Erste Instandsetzungsmaßnahmen in Kaufering VII

Denkmal und Mahnmal zugleich

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Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hatte gemeinsam mit der Stiftung Europäische Holocaustgedenkstätte zum Ortstermin auf dem Areal des KZ-Außenlagers Kaufering VII geladen. Sie informierten Gäste aus Politik, Denkmalschutz und Presse sowie interessierte Bürger über die nun begonnenen Instandhaltungsmaßnahmen.

Landsberg – Als eine „moralische Verpflichtung“ beschreibt Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, die Erhaltung der Tonröhren-Unterkünfte auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII.

Um über die nun beginnenden Instandsetzungsmaßnahmen zu informieren, hatten das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam mit der Stiftung Europäische Holocaustgedenkstätte gestern zu einer Pressekonferenz auf dem Areal geladen.

Über 30 Jahre hat es gedauert, nun steht der Erhaltung der Anlage mit den Häftlingsunterkünften nichts mehr im Wege. Seit dem vergangenen Jahr ist das Areal als „Denkmal von nationaler Bedeutung“ anerkannt. Aber dabei handelt es sich um „Denkmal und Mahnmal gleichzeitig“, hob Oberbürgermeister Mathias Neuner bei dem Ortstermin hervor. Denn die Tonröhren-Unterkünfte seien die einzigen ihrer Art, die heute noch erhalten sind. 

Erste Maßnahmen am KZ-Außenlager Kaufering VII

Seit 1979 habe man mit diesem Ort gerungen, führte Dr. Thomas Goppel, Vorsitzender des Landesdenkmalrates, an. Immerhin bedeute Geschichte mehr als nur Höhepunkte, sondern eben auch Tiefstände. Auch der Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, machte deutlich: Die „grauenhafte Erinnerung an das schwärzeste Kapitel der deutschen Geschichte“ müsse bewahrt werden. 

Fördermittel fließen 

Dieses Kapitel nahm in Landsberg 1944 mit dem Bau von insgesamt elf Außenlagern des Konzentrationslagers Dachau seinen Lauf. Diese waren Teil des Rüstungsprojektes „Ringeltaube“, wie Pfeil erläuterte. Am 24. April 1945 wurde das Lager geräumt. Die heute noch erhaltenen Erdbunker sähen zwar harmlos aus, hier seien aber 14000 Häftlinge gestorben, erklärte der Generalkonservator weiter. 

Deshalb hat die Stiftung Europäische Holocaustgedenkstätte, die sich für den Erhalt der Bauwerke und auch den Bau eines Dokumentationszentrums einsetzt, Fördermittel beantragt – welche nun auch bewilligt wurden. Insgesamt werden sich die Kosten für die gesamte Konservierungsmaßnahme auf rund 700000 Euro belaufen. Trotz der jahrelangen Bemühungen ist es für Manfred Deiler, Vizepräsident der Stiftung, dennoch ein „kleines Wunder“, dass nun mit den Maßnahmen begonnen werden kann. 

Im Anschluss gab der zuständige Architekt Franz Hölzl einen Rundgang über das Gelände und erläuterte die Besonderheiten der Bauwerke, die es „als Gedächtnisstätte für die Zukunft“ zu erhalten gilt. Denn drei dieser Bunker sind schon verfallen. Die verbliebenen drei sollen konserviert werden. Bei dem Erdbunker handelte es sich um einen „Schnellbau“, so Hölzl. Die SS hatte dafür ein französisches Patent importiert. Das beweisen auch Stempel auf den flaschenförmigen Tonröhren, aus denen die Gewölbekonstruktionen bestehen. Diese Röhren bilden jetzt den „Kern“ der Instandhaltungs-Maßnahme. 

Nicht für die Ewigkeit 

Weil eine hundertprozentige Standfestigkeit der Bauwerke aber derzeit nicht garantiert werden kann, sichert eine Betonschale das Gewölbe zusätzlich von außen, erläutert der zuständige Architekt. Über ein Dübelsystem werden dann die Elemente unsichtbar miteinander verbunden. Wo man 1944 noch mit Teer abdichtete – was heute zu einer hohen Schadstoffbelastung im Boden führt – setzt man in diesen Tagen auf Teichfolie, mit der zusätzlich auch das Fundament geschützt werden soll. Eine weitere Herausforderung: Die Fenster müssen regendicht und einbruchssicher gestaltet werden, aber dennoch Luftdurchlässigkeit gewährleisten, um eine Schimmelbildung zu verhindern. 

Auch für die Archäologen steht fest: Hier hat man sparsam gearbeitet. Prof. Dr. Sebastian Sommer, Abteilungsleiter für Bodendenkmäler im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bezeichnete den Bau als „Nullsummenspiel“: Eine Baugrube, wie sie heute üblich ist, gab es nicht. Das ausgegrabene Material wurde gleich wiederverwendet – eine „gut durchorganisierte Baustelle“. Insgesamt hinterlasse die archäologische Ausgrabung aber mehr Fragen als Antworten, so Deiler. Für Mathias Pfeil ist hier der Zeitgeist spürbar: „Das sollte nur so lange halten bis das Rüstungsprojekt ,Ringeltaube’ fertig ist“, gibt der Architekt vor Ort zu bedenken. 

Eine „zweite mentale Idee“ spukt dem Stiftungsvizepräsidenten Deiler aber bereits seit 2012 im Kopf herum: Der Bau eines Dokumentationszentrums. Eine diesbezügliche Machbarkeitsstudie soll bis Ende des Jahres durchgeführt sein. Damit werde der Weg frei, um das Leid erfahrbar zu machen, so Oberbürgermeister Neuner. Denn: „Es gibt Dinge, über die darf kein Gras wachsen!“

Astrid Erhard

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