Prähistorische Siedlung

Mehr Leben am Steinzeitdorf

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Kreisheimatpfleger Dr. Guntram Schönfeld (Mitte) mit dem "alten" Kulturbeirat des Landkreises im Steinzeitdorf.

Landsberg/Pestenacker – „Wir haben’s angefangen, jetzt müssen wir’s auch zuende bringen“, fasste Erich Püttner die Einschätzung des Kreisausschusses zur Weiterentwicklung der „Welterbestätte Pestenacker“ zusammen. Gut 320000 Euro will der Landkreis dafür bis 2016 in die Hand nehmen – der Kreistag muss die Mittel allerdings noch freigeben.

Für dieses Geld soll zunächst ein Steinzeithaus angelegt werden (114000 Euro), das sich an den originalen Pfahlbauten orientiert. Bereits von der A96 und er B17neu weg soll die Anfahrt mit neuen Hinweistafeln beschildert werden, dazu kommt ein Internetauftritt, Fahnen, Logos und Plakate – für zusammen knapp 40000 Euro. Zudem soll das bestehende Museumsgebäude ertüchtigt werden, für weitere 90000 Euro. Letzteres ist zwingend notwendig, wie Kreiskämmerer Jürgen Felbinger vortrug: „Dort gibt es im Moment weder Strom noch Wasser.“

Für alle genannten Maßnahmen wird der Landkreis Landsberg die Trägerschaft für das Projekt übernehmen müssen – wenn auch nicht unbedingt freiwillig. Für den Förderverein, der bisher das Gebäude betreut, sei das bei einem Ausbau finanziell und administrativ nicht mehr zu schultern, sagte Felbinger. Auch die Gemeinde Weil hat auf eine entsprechende Anfrage hin bereits abgewunken.

Einige Ausschussmitglieder störten sich aber offenbar viel mehr an der Haltung des Freistaates. „Es war ja nicht Weil oder der Landkreis, der die Aufnahme ins Weltkulturerbe beantragt hat“, machte Dr. Albert Thurner (SPD) deutlich, „der Freistaat Bayern wollte das“. „Um die Trägerschaft kümmert sich niemand, das scheint keiner machen zu wollen“, stellte Landrat Thomas Eichinger fest und meinte weiter: „Jetzt könnte man sagen, das liegt da alles schon seit 4500 Jahren in der Erde und verschwindet jetzt nicht, wenn wir nichts tun. Aber wir haben als Landkreis an dieser Stelle schon eine Verantwortung.“

Aus München ist dabei zumindest finanziell offenbar weiter keine große Unterstützung zu erwarten. In der Machbarkeitsstudie sei die Einrichtung eines „Informationszentrums“ vorgesehen, so das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auf eine entsprechende Anfrage des Landkreises, das sei aber „definitiv kein Museum“ – Förderung Fehlanzeige. Eine Bezuschussung von Steinzeitdorf und Straßenbeschilderung ist demnach ebenfalls „ausgeschlossen“.

Lediglich an den Informationstafeln (ca. 19800 Euro) will sich das Landesamt möglicherweise in nicht genanntem Umfang beteiligen, stellt dazu aber gleichzeitig unmissverständlich eine hohe Forderung in den Raum, die sich vermutlich mit den vorhandenen Mitteln gar nicht realisieren lässt: „Die Qualität der medialen Vermittlung muss sich am Standard des jüngst eröffneten Archaeoramas des Pfahlbautenmuseums Unteruhldingen/Baden-Württemberg orientieren.“

Damit bleibt zu befürchten, dass der Landkreis letztlich auf ziemlich allen Kosten selbst sitzen bleibt. Bevor allerdings das Projekt in Pestenacker/Unfrieds-hausen nicht vom Kreistag freigegeben ist und dort bauliche Fortschritte erzielt sind, werde man auch nicht größer in die Öffentlichkeitsarbeit einsteigen, machte Landrat Eichinger klar. „Wir werden uns sicher nicht blamieren, indem wir jemand von der A96 dorthin lotsen, damit er feststellt, dass es nichts zu sehen gibt.“

Immerhin liegt das tatsächliche Denkmal immer noch unter dem Acker eines Landwirtes – der diesen auch weiterhin intensiv bewirtschaftet.

Christoph Kruse

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