Fit aus der Ampulle

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Hauptsache große Muskeln...

Landsberg – Fast 15 Minuten dauerte die Verlesung der Anklageschrift bei der Verhandlung gegen einen 38-Jährigen wegen Besitzes und Handels mit Dopingmitteln. Vor dem Amtsgericht gestand der Angeklagte am vergangenen Mittwoch alles und wurde schließlich zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Über ein Jahr lang soll der Betreiber eines Fitnessshops und Sonnenstudios in Landsberg Anabolika über einen Zwischenhändler aus Serbien eingekauft haben. Diese habe er dann gewinnbringend an verschiedene Abnehmer weiterverkauft. Im Mai 2012 fanden Beamte der Polizei Landsberg auffallend viele Ampullen und Tabletten im Auto des Angeklagten. Auch bei der anschließenden Durchsuchung seiner Landsberger Wohnung – eine weitere besitzt er in Wildsteig im Landkreis Weilheim/Schongau – und seines Geschäfts wurde schließlich ein ganzes „Lager“ von Ampullen und Tabletten gefunden, schilderte der Ermittlungsleiter der Polizei Fürstenfeldbruck vor Gericht.

Bei der Verhandlung räumte der Angeklagte sämtliche Taten ein: Sein späterer Zulieferer sei eines Tages zu ihm in den Laden gekommen. Da dieser offensichtlich auch aus der Body­- builder-Szene kam und sich nach Nahrungsergänzungsmitteln erkundigte, sei man über die Verwendung von Steroiden ins Gespräch gekommen. Er habe den gebürtigen Serben damit beauftragt, verschiedene leistungssteigernde Medikamente aus dessen Heimat mitzubringen.

Zur Übergabe hätten sich die beiden auf einem Parkplatz verabredet. Der Sonnenstudio-Betreiber habe die Ware dort meist bar bezahlt, in seltenen Fällen sei es auch zu einem Tauschgeschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln gekommen. Der Lieferant finanzierte sich dadurch seine Reisen nach Serbien und seinen Eigenbedarf. Auch der Sonnenstudio-Betreiber gab an, durch den Weiterverkauf lediglich seinen eigenen Bedarf an den Medikamenten gedeckt zu haben. Gewinne habe er damit nicht erzielt. Zu seinen Abnehmern wollte der 38-Jährige keine Angaben machen.

Für den forensischen Toxikologen, der als Sachverständiger vor Gericht erschienen war, war es allerdings „die am stärksten gefälschte Asservatensammlung“, die er je gesehen habe. Von den „obskuren Präparaten“ seien kaum Effekte zu erwarten. In einem Fall sei überhaupt kein Wirkstoff nachweisbar gewesen. Der Experte hielt es daher durchaus für wahrscheinlich, dass der Angeklagte zwei bis vier verschiedene Mittel gleichzeitig genommen hat. Das sei ohnehin „szeneüblich“ und „plausibel“; auch, um Nebenwirkungen zu kompensieren.

Wegen der „enormen Menge“, der „Vielzahl von Taten“ und dem „regen Handel“, den der 38-Jährige nach Auffassung der Staatsanwältin Eva Diplich, getrieben hat, forderte sie eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Zudem seien einige der Mittel extrem gesundheitsschädlich. Be­- denken müsse man auch die „Vorbildfunktion“, die der Angeklagte als Betreiber seines Shops innehabe.

Verteidiger Walter Rubach verwies dagegen darauf, dass die Medikamentenmengen zum großen Teil Eigenbedarf waren. Auch die Gefährlichkeit der Arzneimittel wollte er nicht gelten lassen: „Bodybuilder nehmen das ganz bewusst. Die wissen wie gefährlich die Mittel sind.“ Rubach forderte für seinen Mandanten deshalb schließlich eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren mit Bewährung.

Richterin Sabine Grub und die Schöffen folgten nach einer Beratung dem Vorschlag des Verteidigers: Zwei Jahre auf Be­währung war am Ende das Urteil. Dazu kommen noch die Verfahrenskosten sowie eine Geldbuße von 3000 Euro, die der Angeklagte an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen hat.

Astrid Erhard

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