Mittendrin im Arbeitsleben

"Hier fühle ich mich wohl!"

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Das passt ganz einfach: Alexander Barth, Geschäftsführer der Firma SIP Scootershop GmbH (rechts), und „sein“ angehender Büro- und Außenhandelsfachmann Christof Kriebel, sind rundum zufrieden.

Landsberg – „Ich fühle mich hier sehr wohl und werde voll akzeptiert!“ Dieser Satz kommt Christoph Kriebel ganz selbstverständlich über die Lippen und man spürt: er kommt von Herzen. Der 23-Jährige, der seit 2012 bei SIP arbeitet und dort seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert, ist seit Geburt mit der rechten Hand und dem rechten Bein bewegungseingeschränkt.

Trotz seines Handicaps kann Christoph Kriebel sein Leben in den meisten Belangen selbst bestimmen. So fährt er mit dem Bus von Schwabhausen zur Arbeitsstelle, der SIP Scootershop GmbH im Industriegebiet Landsberg Nord. Das be­- trifft auch seinen Weg in die Berufsschule nach München. Die Arbeitsstelle wurde ihm über das Arbeitsamt durch das Berufsförderungszentrum in Landsberg vermittelt.

Die SIP Scootershop GmbH bietet auch Ausbildungsplätze für Bürokaufleute, Fachkräfte für Lagerwirtschaft und Lageristen. 32000 Artikel sind auf Lager, davon 24000 sofort verfüg bar. Mindestens 600 Pakete werden täglich über alle Versandwege in die ganze Welt verschickt. Bereits 85 Prozent der Aufträge erfolgen online und werden datentechnisch bis auf Großaufträge sofort in den Versandbereich weitergeleitet. Der Betrieb arbeitet täglich in zwei Schichten bis 22 Uhr. Mittlerweile produziert SIP auch etwa 1200 eigene Artikel.

Christoph Kriebel ist seit September einer von sieben Auszubildenden. Er durchläuft in der Ausbildung alle Abteilungen und ist derzeit im Wareneingang beschäftigt. Im Unternehmen sind noch mehrere Mitarbeiter mit körperlicher oder psychischer Einschränkung fest angestellt. „Es geht mir nicht um Zuschüsse, von denen ich nicht einmal weiß, ob sie beantragt werden, oder um die Erfüllung irgendwelcher Quoten“, betont Geschäftsführer Alexander Barth. „Bei mir steht die soziale Verantwortung im Vordergrund“, begründet er sein Engagement.

Dass das nicht nur leere Worte sind, lässt sich unschwer an der Tatsache erkennen, dass bei SIP, das 1994 gegründet wurde und heute 80 Mitarbeiter beschäftigt, schon seit acht Jahren Menschen mit körperlichen und psychischen Einschränkungen einen festen Arbeitsplatz haben. „Über die soziale Verantwortung hinaus sind diese Mitarbeiter eine Bereicherung für die einzelnen Teams. Wir sind wie eine große Familie, in der sie in einem stabilen Arbeitsverhältnis gut aufgehoben sind“, zieht Barth zu- frieden seine Bilanz für die Jahre, seit er Menschen mit Einschränkungen in seinem Unternehmen eingestellt hat.

Bei Christoph Kriebel ist das gut erkennbar. „Ich fühle mich hier sehr wohl und werde von allen Kolleginnen und Kollegen voll akzeptiert“, freut er sich und fügt gleich hinzu, dass „alles in Ordnung“ sei und er jeden Tag gerne in die Arbeit komme. Kriebel wohnt bei seiner Mutter zusammen mit seinen zwei jüngeren Brüdern, die ebenfalls in der Ausbildung sind. In seiner Freizeit ist er gerne mit Freunden zusammen und besucht Konzerte. Für die Zukunft wünscht sich Christoph Kriebel einen erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung bei SIP und der Fahrschule, die er gerade begonnen hat, um endlich seinen Führerschein zu haben.

Serie "Mittendrin im Arbeitsleben"

In loser Folge stellt der KREISBOTE an dieser Stelle Menschen mit Behinderungen aus dem Landkreis Landsberg vor, die erfolgreich im Berufsleben stehen. Mit positiven Beispielen für gelebte Inklusion im Arbeitsleben wollen wir und die Mitglieder des „Arbeitskreises Arbeit“ des Psychosozialen Netz- werks Landsberg verdeutlichen, wie Menschen mit Behinderung einen wichtigen Beitrag zu Erfolg und Firmenkultur eines Unterneh- mens leisten können. Weitere Infos gibt es auf: www.landkreis.landsberg.de/gesundheit-soziales/psychoziales-netzwerk/arbeitskreis-arbeit/.

Für mehr Teilhabe im Job

Der „Arbeitskreis Arbeit“ ist ein Unterausschuss des Psychoso­zia- len Netzwerks (PSN) Landsberg. In dieser Arbeitsgemeinschaft sind Vertreter von Leistungsträgern beruflicher Rehabilitation (Arbeitsagentur, Jobcenter, Bezirk Oberbayern), regionale Anbieter verschiedener beruflicher Betreuungs- und Integrationsleistungen für Menschen mit Behinderungen und Behindertenbeauftragte vernetzt.

Eine zentrale Zielsetzung des Arbeitskreises ist die Förderung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Handicaps auf dem ersten Arbeitsmarkt. Dazu sollen vor allem Arbeitgeber über Möglichkeiten, Vorteile und Best-Practice-Beispiele informiert und für die Schaffung von Anstellungsverhältnissen von Menschen mit körperlichen, geistigen und/oder psychischen Einschränkungen sensibilisiert und gewonnen werden. Die Arbeitsgruppe will zudem Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige über die vielen Unter­stützungsmöglichkeiten in der Region informieren und deren Inhalte, Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten darstellen.

Für die Umsetzung dieses Gedankens in Landsberg steht die KREISBOTEN-Serie „Mittendrin im Arbeitsleben“.

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