Lechaufwärts geht’s!

Einstieg mit 63 Becken

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Die Fischaufstiegsanlagen am Kraftwerk Kaufering: rechts oben befindet sich der Einstieg mit sichtbarer Beckenstruktur, danach folgt die naturnahe Bachstrecke, die schließlich in ein Rauhgerinne und den Ausstieg (links) führt.

Kaufering – Die ersten Baumaschinen sind angerollt, reges Treiben herrscht seit Montag an der Lech-Staustufe 18 im Norden der Marktgemeinde. Am Kraftwerk Kaufering entsteht eine fast 14 Höhenmeter überwindende Fischaufstiegsanlage, die sich die e.on immerhin 2,2 Millionen Euro kosten lässt. Wenn sie im Frühjahr kommenden Jahres fertig ist, werde der Lech an dieser Stelle für Wasserlebewesen wieder durchgängig sein. Das fördere die Flussökologie und die genetische Vielfalt, betont e.on-Sprecher Theodoros Reumschüssel.

„Da Fische flussaufwärts wandern, befindet sich der Einstieg für die Fische unterhalb des Kraftwerks auf der linken Lechseite in der Uferböschung“, erklärt der Pressesprecher. Über ein technisches Bauwerk, einen „Vertical-Slot-Pass“, können die Wasserlebewesen über 63 einzelne Becken mit einem Höhenunterschied von jeweils rund elf Zentimetern die insgesamt sieben Meter Höhendifferenz „in bequemen, gut zu meisternden Abschnitten“ überwinden.

An dieses technische Bauwerk werde sich eine naturnah ausgestalte, rund 400 Meter lange Bachstrecke mit einem Gesamthöhenunterschied von 2,50 Meter anschließen. „Sie wird mit Totholz, Kiesnestern und Wasserpflanzen sowie mit einem abwechslungsreichen Verlauf so gestaltet, dass sie sich zu einem optimalen Wanderkorridor sowie zu einem attraktiven Lebensraum und Laichplatz für eine Vielzahl von Wassertieren und Pflanzenarten entwickeln wird“, verspricht Reumschüssel.

Über ein anschließendes Raugerinne, cirka 80 Meter lang, macht e.on weitere 2,40 Meter Höhenunterschied passierbar. Das Gerinne sei, ebenso wie die gesamte Bachstrecke, „der Natur nachempfunden“ und mache über einzelne, mit Wasser- bausteinen gestaltete, unregelmäßige Becken die Höhendifferenz für Wasserlebewesen passierbar und sei ebenfalls ein „attraktiver Lebens- und Rückzugsraum“.

Über eine Verbindung aus Rohrleitungen mit zwei Meter Durchmesser und offenem Gerinne (U-förmiger Trog) können die Fische dann 80 Meter weiter zum Ausstiegsbauwerk wandern – hier endet der Fischpass oberhalb des Kauferinger Kraftwerks. Wie auch der Einstieg ist es als technisches Bauwerk ausgestaltet und weist 13 Becken auf, die die restliche Höhendifferenz von bis zu 1,50 Meter ausgleichen. Reumschüssel: Da der Oberwasserstand am Kraftwerk aufgrund des Schwellbetriebes schwankt, werde dieses Bauwerk, so gestaltet, dass es über verschieden hoch angeordnete Ausgänge den Wechsel in den Lech ermögliche.

Die Anlage sei auf die „Leitfischart“ Huchen ausgelegt, der hierzulande bis zu 1,50 Meter lang und 30 Kilogramm schwer werden kann. Sie sei aber auch für kleine Fische wie Barbe, Nase, Äsche oder Gründling zur Wanderung geeignet. Die insgesamt 850 Meter lange Fischaufstiegsanlage wird konstant von rund 550 Liter Wasser pro Sekunde durchflossen. „Das garantiert auch ein ausreichend starke Lockströmung, die die Fische als Orientierungshilfe zum Auffinden der Fischaufstiegsanlagen brauchen“, erklärt Reumschüssel. Die Baumaßnahme sei mit den zuständigen Behörden abgestimmt worden und werde zu Beeinträchtigungen vor Ort führen, wofür die e.on um Verständnis bittet.

Kraftwerk Kaufering

Das Kraftwerk Kaufering erzeugt laut e.on-Angaben seit 1975 mit der installierten Leistung von 16,7 Megawatt (MW) und drei Kaplan-Rohrturbinen pro Jahr rund 80 Millionen Kilowattstunden CO2-freien Strom, der rechnerisch ausreichend wäre für über 24000 Haushalte. Gegenüber dem aktuellen deutschen Strommix vermeide allein die Stromerzeugung im Kauferinger Wasserkraftwerk pro Jahr über 55000 Tonnen CO2

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