Betrunken aufs Mofa

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Landsberg – Zweimal stürzte ein 68-jähriger Landsberger innerhalb von zwei Monaten betrunken mit seinem Mofa. Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr wurde er jüngst vom Amtsgericht Landsberg zu einer Gefängnisstrafe verdonnert. Das Urteil fiel relativ hart aus, weil der Mann eine lange Liste an teils einschlägigen Vorstrafen mitbrachte.

Im März war er auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier in der Jahnstraße und kam auf der Augsburger Straße von der Fahrbahn ab, im Mai passierte dasselbe auf der Katharinenstraße – genau auf der Höhe der Polizeiinspektion. Die Beamten mussten nur über die Straße gehen, um den Unfall aufzunehmen. Anfangs behauptete der 68-Jährige noch, er habe zwei Betrunkenen ausweichen müssen, die „über die Straße gesprungen“ seien. Später konnte er sich daran nicht mehr erinnern. Er selbst hatte nach Bier- und Wodkagenuss 2,0 beziehungsweise 1,5 Promille im Blut. Beim zweiten Unfall brach er sich ein Bein.

„Im Endeffekt bin ich an allem selber schuld“, so der Angeklagte reumütig. Zehnmal war der ehemalige Antiquitäten- und Schrotthändler seit 1994 mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Trunkenheit im Verkehr, Fahren ohne Führerschein, aber auch Diebstähle und Körperverletzungen hatten ihn vor den Kadi gebracht. Oft lag es am Alkohol – ein Problem, dass dem Landsberger durchaus bewusst ist. Immer wieder nehme er sich vor, nicht zu trinken, und eine Weile halte er auch durch – „aber dann ist es, als müsste man aus einem Kessel Dampf ablassen“.

Seine Bewährungshelferin berichtete, dass die berufliche Selbstständigkeit und die langjährige Ehe des Mannes gescheitert seien und er keine Altersvorsorge getroffen habe. Mit dem wenigen Geld aus der Grundsicherung komme er nicht aus. Phasenweise halte er guten Kontakt zu den Behörden, dann wieder ziehe er sich zurück. Wenn sich eine Bewährungsphase dem Ende nähere, „dreht er auf“. Vielleicht komme der Mann mit der Normalität nicht klar.

Staatsamwalt Benjamin Rüdiger wollte den Vater dreier erwachsener Kinder für acht Monate hinter Gittern sehen. Verteidiger Karl Mayer legte sich für eine Bewährungsstrafe ins Zeug, die allerdings für Richter Alexander Kessler nicht in Frage kam. Da half es auch nichts, dass der Angeklagte das „Unglücks-Mofa“ inzwischen zerstört hat. „Ich habe es vor ein paar Wochen zusammengeschlagen.“

Das Urteil lautete auf sechs Monate Haft ohne Bewährung. Hinzu kommt noch ein Strafrest aus einer früheren Verurteilung, für die die Bewährung nun widerrufen wird. Insgesamt wird der Mann rund ein Jahr hinter Gittern verbringen müssen. „Da müssen Sie jetzt durch, aber danach wird das Leben weitergehen“, ermutigte Kessler den Verurteilten. Er darf drei Monate kein Fahrzeug führen und zwei Jahre lang keinen neuen Führerschein beantragen.

Ulrike Osman

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