeklagte.

Der Geohrfeigte schilderte vor Gericht allerdings die weiteren Vorgänge: Nach den zwei Schlägen ins Gesicht soll es zu einem weiteren Wortwechsel gekommen sein, in dessen Verlauf der Angeklagte gesagt haben soll: „Unblutig kommst du hier nicht mehr raus.“ Dann habe der 48-Jährige ihn an den Haaren gepackt und seinen Kopf „mindestens fünfmal“ gegen die Wand geschlagen, schilderte der Geschädigte. Nachdem er ihn dann von der Bank gezogen und gegen einen Türstock geschleudert haben soll, folgten weitere Faustschläge ins Gesicht sowie Fußtritte in Rippen- und Magengegend.

Nur etwa vier Monate später wurde der Landsberger offenbar erneut handgreiflich. Zu diesem Vorfall könne er aber gar nichts sagen, so der Angeklagte. Er habe an diesem Tag etwa vier bis fünf Bier getrunken und sei unterzuckert gewesen. Er wisse nicht einmal, wie er in das Taxi gekommen ist, das ihn vor seine Haustür gebracht hat. Dort ist er dann offenbar aus dem Auto gefallen und liegen geblieben. Ein Nachbar bemerkte die Situation und eilte zur Hilfe. Er habe dem 48-Jährigen aufgeholfen, schilderte der Nachbar. Allerdings konnte er selbst nicht stehen und man habe gerochen, dass er alkoholisiert war. Als er dann auf eigenen Beinen stand – gestützt von seinem Nachbarn – habe er gesagt: „Du bist doch das Arschloch von da drin“, habe ausgeholt und mit der Faust nach ihm geschlagen. Dabei wurde die Brille des Nachbarn verbogen und er erlitt eine Einblutung am Auge. Unterzuckerung sei ihm keine aufgefallen, der 48-Jährige habe gewirkt „wie ein normaler Betrunkener“, so der Nachbar.

Seine Lebensgefährtin habe ihn nach dem Vorfall ins Haus gebracht, Blutzucker gemessen und einen niedrigen Wert festgestellt. Der reiche aber nicht aus für eine Bewusstlosigkeit oder vollkommenen Gedächtnisverlust, wie ein Sachverständiger der Rechtsmedizin dem Gericht erläuterte. Vielmehr könne es sein, dass solch eine Unterzuckerung zu erhöhter Reizbarkeit und Aggressivität führe. In Kombination mit Alkohol – der ja dasselbe bewirke – könne sich dieses Verhalten verstärken.

Auch mit Blick auf die sieben Vorstrafen des Landsbergers – darunter einige einschlägige Aggressions- und Gewalttaten – kam für Staatsanwalt Matthias Neumann nur eine Freiheitsstrafe in Betracht. Schwer wog für Neumann auch, dass es sich in beiden Fällen um „völlig grundlose Übergriffe“ handelte. Er beantragte für beide Fälle eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Verteidigerin Anita Trautwein hingegen sagte, man müsse „die Kirche im Dorf lassen“. Immerhin sei ihr Mandant erheblich alkoholisiert gewesen und habe sich in beiden Fällen sofort entschuldigt. Sie plädierte dafür, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat auf Bewährung auszusetzen. Richter Andreas Niedermeier fand sich mit seinem Urteil in der Mitte ein und verurteilte den Landsberger zu einem Jahr und fünf Monaten. Eine Bewährung sah er für den 48-Jährigen allerdings nicht: „Sie müssen einmal den Eindruck des Strafvollzugs spüren und danach ein neues Leben anfangen.“

Astrid Neumann

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