Graffity-Kunst am See:

Loomit sprüht im Summerpark

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Utting-Besucher, die mit dem Schiff kommen, sehen vom Dampfersteg aus zwei riesige Wände, die Graffiti-Star Loomit zu Kunstwerken verwandeln wird. Auf dem Bild die Initiatoren vom Kulturforum (v. links): Angelika Hoegerl, Florian Münzer und Bettina Senger.

Utting – Der Summerpark mit seiner einmalig idyllischen Lage am See soll wieder stärker als Ort der Kultur wahrgenommen werden, „auf dass dem Grad seiner Beliebtheit das Maß seiner kulturellen Wertschätzung gleichkomme“. So begründet das Kulturform Utting seine einmalige Open-Air-Kunstaktion, die am 2. und 3. Juli hier stattfinden wird. Den Initiatoren Florian Münzer, Bettina Senger, Angelika Hoegerl und Eckart Lüps ist ein sensationeller Coup gelungen: Sie konnten Deutschlands bekanntesten Graffiti-Künstler Loomit für das kulturelle Highlight am See gewinnen.

Das Kulturforum will, dass der Summerpark wieder mehr als die „gute Stube Uttings“ wahrgenommen wird. Nicht nur als Flaniermeile, Liegewiese, Badeplatz und nächtliche Feierzone für ungehemmte Jugendliche. Die sorgten im letzten Sommer durch Ruhestörungen und Vandalismus für Schlagzeilen, was die Einschaltung eines privaten Security-Dienstes ab dieser Saison zur Folge hatte. Mit der Open-Air-Kunstaktion will man auch diesen Feierwütigen zeigen, dass die Jugendkultur nicht nur aus dröhnender Rap-Musik besteht. Die hier geplante Graffiti-Art ist inzwischen weltweit als Kunst anerkannt. Neben dem Engländer Banksy gehört der Münchner Mathias Köhler alias Loomit zu den gefragtesten Vertretern dieser Kunstform. Er kommt mit seinem Kollegen Nils „Bert“ Jänisch aus Weimar an den Ammersee, um live acht einmalige Kunstwerke entstehen zu lassen.

Dazu lässt das Kulturform Utting vier Wände aufstellen – zwei direkt am Dampfersteg und zwei am Michl-Sirch-Weg. Die 4 x 2 Meter großen Tafeln werden ab Samstag, 2. Juli, 11 Uhr, von Loomit und Jänisch beidseitig besprüht – live vor den Augen des Publikums. Wie lange das Entstehen der Bilder dauert, ist offen. Deadline ist jedenfalls am Sonntag, wenn um 15 Uhr die Kunstwerke im Rahmen einer kleinen Feier der Öffentlichkeit übergeben werden. Bis Mitte September sorgen sie dann für außergewöhnliche Seh- und See-Perspektiven. Zu den Motiven hält sich Loomit noch bedeckt. „Aber sie werden einen Bezug zum Ort des Geschehens und zum Geschehen am Ort aufweisen“, verrät er.

Die Open-Air-Kunstaktion kostet rund 8.000 Euro und wird großteils finanziert von der Gemeinde Utting und vom Kulturforum. Vorsitzender Florian Münzer hofft, dass sich noch einige Sponsoren finden, die dafür mit einem Werbetäfelchen an den Kunstwerken bedacht werden. Interessenten können sich via E-Mail info@kulturforum-utting.de melden.

Das Graffiti-Event wird ganz sicher viele Gäste an das Ammersee-Westufer locken, denn parallel dazu findet das zweite Wochenende der Uttinger Ateliertage mit 14 heimischen Künstlern statt. Und wenn ein beziehungsweise zwei Wochen später der Sommermarkt und die Seebühne eröffnen, haben die farbenfrohen Graffiti-Kunstwerke noch mehr fachkundiges Publikum.

Weltweit engagiert

Mathias Köhler alias Loomit präsentiert seine Graffiti-Kunst Anfang Juli live im Summerpark.

Loomit, 1968 als Mathias Köhler in Celle geboren, machte erste Schlagzeilen, als er mit sechs anderen Sprühern 1985 einen kompletten S-Bahnzug in Geltendorf besprühte. Ab da wurde er „legaler Sprayer“ und erhielt 2002 sogar den Schwabinger Kunstpreis. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Wandgestaltung „Zeichen der Zeit“ auf einer 300 Quadratmeter großen Hochhaus-Fassade in Hamburg mit Eintrag im Guinessbuch der Rekorde.

Inzwischen wird Loomit weltweit engagiert. Seine Werke stehen von Sao Paulo bis Miami – und bald auch in Utting am Ammersee. Im ARD-Dokumentarfilm „Loomit – der Sprayer“ wurde Köhler als „der bedeutendste deutsche Graffitikünstler der Gegenwart“ bezeichnet. Anders als Banksy, der unerkannt und heimlich seine Werke gestaltet, arbeitet Loomit gerne öffentlich vor Publikum, das ihn bei seiner Arbeit inspiriert.

Sein Kollege Nils „Bert“ Jänisch ist ebenfalls ein sehr bekanntes Graffiti-As und hat schon des öfteren mit Loomit zusammengearbeitet. Er freut sich auf seinen ersten Besuch am Ammersee, nachdem er gerade das Parkhaus an der Hauptpost in Weimar mit legaler Graffiti zum viel beachteten Kunstobjekt verwandelt hat.

Dieter Roettig

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