Die Krux mit dem Älterwerden

Das Ergebnis ist alarmierend: Kein anderes Land der Europäischen Union werde in den den nächsten 20 Jahren so massiv unter den Folgen der Alterung leiden wie Deutschland, warnt eine aktuelle Studie des Europäischen Statistikamts. Im Landkreis Landsberg hat man auf den demografischen Wandel bereits reagiert und im Frühjahr 2008 mit der Erstellung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzepts begonnen. Jetzt verabschiedeete der Kreistag den 160 Seiten starken Entwurf einstimmig.

„Es ist der Versuch, in die Glaskugel zu schauen, um herauszufinden, was uns in der Zukunft erwartet“, erklärt Peter Rasch, der das zweijährige Projekt im Landratsamt begleitet hat. Als Grundlage dienten Rasch und seinen Kollegen unter anderem Daten der regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung des statistischen Landesamt für Bayern bis 2028 sowie eine ausführliche Befragung der Senioren im Landkreis. Besonders letztere, bei der mehrere tausend Fragebögen versendet wurden, führte zu teils überraschenden Erkenntnissen. Demnach seien fast ein Viertel der Befragten auf ein Hilfsmittel bei der Mobilität angewiesen, führt Rasch aus. Bei rund 10000 Senioren bedeute das, dass für 2500 ältere Menschen beispielsweise ein Bordstein bereits eine unüberwindliche Hürde darstelle. Eine Zahl, die sich angesichts der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung in den nächsten 20 Jahren verdoppeln könnte und verdeutliche, wie wichtig das barrierefreie Bauen in Zukunft werde. Auch dass rund ein Drittel der befragten Senioren ihre Alltagsbesorgungen mit dem Fahrrad bestreiten, habe überrascht und sei ein bislang wenig berücksichtigter Faktor, sagt Rasch. „Wenn es um den Bau von Radwegen geht, denken die Gemeinden oftmals nur an den Tourismus und nicht daran, dass sie damit das tägliche Leben der Senioren erleichtern können.“ Die Gemeinden stehen im Mittelpunkt des Konzepts, auch wenn es bewusst auf detaillierte Vorgaben verzichtet. Vielmehr stellt es eine Handlungsgrundlage dar, anhand derer die Gemeinden künftig eigene, spezifische Konzepte entwickeln sollen. Nicht jedes Problem trete schließlich überall gleich stark auf, sagt Rasch. Bei der Umsetzung können die Gemeinden jedoch auf die Unterstützung des Landkreises zählen. Im Zuge seiner Sitzung genehmigte der Kreisrat die Einrichtung einer neuen Beratungsstelle am Landratsamt, die sich sowohl an die Senioren direkt als auch an die Vertreter der Gemeinden wendet. Ebenso wurde die Einrichtung einer Koordinierungsstelle für bürgerschaftliches Engagement bewilligt, zu deren Aufgaben künftig die Organisation und Vernetzung von Ehrenamtlichen zählt. Bis zuletzt hatte die sogenannte „Freiwilligenagentur“ auf der Kippe gestanden, da sie den Landkreis trotz staatlicher Anschubfinanzierung rund 25000 Euro pro Jahr kostet. Dass sich die Mitglieder des Kreistags trotz der klammen Haushaltslage nun dafür aussprachen, begrüßt Rasch. „Das ermöglicht uns nun die nächsten Schritte.“ Ziel sei es nun, zu sondieren, wo Ehrenamtliche eingesetzt werden können. Dabei beschränke man sich nicht nur auf das Sozialwesen, sondern ziehe etwa auch Sportvereine oder die Kultur- und Heimatpflege mit ein. Interessen- ten an einem Ehrenamt sollen so zukünftig leichter im gewünschten Betätigungsfeld vermittelt werden können. Viele Gemeinden haben schon während der Erarbeitung des gesamtpolitischen Seniorenkonzepts positiv auf die Bemühungen von Rasch und seinen Kollegen reagiert. So hat sich etwa die Zahl der Seniorenbeauftragten in den letzten zwei Jahren bereits erheblich erhöht. Man werde die Bemühungen der Gemeinden weiter genau verfolgen, kündigt Rasch an, und gegebenenfalls nachhaken, sollten keine der vielen im Konzept vorgeschlagenen Maß­nahmen umgesetzt werden: „Dann werden wir gemeinsam überlegen, wie wir unterstützen können.“

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