Krise erfasst Schuster Präzision

Dunkle Wolken sind vergangene Woche über Schuster Präzision aufgezogen. Nicht mehr zahlungsfähige Kunden haben dem Denklinger Unternehmen im 30. Jahr seines Bestehens die Insolvenz beschert.

Die Geschichte ist einfach und alt: Kunden sorgen für volle Bücher, die Bestellungen werden unter Vorfinanzierung gefertigt und dann nicht abgenommen. Der Produzent sitzt ohne Bezahlung auf den Sondermaschinen, irgendwann ist die Liquiditätsgrenze erreicht. Davon kann jetzt Geschäftsführer Helmut Schuster ein Lied singen. Unter anderem Big Player, wie die hoch verschuldete Schäffler-Gruppe und der krisengeschüttelte Stahlriese ThyssenKrupp AG, ignorieren ihre Bestellungen. Christian Plail aus der Augsburger Niederlassung der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner, Neu-Ulm, ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Unterstützt wird er von Kanzleikollege Daniel Bauch. Die beiden Rechtsanwälte sind seit Donnerstag im Hause Schuster in Denklingen präsent. Die auf das Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei hat als strategisches Ziel nicht die Abwicklung, sondern die „übertragende Sanierung“ der insolventen Firmen. „Der Geschäftsbetrieb wird auch nach dem Insolvenzantrag unvermindert fortgesetzt“, teilte Christian Plail auf Anfrage des KREISBOTEN mit. Ziel sei, das Unternehmen in der Insolvenz zu restrukturieren und auf Dauer zu erhalten. Zur Unterstützung dieses Vorhabens gebe es positive Signale seitens der Mitarbeiter, von Kunden und Lieferanten sowie der beteiligten Banken. Die Gehälter und Löhne der Arbeitnehmen seien für die nächsten zwei Monate durch das Insolvenzgeld abgesichert. Plail sieht seine wesentliche Aufgabe darin, sich rasch einen Überblick über die Vermögenssituation der Schuster Präzision zu verschaffen und die Weichen für eine erfolgreiche Betriebs- fortführung zu stellen. Von der Insolvenz sind 158 hochqualifizierte Mitarbeiter betroffen, etwa 100 in den zwei Denklinger Werken und die übrigen am Standort Kaufbeuren. Firmengründer Helmut Schuster startete am 1. Mai 1979 mit der Fertigung von Bauteilen für die Luft- und Raumfahrtindustrie in einer Denklinger Schmiede in die Selbständigkeit. Seither schrieb er eine bayerische mittelständische Erfolgsgeschichte mit Investitionen in Neubauten wie Fertigungsstätten und einem Technologiezentrum, der Entwicklung von weltweit technologiebestimmenden Maschinen und Anlagen und der Teilnahme an internationalen Forschungsprojekten. Mit dem bayerischen Staatspreis für hervorragende Leistungen, dem Bayerischen Innovations- preis und dem Bundespreis für hervorragende innovative Leistungen im Handwerk ist Schuster Präzision gewürdigt worden.

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