Volles Haus bei Podiumsdiskussion

Ehrlich, geschätzt, fleißig, penetrant

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Stressless – der Name war Programm auf dem Podium in der Lechau-Halle Kaufering, gleichwohl mussten sich Hermann Dempfle, Markus Wasserle, Thomas Eichinger und Renate Standfest (von links) mächtig ins Zeug legen, um auf die Fragen von Moderator Werner Lauff (rechts) mit den besseren Argumenten zu überzeugen und so das Publikum und die Wählerschaft für sich zu gewinnen.

Kaufering – Streit und Krawall blieben aus, ausgesprochen höflich und sachlich gingen die vier Landratskandidaten bei der großen Podiumsdiskussion in der bis auf den letzten Platz gefüllten Lechau-Halle miteinander um. Die Reaktionen auf die Veranstaltung des KREISBOTEN fielen auf dem Podium wie bei den über 400 Zuhörern durchweg sehr positiv aus.

Die Diskussionsrunde mit Renate Standfest (B’90/Grüne, GAL), Hermann Dempfle (Bayernpartei), Thomas Eichinger (CSU) und Markus Wasserle (SPD/FW/ÖDP, Landkreis Mitte) war vom KREISBOTEN organisiert worden. Viel Anerkennung für Struktur und Ablauf, die Redaktionsleiter Toni Schwaiger und Moderator Werner Lauff (landsbergblog) gestaltet hatten, gab es nach straff organisierten zwei Stunden nicht nur von den Zuhörern, sondern auch den Kandidaten selbst.

Hier wurde heiß diskutiert

Um die Veranstaltung aufzulockern, streute die „12th Street Jazz Connection“ immer wieder einige Songs ein – Langeweile wäre aber angesichts der bunten Zusammenstellung von Fragen und der Möglichkeit, in zwei Pausen zwanglos an den Stehtischen mit den Kandidaten reden zu können, ohnehin nicht aufgekommen.

Lob vom Paten

Selbst loben durfte sich das Quartett erst ganz am Schluss. Zu Beginn der Veranstaltung war das noch ausdrücklich untersagt – allerdings hatten alle Kandidaten einen „Paten“ mitgebracht, der daran nicht gebunden war. Da gab’s dann gleich Interessantes zu hören, was der eine am anderen schätzt: Dempfle sei „die ehrliche Variante“ in einer Zeit, in der die Politik „immer unglaubwürdiger“ werde, sagte etwa dessen Parteikollege Martin Steger. „Zu ihm hat man Vertrauen, er redet nicht, er macht einfach.“

An Renate Standfest wiederum hatte Pate Peter Noll als Sitznachbar über sechs Jahre „im Gemeinderat ihre Art, Politik zu machen, schätzen gelernt“, weil sie Menschen zu­sammenbringe. Beispiel: „Dank ihr haben wir es geschafft, dass wir zum Schluss einen einstimmigen Beschluss zum Thema Asyl hatten.“

Fuchstals Bürgermeister Erwin Karg lässt sich nicht so leicht einwickeln, wie er betonte: „Ich bin ein eigener Mensch, ich traue nicht jedem. Aber Markus Wasserle hat mich im Kreistag überzeugt.“ Der unabhängige Kandidat sei „ehrlich, fleißig und er kann was bewegen.“

Bei Thomas Eichinger hatte der CSU-Landtagsabgeordnete Alex Dorow gar eine „Art charmante Penetranz“ entdeckt, die ihn immer wieder zum Ziel führe. Weitere Vorzüge: „Er kann auf die Menschen zugehen und er kann bei allen, bei Jung und Alt etwas bewegen.“

60 Sekunden

Damit ging es für die Bewerber um den Chefposten im Landkreis dann auch schon ins Rampenlicht auf die Bühne, wo sie in den drei thematisch aufgeteilten Frageblöcken von Beginn an durch pointierte Ant­worten und erstaunliche Disziplin auffielen. 60 Sekunden Redezeit gab es zu jeder Frage, die Uhr tickte auf einem Monitor vor den Kandidaten herunter. Moderator Werner Lauff teilte dem Publikum beeindruckt mit: „Das ist bemerkenswert, wie hier alle schnell zum Ende kommen können, wenn es in den roten Bereich geht.“

Dabei hatten alle Teilnehmer auf dem Podium durchaus zu den verschiedensten Themen etwas zu sagen – und die unterschiedlichen politischen Ausrichtungen wurden dabei schnell deutlich (weiterer Bericht folgt). Völlig einig waren sich die Vier nur in einem Punkt: Keiner von ihnen würde als Landrätin oder Landrat aufgeben, wenn die Zeiten wirtschaftlich härter werden. „Ich bleibe Standfest“, witzelte die Grünen-Kandidatin zur Erbauung des Publikums, Eichinger ist „ohnehin keiner, der die Flinte schnell ins Korn wirft“. Wasserle möchte mit dem Handwerk „jetzt schon Konzepte erarbeiten für Zeiten, in denen die Konjunktur nach unten geht“ und Dempfle verwies auf seinen Hauptberuf als Biobauer. „Da hätte ich in den letzten 25 Jahren schon oft auf­geben können. Auch ich bleibe ,standfest‘.“

Während Standfest, Eichinger und Wasserle die politische und rhetorische Erfahrung deutlich anzumerken war, punktete Dempfle einige Male mit Unangepasstheit. Eine Minute war ihm (wie auch den anderen) in der Abschlussrunde zugestanden worden, um zu erklären, warum man gerade ihn zum Landrat wählen solle. „Ich stehe für ehrliche und transparente Politik und das finde ich sehr wichtig“, so das knappe Statement des Bayernpartei-Kandidaten. „Sie hätten noch 50 Se­kunden“, ermunterte der Moderator, doch Dempfle schüttelte nur den Kopf und meinte in tiefstem Bayerisch: „Na.“

Seine Konkurrenten hatten bei diesem Punkt erwartungsgemäß mehr zu erzählen. Er könne Menschen gut führen, so Wasserle, der auch auf seine Tätigkeit als mittelständischer Unternehmer hinwies; er könne gut zuhören und wirke integrativ: „Gemeinsam können wir Ziele erreichen und unseren Landkreis fit für die Zukunft machen.“

Seine Erfahrung als Kommunalpolitiker führte Thomas Eichinger ins Feld. „Ich bin dort 18 Jahre tätig, das macht mich fit zu wissen, wo die Gemeinden der Schuh drückt“, so der Jurist. Er wolle im Falle seiner Wahl „Gesetze bürgernah“ auslegen und „unsere schöne Heimat weiter gestalten“.

Als Frau im Vorteil

Den weitesten Bogen spannte hier Renate Standfest, die den Landkreis „ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich gesund und sozial gerecht“ gestalten will. „Und ich habe den Mut, nicht nur zu investieren, sondern auch zu sparen und unpopuläre Entscheidungen zu treffen.“ Auch sehe sie sich als Frau im Vorteil: „Ich bin sehr überzeugt, dass eine Landrätin dieses Mal die richtige Wahl ist.“

Christoph Kruse

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