Gegengewicht zur Gesellschaft

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Leiter der Arche Landsberg Christoph Gewinner betrachtet seine Arbeit als „Bereicherung“.

Landsberg – Hauptberufliche Arbeit und Ehrenamt sind in der Arche Landsberg untrennbar miteinander verbunden. „Alle unsere Mit- arbeiter leisten auch ehrenamtliche Stunden“, sagt Gemeinschaftsleiter Christoph Gewinner. Anders würde das Modell Arche, das Zusammenleben von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und ihren Betreuern, nicht funktionieren.

Acht Bewohner und fünf Assistenten – so heißen bei der Arche die Schützlinge und ihre Betreuer – teilen sich als große bunte Wohngemeinschaft ein geräumiges Haus in der Erpftinger Straße. Auch Leiter Christoph Gewinner hat – ebenso wie die anderen Mitarbeiter – ein Zimmer im Haus. Natürlich kostet ihn dieses Arbeitsmodell einen guten Teil seines Privatlebens, räumt der 47-Jährige ein. „Aber ich empfinde das vor allem als Bereicherung.“ 

Tatsächlich ist das die Grundidee der Arche: Nicht nur die Bewohner profitieren von dem Zusammenleben, sondern auch die Betreuer. „Die Menschen mit geistiger Behinderung sind unkompliziert, sie akzeptieren jeden so, wie er ist. Und sie sind tolle Gastgeber“, sagt Gewinner. „Wir können so viel von ihnen lernen.“ Jeder Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück. Dann gehen die Bewohner zur Arbeit in den Werkstätten von IWL oder Regens Wagner Holzhausen, während die Assistenten den Haushalt schmeißen und Christoph Gewinner seine Büroarbeit erledigt, Mitarbeitergespräche führt und Außen- termine wahrnimmt. 

Am späten Nachmittag treffen alle wieder zusammen, es gibt Kaffee, es wird erzählt, gesungen, ein Gebet gesprochen und gemeinsam gegessen. Den Abend kann jeder gestalten, wie er mag – sportlich oder musikalisch, ruhig auf dem Zimmer oder gemeinsam in der gemütlichen Fernsehecke mit den dicken blauen Sofas. Bei den Mitarbeitern wird darauf geachtet, dass sie außerhalb ihrer Dienst- und Ehren- amtsstunden auch tatsächlich Zeit für sich haben. Christoph Gewinner kann sich als Leiter weniger glatt ausklinken. Persönliche Freiräume schafft sich der Sozialarbeiter und Religionspädagoge durch Aktivitäten außer Haus – Singen in einem Chor, Laufen und Wochenenden in seiner Münchener Wohnung. 

Freiwillige haben die Möglichkeit, am Leben der Arche teilzunehmen, indem sie zum Beispiel Freizeit mit den Bewohnern gemeinsam verbringen. Derzeit tun das etwa acht Ehrenamtliche. „Ich würde mir wünschen, dass es noch mehr wären“, sagt Gewinner. Nicht, weil die Menschen mit Behinderung so viel Bedarf hätten, sondern weil es den Freiwilligen selbst gut tun würde – als Gegengewicht zum Leben in einer Gesellschaft, in der es vor allem um „Erfolg, Tempo und Haben-Wollen“ geht.

Ulrike Osman

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