Pakistan-Hilfe auf drei Säulen

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Tief bewegend: Projektleiterin Angelika Schott und Dr. Markus Thum, beide aus Landsberg, nahmen an zwei Schulen an der Hilfsgüterverteilung teil.

Kaufering – Seit August 2013 leistete die Hilfsorganisation „LandsAid“ mit Sitz in Kaufering humanitäre Hilfe für die Betroffenen der schweren Überflutungen in Pakistan. Projektleiterin Angelika Schott aus Landsberg ist im Dezember nach Islamabad gereist, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Begleitet hat sie der Allgemeinmediziner Dr. Markus Thum, der gebürtig ebenfalls aus der Lechstadt stammt und mittlerweile am Chiemsee praktiziert. Vor Ort führte er eine EKG-Schulung für medizinisches Personal der LandsAid-Partnerorganisation durch. Knapp 350000 Pakistaner wurden vom schweren Monsunregen und den Überflutungen im August letzten Jahres getroffen. Unzählige wurden obdachlos, haben kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser, leiden unter Infektionskrankheiten und leben unter mangelhaften Bedingungen. Die über­- schwemmten Gebiete sind Brutstätten für Stechmücken, die Malaria übertragen. Besonders schwangere Frauen und Kinder unter fünf Jahren sind von dieser Krankheit bedroht.

Insgesamt fünf Millionen Menschen haben immer noch mit den Folgen der Überschwemmungen des vergangenen Jahres zu kämpfen, darunter 50 Prozent Kinder. LandsAid hat, in Zusammenarbeit mit seiner Partnerorganisation Pakistan Relief, für die Betroffenen im vergangenen Jahr ein Hilfsprogramm installiert, das auf drei Säulen steht.

• Schulungen für die lokalen Einsatzkräfte vor Ort. Im August entsendete LandsAid ein fünfköpfiges medizinisches Team in die Hauptstadt Islamabad. Gemeinsam schulten die erfahrenen Krisenhelfer direkt vor Ort diejenigen lokalen Einsatz-kräfte, die später im Katastrophengebiet arbeiteten und die Bevölkerung medizinisch versorgte. Die Schulungen wurden bis Dezember mit lokalen Einsatzkräften von Pakistan Relief fortgesetzt. Teilnehmer waren vor allem Pädagogen aus abgelegenen Dörfern, die zu den Themen Gesundheit, Hygiene und Prävention aufgeklärt wurden.

„Bei unserem Besuch erfuhren wir viel über die letzten Wochen der vier Schulungseinhei-ten,“ berichtet Angelika Schott. „Die Seminare beinhalteten theoretische und auch praktische Einheiten, die die Teilnehmer mit großem Interesse ver­- folgten und ausführten. Zudem gab es sehr interaktive Diskussionen, in denen ihnen auch klar wurde, mit welchen Herausforderungen die Menschen in den abgelegenen Orten zu kämpfen haben. Alle Teilnehmer sind mit hoher Motivation und Inspiration an ihre Schulen zurückgekehrt. Pakistan Relief wird ihnen weiterhin beratend zur Verfügung stehen. “

• Medizinische Hilfe für die Region Nowshera. LandsAid richtete Anfang September in Kooperation mit seinem lokalen Partner eine mobile Klinik in der Region Nowshera ein – geführt vom frisch geschulten Fachpersonal. Rund 255 Menschen wurden hier pro Tag behandelt, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder Arzneimitteln haben. In fünf Wochen hatten sich 1704 Patienten unter fünf Jahren und 4617 über fünf Jahren vorgestellt – überwiegend Frauen und Kinder mit Erkrankungen wie Dengue-Fieber, Malaria oder der Haut. Die Hilfsaktion war bis Dezember geplant, musste aber wegen der angespannten Sicherheitslage Ende Oktober abgebrochen werden.

• Große Hilfsgüterverteilung. Parallel unterstützten LandsAid und Pakistan Relief seit September Familien in Nowshera und Jafarabad mit großen Hilfsgüterlieferungen. Rund 7800 Haushalte erhielten Wasserkanister und Moskitonetze. Die schwierige Sicherheitslage verlangte eine diskrete Planung und Verteilung, meist unangekündigt und an wechselnden Orten. Die Versorgung, später auch mit Decken, lief bis Ende Dezember, so dass Angelika Schott und Dr. Markus Thum hier noch aktiv helfen konnten. „Wir hatten die Möglichkeit, mit dem Leiter von Pakistan Relief nach Nowshera zu fahren und dort an Hilfsgüterverteilungen in zwei Schulen teilzunehmen,“ erzählt Markus Thum. „Die Kin­der waren schon bei unserer Ankunft in heller Aufregung.“

Sie hatten aus Sicherheitsgründen erst am Tag vor der Verteilung erfahren, dass bei ihnen jeder ein Geschenk bekommt. Die Verteilungsaktion für beide Schulen fand an einem Vormittag statt. „Die Schüler haben sich in einer langen Reihe aufgestellt und warteten, bis sie mit ihrem Namen aufgerufen wurden,“ berichtet Thum weiter. Nach Erhalt ihrer Hilfsgüter haben sie mit Fingerabdruck gegengezeichnet. Abge­holt wurden die Schüler dann nach Schulschluss von ihren Eltern, die ihnen gleich beim Tragen helfen konnten. „Es war für uns faszinierend und tief bewegend, welches Glück aus diesen Kinderaugen strahlte“, so Thum.

Die Kinder seien teils nur in Badeschlappen und Sommerkleidern für den großen Tag gerüstet gewesen und hatten offensichtlich größte Freude – besonders an einer warmen Winterdecke. Dr. Markus Thum abschließend: „Für mich ist es ein nahezu beschämendes Glücksgefühl, mit welch geringem materiellem Aufwand bei den Kindern so ein seliges Spektakel erzeugt wurde. Ein echtes Weihnachtsgeschenk für mich, das ich sicher nie vergessen werde.“

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