Die Rache der Königinnen

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Noch ist die Stimmung am Burgunderhof gut, fröhlich heißen alle Siegfried (Dimetrio-Giovanni Rupp, rechts) willkommen.

Landsberg – Es ist DIE deutsche Heldensage, jeder kennt die Geschichte um Macht und Tod, um Liebe und Verrat. Das Landestheater Tübingen hat nun den Nibelungenstoff als Kinder- und Jugendtheater auf die Bühne gebracht.

Frei nach dem Trauerspiel von Friedrich Hebbel geschah dies stark verkürzt, auf das Wesentliche reduziert, mit kraftvollen Bildern, überzeugenden Schauspielern und komisch, ohne den Ernst des Stoffes zu demontieren.

Mit den Frauen sollte man sich nicht anlegen, haben sie doch die wahre Macht. Diese Erfahrung müssen auch die Recken der Nibelungensage machen, denn die Rache der Damen ist fürchterlich. Der Held Siegfried, der Drachentöter, hilft dank seiner Tarnkappe dem Burgunderkönig Gunther, die stärkste Frau der Welt, Königin Brunhilde von Isenland (eiskalte Powerfrau Stefanie Klimkeit), im Kampf zu besiegen und erringt dafür die Hand von Gunthers Schwester, Kriemhild (mal zickiger Teenie, dann rachsüchtige Furie: Magdalena Flade). Diese, eifersüchtig, enthüllt Brunhild – die sowieso viel lieber Siegfried geheiratet hätte als Gunther – das Komplott, worauf diese blutige Rache an dem Verräter fordert.

Darauf hat der missgünstige Hagen von Tronje nur gewartet, er ringt Kriemhild das Geheimnis um Siegfrieds verwundbare Stelle ab und lockt diesen in eine Falle und tötet ihn. Kriemhild wiederum gibt nach sieben Jahren dem Werben des Hunnenkönigs Etzel nach und lädt mit seiner Hilfe die mörderische Verwandtschaft zu einem tödlichen Bankett.

Auf einer blutroten Treppe, die, je nach Handlungsort geteilt und nach vorne geschoben werden kann, nimmt das Drama seinen Lauf. Kommentiert vom Herold (Andreas Laufer) nach Sportreporter-Manier, mit den klassischen Mitteln der Mauerschau und des Botenberichts, erlebt der Zuschauer Wettkämpfe, Kriege, auch die Vorgeschichte Siegfrieds. Gunther, ein unfähiges, spilleriges Männchen, wunderbar verkörpert von Henry Braun, ist ein Spielball des intriganten Hagen (sehr präsent: Robert Hausner). Dimetrio-Giovanni Rupps Siegfried ist ein Actionheld, wie er im Buche steht: viel Muskeln, viel Mut, aber nicht allzu viel Hirn und deshalb leichte Beute für Intrigen.

Dass die zugegebenermaßen brutale und blutige Handlung kindertheatertauglich (aber laut Programm erst ab 12 Jahre) ist, ist der leichten, comedyhaften Spielweise und witzigen Einfällen zu verdanken. Der Nibelungenhort entpuppt sich als Kreditkartenfolder – schwierig im Rhein wiederzufinden… – die Tarnkappe als Plastikeimer. Und die Dramatik der Ermordung Siegfrieds wird gebrochen durch Hagens Schwierigkeit, die geeignete Waffe zu finden: Plastikspeer, Faschingsgewehr oder Star-Wars-Schwert?

„Ein komödiantisches Trauerspiel“ nennt Regisseur Michael Miensopust seine Hebbel-Adaption, getreu des Mottos des unvergleichlichen Dario Fo, dass das Lachen die Köpfe öffnet. Dass die Geschichte trotzdem ernst ist, liege in der Natur des Stoffes. Eine Gratwanderung zwischen Tragik und Komik, hundertprozentig gelungen.

Patricia Eckstein

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