Meisterbrief steht im Feuer

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Erfolgreicher Handwerker-Nachwuchs: Feinwerkmechanikerin Veronika Metz und Installateur und Heizungsbauer Josef Wilhelm (rechts) wurden von Kreishandwerksmeister Michael Riedle mit dem Meisterpreis ausgezeichnet.

Landsberg – Zwei Prozent Umsatzwachstum und stabile Beschäftigungszahlen konnte Michael Riedle am Sonntag beim traditionellen Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft vermelden. „2014 war ein sehr gutes Jahr“, bilanzierte der Kreishandwerksmeister vor gut gefüllten Zu­schauerreihen im Sitzungssaal des Landratsamts. Doch obwohl auch für das laufende Jahr die Wachstumsprognosen erfreulich sind, trüben dunkle Wolken die Zukunftsaussichten der Handwerker.

Steigende Umsätze bedeuteten nicht zwangsläufig mehr Gewinn für die Betriebe, so Riedle. „Es muss auch ankommen.“ Darüber hinaus drohten „hausgemachte Probleme“, wie die Rente mit 63, der Mindestlohn und die Mütterrente, die Lohnnebenkosten weiter in die Höhe zu treiben.„Das ist Gift für Umsatzsteigerungen.“ Bestrebungen auf europäischer Ebene, den Meisterbrief abzuschaffen, machen dem Kreishandwerksmeister ebenfalls Sorgen. Die Qualität von Arbeit und Ausbildung würden darunter leiden. „Ohne Meister geht es nicht.“

In die gleiche Kerbe schlug Dr. Lothar Semper, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer von München und Oberbayern. „Der Meisterbrief steht im Feuer. Wir müssen für seinen Erhalt kämpfen.“ Erbschaftssteuerreform und Energiepolitik sind weitere Themen, die die Handwerker umtreiben.

Eine Chance für den schmaler werdenden Ausbildungsmarkt sieht Semper im Zustrom junger Asylbewerber. „Um sie müssen wir uns kümmern, sie suchen und verdienen eine Chance.“ Die Handwerkskammern bemühen sich hier um die Vermittlung von Lehrstellen, die aufgrund des demografischen Wandels und der insgesamt geringeren Anzahl an Schulabgängern, die in einen Handwerksberuf streben, immer schwerer zu besetzen sind.

Sozialer Wohnungsbau

Auch Landrat Thomas Eichinger sieht Chancen für das Handwerk, die sich indirekt aus der Flüchtlingssituation ergeben. Um bezahlbaren Wohnraum für Geringverdiener zu schaffen, müsse der Landkreis in sozialen Wohnungsbau investieren. „Dafür brauchen wir das Handwerk der Region.“ Um jungen Menschen eine entsprechende Ausbildung zu ermöglichen, werde der Landkreis auch weiterhin in seiner Schullandschaft investieren.

Die Bedeutung des Handwerks für Landsberg unterstrich 3. Bürgermeister Axel Flörke mit einem geschichtlichen Exkurs. Im Mittelalter seien die Handwerker für die Stadt neben den Händlern die wichtigste Berufsgruppe gewesen und systematisch vor Ort angesiedelt worden. Einzelne Gewerke lockte man gar mit Steuer- und Straffreiheit, „sogar bei Totschlag“. Seine schöne Altstadt habe Landsberg den Handwerken des Mittelalters und der frühen Neuzeit zu verdanken.

Sechsmal Gold

Wie immer standen beim Neujahrsempfang eine ganze Reihe von Ehrungen an. Sechsmal wurde der Goldene Meisterbrief verliehen. Ihn erhalten Handwerker, die ihren Meistertitel seit 35 Jahren besitzen und genauso lange in die Handwerksrolle eingetragen sind. Die Auszeichnung ging heuer an Hannelore Brendl, Xaver Harrer, Georg Kirchbichler, Johann Koller, Ernst Mayr und Albert Schmid.

Weitere Ehrungen gab's für langjährige Betriebszugehörigkeit und besondere Ausbildungserfolge. Die Baab Bau GmbH aus Apfeldorf wurde für ihr 25-jähriges Bestehen ausgezeichnet, und die traditionellen Ehrungen für Meisterfrauen gingen an Theresia Moser und Elisabeth Spensberger.

Für eine Auflockerung des Programms sorgte der Allgäuer Mundart-Kabarettist Josef Haberstock alias Broadway Joe mit witzigen Moderationen. Den musikalischen Rahmen für den Sonntagvormittag lieferte die Blaskapelle Prittriching.

Ulrike Osman

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