Thaininger Helferkreis befürchtet Probleme

Gefährliche Kursänderung?

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In der ehemaligen Kauferinger Soccerhalle sind noch Kapazitäten frei. Hier könnten künftig vermehrt sogenannte Fehlbeleger aus dezentralen Unterkünften einquartiert werden.

Landkreis – Im Helferkreis Thaining gärt es: Nachdem zehn syrische Flüchtlinge, nach Darstellung der Ehrenamtlichen, unfreiwillig in die Kauferinger Soccerhalle umziehen mussten, wurde ein Brief an Landrat Thomas Eichinger adressiert, in dem die Freiwilligen empfundene Missstände im Umgang mit Helferkreisen im ganzen Landkreis anmahnen und eine scheiternde Integration befürchten. Das Beispiel Thaining zeigt dabei, dass das Landratsamt seinen bisherigen Kurs, Geflüchtete dezentral in kleinen Einheiten unterzubringen, immer mehr verlässt. Für Kaufering könnte das bedeuten, dass die vormalige Funktion als „Drehscheibe“ in den Hintergrund rückt und zunehmend Fehlbeleger in der Soccerhalle unterkommen.

Immer mehr Menschen im Landkreis sind als Flüchtlinge anerkannt. Doch daraus ergibt sich ein großes Problem: Sie sind selbst dafür verantwortlich, sich eine Wohnung zu suchen. Klappt das nicht und verbleiben sie in ihrer in der Vergangenheit zugewiesenen Unterkunft, werden sie als sogenannte „Fehlbeleger“ geführt. Seit einigen Wochen geht das Landratsamt nun vermehrt dazu über, die von ihm angemieteten Quartiere in Hinblick auf verschiedene Faktoren wie Lage, Anbindung und Ausstattung, aber auch den finanziellen Aufwand zu überprüfen. Die entspanntere Lage lässt das zu, derzeit erreichen kaum noch Flüchtlinge den Landkreis. Mancherorts werden vor einigen Monaten noch hastig gestrickte Mietverträge wieder gekündigt.

So auch in Thaining, wo bis zum Mittwoch vergangener Woche zwölf Syrer in der Issinger Straße untergebracht waren. Zehn von ihnen gelten als Fehlbeleger. Sie erhielten am Samstag, 20. August, die endgültige schriftliche Aufforderung, schon am darauffolgenden Mittwoch, 24. August, in die Soccerhalle in Kaufering umzuziehen. Vor dem Hintergrund drohender Obdachlosigkeit vermeintlich ein gangbarer Ausweg, doch offenbarten sich Probleme, warnt der Thaininger Helferkreis.

Er sieht sich in dem Entscheidungsprozess zu wenig integriert und verweist in einem Brief vom 22. August an Landrat Thomas Eichinger darauf, dass sich immer mehr Helferkreise im Landkreis in wichtigen Angelegenheiten zu wenig angehört und in ihrem Engagement herabgesetzt fühlten. Sämtliche Integrationsbemühungen der Syrer seien mit dem Umzug auf einen Schlag umsonst gewesen, beklagt Verfasser Ingo Krafsig. „Unsere Arbeit wird mit der Verlegung völlig wirkungslos, da sie nun aus der Dorfgemeinschaft herausgerissen werden.“ Daneben hätte der knappe Zeithorizont der vermeintlich kurzfristig anberaumten Umquartierung dazu geführt, dass es den Freiwilligen und den Syrern nicht mehr möglich war, entsprechend gegenzusteuern und die Wohnungssuche weiter zu intensivieren, beklagt Krafsigs Mitstreiterin Fabiola Hoppe.

Das Landratsamt bezieht sich in Person von Pressesprecherin Anna Diem darauf, die Planungen seien bereits eine Woche vorher schriftlich und Anfang des Monats in einem Gespräch kommuniziert worden. Doch sie räumt ein: „Es kann sein, dass der Umzug nicht auf Gegenliebe stößt. Es reicht aber nicht aus, dass der Helferkreis sagt: ‚Die sind im Dorf gut integriert.‘ Ähnliche Fälle können sich auch in Zukunft wiederholen.“

Denn die Bewertung, inwieweit die Anordnung eines Umzugs vermeintlich Sinn mache, liegt beim Landratsamt. Hier rechnet man damit, dass sich eine zentralere Lage auf die Arbeitsstellensuche der Flüchtlinge positiv auswirke. „Wir schauen gerade, wo wir verbesserte Rahmenbedingungen und finanzielle Verbesserungen schaffen können“, stellt Diem die Situation dar. Kein schlechter Ansatz, findet Hoppe, die aber vor allem die Art und Weise, wie der Umzug über die Bühne ging, scharf kritisiert und die Soccerhalle in Kaufering als wenig geeignete Unterkunft erachtet.

So seien die Thaininger Syrer aus allen Wolken gefallen, als ihre Umquartierung „über ihre und unsere Köpfe hinweg“ konkret wurde. Zusammen mit der derzeit frustrierenden Lage, in der sich die Männer befänden und ihren teils traumatischen Erfahrungen, warnt sie: „Bei manchen stellt man eine Veränderung fest. Ihre Blicke sind leerer, manche sind in sich gekehrter.“ Krafsig schlussfolgert, bezogen auf die allgemeine Lage im Landkreis: „So wird Integration mit Sicherheit nicht stattfinden – vielmehr ist die Gefahr radikaler islamistischer Einflussnahme und erhöhtes Konfliktpotenzial, bis hin zur verstärkten Gewaltbereitschaft, gegeben!“

Diem will dazu keine Beurteilung abgeben, hält aber dagegen: „Die Leute werden in Kaufering nicht allein gelassen.“ Man habe Beratungsangebote vor Ort geschaffen und ein zusätzliches Büro eingerichtet.

Und dennoch: Mit seinen Bestrebungen, Fehlbeleger teils auch in die bis zu 300 Personen fassende Soccerhalle in Kaufering umzuquartieren, verabschiedet sich das Landratsamt weiter von der ursprünglichen Losung, kleine Wohneinheiten in dezentraler Lage zu favorisieren und diese mit Menschen ähnlicher Herkunft zu belegen.

Beim Beispiel Thaining wird es nicht bleiben, schon Ende Juli hatte der Fall Schwabhauser Eritreer, die ebenfalls in die Soccerhalle umziehen sollten, für Aufsehen und Proteste gesorgt. „Es ist nicht der Plan, alle dezentralen Standorte aufzugeben“, erklärt Diem. „Tatsache ist aber, dass die Soccerhalle nutzbar ist und dort derzeit nur 60 Personen untergebracht sind.“ Kapazitäten sind also noch vorhanden und sollen genutzt werden. Hoppe bemängelt die dortigen Verhältnisse. Unter anderem gebe es, abgesehen von einzelnen Computern, keine Internetverbindung. Daran etwas zu ändern, sei technisch gerade nicht möglich, heißt es vom Landratsamt.

Mit der Kursänderung des Landratsamtes ändert sich auch die Rolle Kauferings. Als die Planungen, die Soccerhalle zur Unterkunft umzufunktionieren, Gestalt annahmen, war noch von einer Funktion als „Drehscheibe“ die Rede. Neue Flüchtlinge sollten hier ankommen und dann nach kurzer Verweildauer auf die verschiedenen Ortschaften verteilt werden – eben mit dem Ziel einer dezentralen Unterbringung in kleinen Einheiten. Doch die Richtung kehrt sich nun um: Fehlbeleger, die keine Wohnung finden und im Rahmen der – aus Sicht des Landratsamts – Verbesserungsmaßnahmen aus ihrer ehemaligen Unterkunft umquartiert werden, landen möglicherweise solange in Kaufering, bis sie eine Bleibe finden. Das könnte die bisher kurze Verweildauer in Kaufering erhöhen.

ras

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