Mitgliederhauptversammlung in Prittriching

"Wir wollen überleben"

+
Lebhaft diskutiert wurde auf der diesjährigen Mitgliederhauptversammlung der Kreishandwerkerschaft. Kreishandwerksmeister Michael Rielde (2. v. rechts), sein Stellvertreter Wolfgang Zeit (3. v. links) und Geschäftsstellenleiterin Christiane Huber-Hascheck begrüßten unter anderem Dr. Lothar Semper von der Handwerkskammer (2. v. links) den Prittrichter Bürgermeister Peter Ditsch (ganz links) und Ehrenkreishandwerksmeister Franz Lanzinger.

Prittriching – Es steht nicht alles zum Besten zwischen der Kreishandwerkerschaft und der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Deren Hauptgeschäftsführer Dr. Lothar Semper stellte sich bei der diesjährigen Mitgliederhauptversammlung der Kreishandwerkerschaft im Gasthaus Feicht in Prittriching einigen kritischen Fragen.

Ein Problem ist der sinkende Organisationsgrad im Handwerk. Semper sprach hier von einem dramatischen Rückgang derjenigen Betriebe, die einer Innung angeschlossen sind. Die Zahlen, die Kreishandwerksmeister Michael Riedle später vorlegte, bestätigen das. Demnach gehören von 2.300 Betrieben in der Region nur rund 230 der Kreishandwerkerschaft an. Deren finanzielle Situation sei zunehmend schwierig, deshalb werde man im kommenden Jahr die Beiträge erhöhen müssen. „Wir wollen überleben“, so Riedle.

Gleichzeitig wünscht man sich eine bessere Finanzausstattung von Seiten der Kammer. „Warum wird die Kreishandwerkerschaft nicht besser unterstützt?“, wollte dann auch der Vorsitzende der Bauinnung Norbert Kees wissen. Immerhin übernehme man vor Ort ja für die Kammer die Gesellenprüfungen. Semper konterte die Forderung nach mehr Geld seinerseits mit dem Hinweis, man müsse sich als Kreishandwerkerschaft fragen, ob man noch eine angemessene Größe habe, um Leistungen für seine Mitglieder erbringen zu können.

Sich vergrößern – das wollte jüngst die Schuhmacher-Innung Landsberg durch eine Ausdehnung ihres Zuständigkeitsbereichs. Auf der Einladung zur Mitgliederversammlung vergaß man aber, diesen Punkt explizit auszuweisen. Folglich war die Abstimmung ungültig, wie die Handwerkskammer als Rechtsaufsicht später feststellte. Bevor das Prozedere korrekt wiederholt wurde, reagierte die Schuhmacher-Innung München – sie beschloss eine Vergrößerung ihres Gebiets, womit die Landsberger in die Röhre schauen.

Riedle ärgert das mächtig – er hofft nun auf ein Entgegenkommen der Münchner. Schließlich wolle die Landsberger Schuhmacher-Innung nichts weiter, als Weilheim und Starnberg dazuzunehmen. Ein noch mit dem ehemaligen Handwerkskammer-Präsidenten Georg Schlagbauer vereinbartes Gespräch habe wegen dessen Rücktritt nicht mehr stattfinden können. Riedle will sich an den Nachfolger wenden, sobald dieser gewählt ist. Das soll laut Semper am 14. September geschehen. Es gebe mehrere Kandidaten.

Norbert Kees wünscht sich in Landsberg ein überbetriebliches Ausbildungszentrum. Das Bildungszentrum der Handwerkskammer in Weilheim sei von der Region aus schlecht zu erreichen, außerdem seien kleine Einheiten besser regelbar. Sollten die Bauberufe an der Landsberger Berufsschule wegfallen, täte sich die Branche vor Ort noch schwerer, Auszubildende zu finden, warnte Kees. Semper winkte sogleich ab. Ein Ausbildungszentrum in Landsberg sei wirtschaftlich nicht darstellbar. Im Gegenteil: „Wenn die Lehrlingszahlen zurückgehen, werden wir eher noch Standorte zur Disposition stellen müssen.“

Keine Sackgasse

Momentan ist allerdings das Gegenteil der Fall. Semper berichtete von einem 17-prozentigen Plus bei den Ausbildungsverträgen, und zwar quer durch alle Branchen. „Unsere Kampagnen greifen endlich.“ Es setze sich die Erkenntnis durch, dass eine Berufsausbildung keine Sackgasse sei, sondern Perspektiven eröffne.

Auch sonst hatte Semper zur aktuellen Situation des Handwerks durchaus Positives zu berichten. In den 79.000 oberbayerischen Betrieben arbeiten derzeit 298.000 Menschen, das entspreche einem Plus von einem Prozent gegenüber dem letzten Jahr. Die Umsätze seien seit dem 30. Juni 2015 um 3,7 Prozent gestiegen. Besonders das Bau- und Ausbaugewerbe sei gut ausgelastet, endlich würden auch die Kommunen wieder mehr in ihre Infrastruktur investieren.

Ulrike Osman

Meistgelesene Artikel

Hände weg von der Kreisumlage!

Landkreis – Es ist ein klares ­Signal, das die Mitglieder des Finanz- und Kreisausschusses in ihrer jüngsten Sitzung gesendet haben: Einer Erhöhung …
Hände weg von der Kreisumlage!

"Manchem pressiert‘s"

Weil – Kaum ein Tag vergeht, ohne dass im Weiler Rathaus eine Anfrage nach Bauland eingeht. „Die Nachfrage ist mehr als überdurchschnittlich“, …
"Manchem pressiert‘s"

Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Landsberg – Aus Irland direkt in die Lechstadt: Richard Kingston (CMC Capital) hat am Mittwoch mit Erfolg für das neue Lechland-Center geworben. Eine …
Umbau für eine "strahlende Zukunft"

Kommentare