Mein Hobby? Das BRK.

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Die Röcks und das BRK – eine gute Verbindung: Tochter Anja, Franz Röck und seine Frau Anna (v. links).

Landsberg – Familie Röck hat ein gemeinsames Hobby: das Ehrenamt. Die ganze sechsköpfige Familie macht beim Bayerischen Roten Kreuz mit, am aktivsten die Eltern Anna und Franz sowie ihre 27-jährige Tochter Anja. Dass die Röcks in ihrer Tätigkeit fürs Rote Kreuz aufgehen, sieht man ihnen an: alle drei strahlen übers ganze Gesicht und erzählen enthusiastisch von ihrer Arbeit.

Anja ist vor allem als Gruppenleiterin im Jugendrotkreuz tätig. Ihre Mutter Anna vertritt sie ab und zu, aber hauptsächlich arbeitet sie als Ausbilderin im Kriseninterventions-Team, kurz KIT. Nachdem Anna ihren Mann Franz ausgebildet hatte, wechselte auch der vom Rettungssanitäter zum KIT-Mitarbeiter. Aber Gruppenleiter der Jugendgruppe Dschungel-Crew in Pürgen ist er trotzdem geblieben. „Angefangen hat alles mit den Kindern“, erzählt Anna. 

Anja und ihre Brüder waren auf einem Zeltlager des BRK mit dabei. Und als dann Hilfe gebraucht wurde, griffen die Röck-Juniors gleich mit an. „Ab da waren dann alle vier beim BRK“, sagt Anna. Lang gedauert hat es nicht, und auch die Eltern wurden ‚infiziert‘. „Die Jugendarbeit ist mir sehr wichtig und sie ist wahnsinnig abwechslungsreich“, erzählt Anja. In den Gruppenstunden gebe es alles, was Kindern Spaß macht: „Am besten gefällt den Kindern die ‚realistische Notfalldarstellung‘, also jemanden so zu schminken, dass er verletzt aussieht“, erzählt Anja. Sie organisiert und begleitet zusammen mit ihren Kollegen zudem die Zeltlager: dieses Mal waren es 23 Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren. 

„Manchmal ist das anstrengend, erst 30 Feldbetten aufbauen und dann kommt nachts um zwei ein Kind und kann nicht schlafen“, sagt sie. Aber die Freude der Kinder sei Ausgleich genug. „Und außerdem kann man mit den Kindern so wunderbar rumblö- deln“ lacht sie. Anna gibt im Rahmen des KIT Kurse in Psychosozialer Notversorgung. Die KIT-Leute sind diejenigen, die Nichtverletzte am Unfallort unterstützen. Oder auch die, die da sind, wenn eine Frau vom Tod ihres Mannes erfährt. „Wir versuchen, eine Struktur in das Chaos zu bringen“, erzählt Anna. Die Hand halten, in den Arm nehmen und zuhören. Oder auch das Schweigen aushalten, manchmal eine Stunde lang. 

Man müsse den Menschen die Situation deutlich machen: „Wir verwenden ganz bewusst das Wort ‚tot‘. Damit es eine Tatsache für den Hinterbliebenen wird“, betont Anna. So ein Einsatz dauere im Durchschnitt zwei bis vier Stunden. Manchmal hat man auch eine ruhigere Schicht, erzählt Franz. Aber wenn der Piepser geht, müsse man schon mal den Einkaufswagen mitten im Laden stehen lassen, „dann bleibt der Kühl-schrank eben leer“, sagt Franz lachend. Er betont, dass man bei dieser Arbeit mit sich selbst im Reinen sein müsse, „sonst kann man den Leuten keinen Halt geben.“ 

Auch wenn es schwierig sei, werde er nach einem Einsatz belohnt: „Das Schöne ist, man kommt in ein Chaos und danach ist es schon ein bisschen besser.“ Franz und Anna haben oftmals gemeinsame Einsätze. Nach einem Einsatz ist es wichtig, miteinander zu reden, zu erzählen, wie es für einen selbst war. „Aber diese Besprechungen machen wir nicht zu Hause“, sagt Anna. „Ein bisschen Distanz muss dann einfach sein.“ Andere Aspekte ihrer ehrenamtlichen Arbeiten besprechen die Röcks dagegen oft und gerne am Esstisch zu Hause. „Da kommen uns die besten Ideen“, erzählt Franz. 

So auch die zum Hochwassereinsatz bei Deggendorf: Vier Monate nach dem Hochwasser sammelten die Röcks Spendengelder und fuhren zusammen mit anderen Ehrenamtlichen nach Natternberg. Dort halfen sie gezielt vier Familien, die es besonders schwer getroffen hatte. Zum Beispiel einem Ehepaar, beide weit über 70: „Die mussten eine mit Öl vollgesogene Kellerwand einreißen und standen da mit einem kleinen Hammer“, erzählt Anja. Die BRKler halfen und in kurzer Zeit war die Mauer eingerissen – und damit das Haus vor dem Abbruch gerettet. Bei so viel Engagement muss natürlich auch der Arbeitgeber mitspielen. Alle drei Röcks haben da mit ihren toleranten Chefs Glück: „Wenn ich meinen Chef frage, ob ich an dem und dem Tag weg kann, ist das meistens kein Problem“, erzählt Anja. Das war erst vor Kurzem der Fall, als die Turnhalle in Landsberg für die Erstaufnahme eingerichtet werden musste. 

Auch Anna und Franz können sich da auf ihre Chefs verlassen. Man habe schon eine ‚ehrenamtliche Verpflichtung, gibt Franz zu. Aber Pausen seien wichtig: „Wir gehen auch mal wieder zusammen tanzen, wenn wir Zeit haben“, sagt er. Anja erzählt, dass sie natürlich auch gerne abends mit Freunden weggehe, aber „solange mein Privatleben nicht leidet, bleibe ich beim BRK.“ Die Grundwerte des Roten Kreuzes, das Miteinander und die Menschlichkeit, seien ihr wichtiger, als vor dem Fernseher zu hocken. „Und es gibt so viele schöne Erlebnisse, die bleiben einem, das vergisst man nie.“ 

Jeder könne etwas tun, ermuntert Anna, „zum Beispiel einen Erste-Hilfe-Kurs machen, damit man im Notfall auch wirklich helfen kann.“ Anja würde sich schon freuen, wenn beim Stau endlich mal die Rettungsgasse freigehalten würde: „Da hätte ich immer gern ein Megaphon auf dem Dach!“ Das Jugendrotkreuz sucht Gruppenleiter, die zwei Stunden pro Woche fest arbeiten könnten. Und auch das KIT hofft auf Verstärkung: Bei Interesse bitte melden unter Tel.: 08191/9188-0 oder per Email: info@kvlandsberg.brk.de.

Susanne Greiner

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