LENA ist bald aktiv

Ein Motor für die Energiewende

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Das macht Mut: Der Infoabend zur geplanten Gründung der Landsberger Energie Agentur (LENA) stieß auf überaus großen Zuspruch.

Landsberg – Jeder Platz im Sitzungssaal des Landratsamts war besetzt, als am Montag Abend Klimaforscher Professor Dr. Wolfgang Seiler zum Thema Energiewende referierte. Der Vortrag war als Informationsveranstaltung zur geplanten Gründung des Vereins Landsberger Energie Agentur (LENA) gedacht – sie soll aber erst am 23. Januar stattfinden.

„Der Landkreis steht in Sachen Klimaschutz nicht an vorderster Stelle“, merkte Landrat Walter Eichner (CSU) zum Einstieg selbstkritisch an. Das soll sich ändern. Ab kommendem Jahr wird der Landkreis einen Klimaschutzmanager beschäftigen, außerdem plane man, so Eichner, die Errichtung von Blockheizkraftwerken im Lechtalbad in Kaufering und im Kreisseniorenheim in Greifenberg. Der CO2-Ausstoß im Landkreis soll laut Klimaschutzkonzept des Kreistags bis 2030 halbiert werden.

Hierzu will der Verein LENA vor allem durch umfassende Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit, durch Beratung und Unterstützung tech­- nischer Entwicklungen und beispielhafter Projekte beitragen. Die Initiatoren sind in der Lechstadt wohlbekannte Fachleute zum Thema: Zu ihnen gehören neben Joachim Müller und Robert Wolf ÖDP-Stadtrat und Energieberater Wolfgang Buttner sowie Berthold Lesch, der die „Landsberger Energietage“ der CSU mit ins Leben gerufen hat.

Aktive Vereinsmitglieder sollen nach dem Willen der Initiatoren die Möglichkeit erhalten, sich in verschiedenen Fachgruppen zu Themen wie Planen und Bauen, Erneuerbare Energien und Mobilität zu engagieren. Außerdem wird es die Option einer passiven Fördermit­- gliedschaft geben. Mit Fragebögen, die im Sitzungssaal auslagen, wurde bereits im Vorfeld das Interesse der Besucher an den verschiedenen Themen und Aktivitäten abgefragt. Der Fragebogen und die beabsichtigte Vereinssatzung sind auch auf der Homepage des Landratsamts www.landkreis-landsberg.de zu finden.

Viele Chancen vertan

Dass die gemeinsame Anstrengung von Kommunen und Bürgern zur Verwirklichung von Klimazielen dringend geboten ist, daran ließ Prof. Dr. Wolfgang Seiler in seinem Vortrag keinen Zweifel. Der ehemalige Direktor des Instituts für Metereologie und Klimaforschung und Vorstandsvorsitzende der „Bürgerstiftung Energiewende Oberland“ kritisierte, dass in Bezug auf die Energiewende schon viele Chancen vertan worden seien. „Wir hätten viel früher beginnen müssen“, so Seiler. „Wir haben 30 Jahre regelrecht verschlafen, die wir hätten nutzen können.“ Die Fakten seien seit den frühen 1980er Jahren bekannt.

Die Begrenzung des CO2-Ausstoßes sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. „Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist viel teurer als die Energiewende“, betonte Seiler. Hinzu kämen die Folgen für Gesundheit und Landwirtschaft sowie soziale Probleme angesichts steigender Kosten für fossile Energieträger.

Dass Jahr für Jahr 550 Millionen Euro an Energiekosten aus dem Landkreis abfließen, berichtete Andreas Graf, im Landratsamt unter anderem für die Wirtschaftsförderung zuständig. Graf hat die Erstellung des Klimaschutzkonzepts maßgeblich begleitet. Könnte diese Wertschöpfung in der Region gehalten werden, lägen die Vorteile auf der Hand. „Allein schon mit der Hälfe dieser 550 Millionen Euro könnte man einiges bewegen“, befand Seiler.

Die technischen Möglichkeiten zur Verwirklichung der Energiewende gibt es nach Seilers Worten längst. „Was fehlt, sind der politische Wille und ein klares Konzept.“ Man müsse zum einen die Energieeffizienz steigern – jeder Einzelne kann hier zum Beispiel durch sparsame Geräte einen Beitrag leisten. „Im Haushalt kann man bis zu 50 Prozent an Stron einsparen, ohne auf etwas verzichten zu müssen“, so Seiler.

Effektive Dämmung

Den Kommunen empfiehlt er die Unterstützung privater Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden. Deren CO2-Ausstoß kann nach seinen Worten durch effektive Dämmung um bis zu 60 Prozent gesenkt werden. Entsprechende Förderkonzepte seien „das beste Konjunkturprogramm, das man sich vorstellen kann“. Jeder einzelne Euro, der als Zuschuss ausgegeben werde, steigere sich zu Gesamtausgaben von zehn Euro, die in die regionale Wirtschaft fließen – und in Form der Mehrwertsteuer auch wieder in den öffentlichen Haushalten ankommen.

Was regenerative Energien betrifft, so sei es notwendig, die Bürger an ansprechenden Projekten wie Photovoltaik- oder Windkraftanlagen zu beteiligen. „Dann“, so Seiler, „kommen auch keine Proteste.“ Gebraucht würden alle Formen der Erneuerbaren, auch Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie.

Ulrike Osman

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