Kein Dach mehr über dem Kopf?

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Neue Anlaufstelle für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind: Voderere Mühlgasse 189.

Landsberg/Herzogsägmühle – Es bedurfte eines langen Atems, nun ist jedoch ein erster Durchbruch geschafft: Seit 1. April gibt es in Landsberg eine „Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“. Ausschlaggebend dafür war die Initiative von Herzogsägmühle, die eine Finanzierung durch Mittel des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration für die Lechstadt erreichen konnte. Die dafür notwendige Finanzierungszusage sei seit kurzer Zeit gegeben.

In Landsberg hatte es bereits seit längerer Zeit auf verschiedenen Ebenen Diskussionen über diese neue Hilfeform gegeben, zuletzt, im vergangenen Jahr, auch in einem Sondierungsgespräch zwischen Stadt und Landkreis. Dabei habe allerdings zunächst keine Einigung erzielt werden können, so Martin Holleschovsky, verantwortlich für „Betreutes Wohnen und Ambulante Dienste“ bei Herzogsägmühle. Inhaltlich ziele die Arbeit einer Fachstelle darauf ab, Menschen präventiv vor einer drohenden Obdachlosigkeit zu bewahren. Dies bedeute, dass es in einem relativ frühen Stadium notwendig sei, Betroffene zu unterstützen und zu begleiten. Es soll erst gar nicht zu einer Kündigung und den darauf folgenden Verläufen bis hin zu einer für alle Beteiligten teuren Räumung kommen.

Grundsätzlich sind vor allem Kommunen, die einen zählbaren Bestand von kommunalem Wohnraum vorweisen können, an dieser präventiven Arbeit interessiert. So ist es vor allem bei Wohnungsnotfällen wichtig, dass schnell ein geeigneter Ersatzwohnraum zur Verfügung stehen muss. „In Zeiten erhöhter Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum lässt sich jedoch gerade dies kaum mehr gewährleisten“, so Holleschovsky. Insofern sei hier frühzeitige Unterstützung und Begleitung der Betroffenen von besonderer Bedeutung.

Diese Problemlagen wurden vor gut einem Jahr in der Bürgermeisterdienstbesprechung im Landratsamt allen Gemeindeoberhäuptern des Landkreises vorgestellt. In der Folge entstand ein „vielfältiges Stimmungsbild“, wie derartige Angelegenheiten zu behandeln wären. Dabei wurde deutlich, dass sowohl Stadt als auch Landkreis an einer Beratungsstelle interessiert waren. Danach bat die Stadt Landsberg die Träger sozialer Dienstleistung um entsprechende Angebote über die Finanzierung einer solchen Stelle, wobei es nicht zu einer Einigung kam.

Herzogsägmühle, die bei Peiting (Lkrs. Weilheim-Schongau) gelegene Einrichtung der Diakonie Oberbayern, hat nun eine auf zwei Jahre begrenzte Finanzierung für die „Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“ erreichen können. Laut Holleschovsky sei die Lechstadt mit einer 0,5-Stelle für die Präventionsaufgabe zum Zug gekommen, weil Herzogsägmühle sich „inhaltlich sehr stark für den Standort Landsberg“ eingesetzt habe.

Die neue Fachstelle, die sich in der Vorderen Mühlgasse 189 befindet, haben Oberbürgermeister Mathias Neuner und Stadtkämmerer Peter Jung mit Vertretern von Herzogsägmühle und Experten aus dem Bereich der Fachstellenarbeit in Augenschein genommen.

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