Nur eine "Kostenskizze"

Wieviel darf die Schule kosten?

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Die „Kostenskizze“ für den An- und Umbau der Mittelschule Landsberg sorgte im Stadtrat für Aufregung.

Landsberg – Man muss in den Ratsprotokollen gewiss ganz weit zurückblättern, um zu erfahren, wann zuletzt eine Haushaltsberatung abgebrochen werden musste – wenn man überhaupt fündig wird. Vergangene Woche im Stadt rat war es nach gut einstündiger Debatte über die Investitionsliste Hochbau der Fall.

Einer der Gründe war eine „Kostenskizze“ für den Um- und Anbau der Mittelschule Landsberg. Nur wenige Ratsmitglieder kannten das Papier bis dahin. Erst in nicht­öffentlicher Sitzung erfuhren sie schließlich von den 21,6 Millionen Euro, die die Archi­tekten des Siegerentwurfes genannt hatten.

Bereits die einleitenden Worte des Kämmerers ließen die Ratsmitglieder aufhorchen. Peter Jung umschrieb, ohne Zahlen zu nennen, dass aktuell die Finanzierung des Erweiterungsbaus nicht darstellbar sei. „Wir können den Eckdatenbeschluss nicht einhalten“, wurde wenig später Stadtbaumeisterin Annegret Michler mit Blick auf die angemeldeten Investitionen im Hochbau ebenfalls sehr deutlich. Danach waren für das Schulprojekt vier Millionen Euro städtischer Eigenanteil (60 Prozent) festgelegt worden.

In der Folge und offensichtlich ahnend, dass die bisher veranschlagten Gesamtkosten von sieben Millionen Euro möglicherweise nicht zu halten sind, übten Ludwig Hartmann und Christoph Jell zunächst Kritik an den für nächstes Jahr vorgesehenen 500000 Euro für die Planung. „Da wär’s schon von Vorteil, wenn wir zuverlässige Zahlen hätten“, forderten sie Details zu den am 25. Oktober erfolgten Verhandlungsgesprächen mit den Preisträgern des Planungswettbewerbes ein.

Darauf allerdings wollte sich OB Neuner nicht einlassen. „Ich kenne die Zahl nicht“, beteuerte er wiederholt im Stadtrat. Dem wollte SPD-Fraktion Dieter Völkl ebenfalls keinen Glauben schenken. „Wenn es die Zahlen gibt, dann müssen sie auf den Tisch“, erboste sich nicht nur er angesichts der partiellen Desinformation.

Erst im nichtöffentlichen Sitzungsteil stillte die Stadtspitze den Wissensdurst der Ratsmitglieder. Die von den Stuttgarter Architekten Wolfgang Balbach und Michael Walker vorgelegte „Kostenskizze“ für die Realisierung des Siegerentwurfes weist 21,6 Millionen Euro Gesamtkosten für den herkömmlichen Standard und gar 23,5 für den teilweisen Passivhaus-Standard aus. Entsetzen im Plenum. Wenig später war die Summe auf rund 15 Millionen reduziert, da die beiden Architekten offensichtlich „alles reingerechnet“ hatten, was irgendwie ging – selbst neues Mobiliar, wo doch brauchbares vorhanden ist.

Das Stadtoberhaupt will auf Details nicht eingehen: „Ich nenne keine Zahlen und werde das in nächster Zeit auch nicht tun.“ Vielmehr wies er darauf hin, dass man sich aktuell in der „Vor-Vorentwurfs-Phase“ befinde und die Architekten lediglich eine „grobe Abschätzung anhand der Kubatur“ vorgelegt hätten. „Die Diskussion geht an der Sache vorbei“, sagt Neuner und verweist auf die voraussichtlich im März kommenden Jahres fertiggestellte Entwurfsplanung samt Kostenschätzung. „Dann müssen wir im Stadtrat die Schmerzgrenze festlegen und gezielt abspecken.“

Offensichtlich geht auch Neuner davon aus, dass die bisher genannten sieben Millionen Euro nicht ausreichen werden – sie orientieren sich an den geschätzten Kosten für die Sanierungen von Fritz-Beck- und Schlossbergschule. Die Rechnung des Stadtoberhauptes: Bei einer Reduzierung der Gesamtkosten auf zehn Millionen Euro, „dann werden’s sechs Millionen für uns“. Und das sei zu schaffen. „Wir müssen irgendwann sagen, was uns diese Schule wert ist“. Die Zusammenlegung werde keinesfalls infrage gestellt.

Toni Schwaiger

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