Schnittstelle für Helfer

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Terminkalender in Sachen Koordination der Flüchtlingshilfe: Helga Gall aus Schondorf.

Schondorf – Merkel, Hollande, Juncker etc. haben den Flüchtlingsansturm endlich zur Chefsache erklärt, München wird weltweit ob seiner Willkommenskultur gefeiert… Darüber können die vielen Hundert ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Landkreis Landsberg nur müde lächeln. Sie praktizieren aktive Hilfe und Unterstützung für Asylbewerber von der ersten Stunde an und machen kein großes Aufheben darüber. Aus dem Nichts hat sich zum Beispiel entlang des Ammersee-Westufers ein Helfernetzwerk formiert, das im Stillen agiert und bestens funktioniert.

Die Helferinnen und Helfer bleiben dabei bescheiden im Hintergrund. Da muss Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann schon etwas nach-helfen, damit sich jemand „outet“ und die Hilfe ein Gesicht bekommt. Wie das von Helga Gall, einer engagierten Gemeinderätin und Flüchtlingsbetreuerin, die die Willkommens- kultur aus ganzem Herzen lebt. Die Bankkauffrau im Hauptberuf fragt nicht, warum die Flüchtlinge ihr Heimatland verlassen haben – wegen Krieg oder humanitärer Katastrophen, wegen Armut oder Perspektivlosigkeit. Sie sieht nur, was zu tun ist und packt an. 

Helga Gall sieht sich als Schnittstelle zwischen Behörden, Gemeinde und den ehrenamtlichen Helfern und Paten aus Schondorf und Umgebung, die sie u. a. koordiniert und ent-sprechend der Kompetenzen und zeitlichen Möglichkeiten einsetzt. Da gilt es den Deutsch- unterricht zu organisieren, bei Schriftwechsel mit Ausländerbehörde oder Sozialamt zu helfen, Begleitung für Ämter- und Arztbesuche oder für den Ein-kauf zu finden ebenso wie erste Ansprechpartner bei allen Fragen und Nöten. 

Denn die Aufenthaltsperspektive und Zukunft in Deutschland ist ungewiss für die Flüchtlinge. Trost, Hoffnung und aktive Hilfe in allen Lebenslagen kommt da nicht nur von Helga Gall, auch von Dr. Susanne Lücke, Ulrike Heine, Ursula Grein, Brigitte Bialucha-Fuchs und vielen anderen, die nicht genannt werden wollen. Sie engagieren sich für „ihre“ Schützlinge aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Ganz besonders aktiv ist der pensionierte Lehrer Ludwig Gernhardt, der sich schon seit Jahrzehnten für die Afikahilfe einsetzt. Ob Fahrdienste zu Behörden oder nachts ins Krankenhaus, handwerkliche Reparaturen in den Wohnungen oder Einkaufsbegleitung zum Roten Kreuz-Laden in Dießen bis zur Eröffnung eines Bankkontos – der Helfer ist immer und überall zur Stelle, wenn Not am Mann ist. 

Helga Gall schwärmt von der Welle der Hilfsbereitschaft entlang des Ammersees und der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich auf Neues und Fremdes einzulassen, ohne Ressentiments gegenüber Herkunft, Hautfarbe oder Bildung. Als großen Vorteil sieht sie die dezentrale Unterbringung der Asylbewerber, was eine schnellere und intensivere Integration als in zentralen Gemeinschaftsunterkünften ermöglicht. Was Helga Gall noch dringend sucht, ist ein Fachmann, der ehrenamtlich Fahrräder repariert und auch den einen oder anderen Asylbewerber entsprechend anlernt. Denn das Fahrrad ist das beliebteste Fortbewegungsmittel der Flüchtlinge. 

Dazu würde auch ein Verkehrsunterricht gehören, den sich Helga Gall von den Polizeibehörden wünscht. Auf der Wunschliste stehen noch Freiwillige Helfer für Schwimmkurse und ein Computerfreak, der eine Internetseite einrichtet und pflegt, auf der aktuell über die Flüchtlingssituation in Schondorf und Umgebung berichtet wird. Schließlich verhan-delt Gall derzeit mit der Volkshochschule über offizielle Deutschkurse für Asylbewerber im Programm. 

An Sachspenden mangelt es derzeit kaum in Schondorf, aber Geld wird für die mannigfachen Aktivitäten dringend gebraucht. Die Spendenkonten werden von der Katholischen Kirchenstiftung Mariä Heimsuchung in Utting sowie von der Evangelischen Kirchengemein- de Ammersee-West verwaltet. Die Kontendaten können über helga.gall@web.de angefordert werden.

Dieter Roettig

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