Mahler, Strauss und Herkomer

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Die bekannte Sopranistin Stefanie Irányi interpretierte an der Seite von Johannes Skudlik (rechts) zwei Lieder von Richard Strauss.

Landsberg – Eine Hommage an Hubert von Herkomer und seine Zeitgenossen und ein Eintauchen in die Musik der Spätromantik haben das Orchester Symphony Prague unter der Leitung von Johannes Skudlik und der Landsberger Oratorienchor mit Marianne Lösch den Zuhörern in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt am Sonntag mit einer glanzvollen Aufführung beschert. In deren Mittelpunkt stand Gustav Mahlers 5. Symphonie.

Den Auftakt bildete jedoch eine Originalkomposition Hubert von Herkomers, das Intermezzo seines Singspiels „An Idyl“, das Herkomer vor 125 Jahren in seinem eigens dafür gebauten Theater in Bushey aufführen ließ – unter der Leitung des berühmten Wagner-Dirigenten Hans Richter. Ein wirklich hörenswerter Beweis, dass der Maler auch als Musiker keine Herausforderung scheute. Das Programm des Konzertes folgt einer Kette von Beziehungen. Herkomer kannte Strauss, hatte ihn sogar portraitiert. Strauss wiederum lernte Gustav Mahler kennen, als der gerade in Leipzig Kapellmeister war, Mahler hingegen hatte während seines Studiums in Wien ein Zimmer mit Hugo Wolf geteilt.

Zwei der „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss „September“ und „Beim Schlafengehen“ interpretierte die Sopra- nistin Stefanie Irányi mit warmer, ausdrucksstarker Stimme und viel Einfühlungsvermögen, leider fiel die Verständlichkeit der wunderbaren Texte Hermann Hesses teilweise dem Hall der Kirche zum Opfer – gut, dass man diese im Programm nachlesen konnte. Mit fast schon gewohnter Brillanz interpretierte der Landsberger Oratorienchor vier der „Sechs geistlichen Lieder“ Hugo Wolfs unter der Leitung von Marianne Lösch – von der Empore hinunter schwebten die Klänge förmlich durch das Kirchenschiff.

Hauptteil des Abends war aber Gustav Mahlers 5. Symphonie, komponiert in den Jahren 1901/1902 und Mahlers erste, die ohne menschliche Stimme konzipiert ist und außer dem Motto des ersten Satzes „Trauermarsch“ keine wei­- teren programmatischen Hinweise enthält. Wunderbar, wie in der Stille der Kirche der Fanfarenruf der Solo-Trompete erklingt, dann ruhig-melancho- lische und dramatische Passagen variieren. In die düstere Stimmung bricht dann der 3. Satz, mit beschwingten, Mahler-typischen Ländler-Klängen, ein Wechselspiel von ausgelassener Fröhlichkeit und tiefer Nachdenklichkeit.

Eine Hürde der 5. Symphonie ist zweifellos das Adagietto: hinlänglich bekannt aus Viscontis „Tod in Venedig“, nur vorgetragen von Streichern und Harfe, besteht hier die Schwierigkeit, die Poesie herauszuarbeiten, ohne dabei ins Süßlich-Kitschige abzugleiten. Ein Balanceakt, den die Musiker und Johannes Skudlik bravourös meistern.

Strahlender Höhepunkt, der Weg von Trauer, Melancholie und zarter Romantik bis hin zu ausgelassener Freude beschreibt das Finale, eine selbstbewusste, mutige Aufforderung zum Leben. „In jeder Aufführung muss das Werk neu geboren werden“, so die hohe An­- forderung Mahlers an die Musiker, eine Anforderung, die während dieses rundum glanzvollen Konzertabends, in der Stadtpfarrkirche mit einem reichen Spektrum, einer Reise durch die Musik der Spätromantik und der Jahrhundertwende voll erfüllt wurde.

Patricia Eckstein

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