Neues vom Hauptplatz:

Ohne Linien geht’s wohl nicht!

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Von allen Beteiligten gewollt und Prof. Knoflacher immer wieder angesprochen: Die auf der Fahrbahn haltenden Busse „entschleunigen“ den Durchgangsverkehr.

Landsberg – In einem sind sich Ratsmitglieder, Oberbürgermeister, Verwaltung und Polizei einig: Die Verkehrslage am gerade erst wiedereröffneten Hauptplatz ist so auf Dauer nicht tragbar. Wie man die Situation in den Griff bekommen will, ist allerdings vorerst noch offen.

Der Stau in den Mittagsstunden ist räumlich und zeitlich sogar noch länger als vor Umbau­beginn. Grund: Die Busse, die die Schüler aufnehmen, halten jetzt nicht mehr in Buchten, sondern auf der Fahrbahn. „Entschleunigung“ nennt man das in Verwaltungskreise. Solange die Jugendlichen in den ersten Bus einsteigen, steht der nächste einige Meter weiter hinten in der Kolonne und bleibt erst einmal leer. Teilweise zieht sich der Rückstau jetzt bis 14 Uhr weit in die Katharinenstraße. Da verlieren etliche Autofahrer die Geduld. Links, teilweise aber auch rechts über die Seitenbereiche werden die Busse überholt – wohl kaum der Sicherheitsgewinn, den man sich versprochen hatte. Ernst Müller, Abteilungsleiter für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, berät sich auch deshalb mit dem Amtsgericht, ob die leicht dunkleren Regenwassermulden rechtlich als Abgrenzung von der Fahrbahn überhaupt ausreichen, will „aber keine Grundsatzdiskussion anfangen.“ Er arbeitet schon jetzt an einem Konzept für die Zeit nach dem Umbau, das die Verwaltung dann dem Stadtrat vorlegen wird. Darin sind unter anderem seitliche durchgezogene Begrenzungslinien der Fahrbahn und ein Mittelstreifen vorgesehen; damit wären sowohl das Überholen als auch das „wilde Parken“, das sich derzeit großer Beliebtheit erfreut, nicht mehr erlaubt: „Im Moment hat der stärkste Verkehrsteilnehmer den Platz sofort in Besitz genommen“, so Müller. „Wir hatten den Kieshaufen vor der Sparkasse noch gar nicht ganz beseitigt, da standen schon die ersten Autos dort.“

Mit Hintertürchen

Mit welchem Tempo nach Abschluss des Umbaus gefahren werden soll, ist derzeit heiß diskutiert. Die Einrichtung einer Tempo-20-Zone sei nicht möglich, antwortete das Bayerische Innenministerium auf Anfrage des KREISBOTEN bereits im November 2011. Von der Regierung von Oberbayern kommen jetzt offenbar Signale, dass man sich die Lage vor Ort im kommenden Jahr erst einmal ansehen wolle. „Im Moment spre­- chen die nackten Fakten und Zahlen dagegen, dass das auf einer Staatsstraße möglich ist“, meint Müller. „Ob man bei der Regierung vor Ort zu einer anderen Auffassung kommt, möglicherweise weil der Verkehr ohnehin nicht mehr flüssig läuft, kann ich heute nicht beurteilen.“ Wenig Aussicht auf Erfolg dürfte auch ein Hintertürchen haben, das man (unter anderem beim Straßenbauamt Weilheim) auf dem Weg zu Tempo 20 gefunden zu haben meint: Da die Stadt Landsberg inzwischen mehr als 25000 Einwohner hat, ginge demnach drei Jahre nach dem „Zensus“ die Staatsstraße 2054 (wie auch alle Kreisstraßen) innerorts an die Kommune. Eine „städtische Straße“ wird das allerdings damit noch lange nicht. „Die Baulast geht an die Stadt über, sie ist dann für den Unterhalt verantwortlich“, präzisiert Müller, „Eigentümer bleibt aber weiterhin der Freistaat Bayern und der muss auch alle entsprechende Anordnungen genehmigen. Es wäre auch schwer vorstellbar, was passieren würde, wenn jede Gemeinde auf Staats- oder Kreisstraßen tun und lassen könnte, was sie will, nur weil sie die Baulast hat.“ Dieses Schlupfloch schließt sich aber auch aus einem anderen Grund: Zwar stammt der jüngste Zensus von 2010. „Allerdings sind die Zahlen noch gar nicht beim Bayerischen Landesamt für Statistik eingereicht und damit auch noch nicht offiziell gültig“, erläutert Ernst Müller. Der Wunsch nach der Temporeduzierung ist dennoch bei einigen Bürgern und Politikern offenbar drängend. Täglich bekäme er derzeit neue, mehr oder minder kreative Vorschläge auf den Tisch, so der Abteilungsleiter. Er könne jedoch nicht nach Belieben Schilder aufstellen lassen. „Das ist eine verkehrsrechtliche Anordnung, dafür brauche ich auf einer Staatsstraße eine gute Be­- gründung, sonst wird die sofort wieder kassiert.“ Auch eine Tafel mit der Bitte an die Autofahrer, „freiwillig“ langsamer zu fahren, käme nicht infrage. „Solche nichtoffiziellen Schilder können Bürger auf ihren Privatgrundstücken aufstellen, als Behörde können wir das schlicht nicht tun.“

Mängelfrei

Zum fertiggestellten Hauptplatzteil: Sowohl Auto- als auch Radfahrern ist bereits aufgefallen, dass das neu verlegte Pflaster teilweise deutliche Wellen aufweist. Der Belag wurde allerdings bereits überprüft und von der Stadt für „gut“ befunden. Auf vier Metern Länge dürften Höhenunterschiede nicht mehr als zehn Millimeter betragen, dieses Maß sei eingehalten worden. „Das Pflaster im Bauabschnitt 1 kann/muss deshalb als mängelfrei abgenommen werden“, lässt Hans Huttenloher, Chef des Tiefbauamtes, über die Pressestelle der Stadt mitteilen. Christoph Kruse


Im Moment hat das Auto Vorrang

Landsberg – Nachfolgende Details plant das städtische Ordnungsamt für den neuen Hauptplatz:

• Als Fahrbahnbegrenzung und Mittelstreifen gibt es durchgezogene weiße Linien. Unterbrochen werden sie nur dort, wo die Einfahrt in die Seitenstraßen und für den Lieferverkehr in die Fußgängerzone möglich sein soll. 

• Eine Ausnahme wären die Buchten, in denen sich Behindertenparkplätze und/oder einige Plätze zum Be- und Entladen befinden, dort darf die Linie überfahren werden (mögliche Standorte Musikschule, Ärztehaus, Sparkasse). • Um das Parken zu verhindern, wären als Alternative zu den Linien nur noch entsprechende Schilder möglich. Auf jeder Seite des Platzes würden dann sieben bis acht davon direkt an der Fahrbahn stehen – ein schwer vorstellbarer „Stangenwald“. 

• Die Idee Shared Space, das gleichberechtigte Nebeneinander aller Verkehrsteilnehmer, scheint nicht nur aus rechtlichen Gründen nicht realisierbar zu sein. „Im Moment hat der Autofahrer auf der Staatsstraße Vorfahrt“, stellt Ernst Müller klar. Es trotzdem mit Shared Space zu versuchen, kommt für ihn nicht infrage. „Ich kann nicht erst absichtlich eine gefährliche Situation schaffen, damit ich dann eingreife.“ Vorläufig will man sich deshalb mit Zebrastreifen behelfen, um den Fußgängern das Queren der Fahrbahn zu erleichtern (siehe eigener Bericht). 

• Für die Taxis sind in den Vorschlägen der Verwaltung ab Herbst Plätze auf dem Hauptplatz vorgesehen. Mögliche Standorte: Musikschule (vier bis sechs Stellplätze), Sparkasse und Brand & Nill (je drei) oder Hellmairplatz (vier bis sechs). Allerdings müsste die Herzog-Ernst-Straße entgegen der aktuellen Richtung befahren werden, was an der Einmündung in den Haupt­platz gefährlich wäre. Bereits während der Umbauzeit könnten den Taxlern sechs bisherige Kurzzeitparkplätze am Bahnhof und am Schlossberg angeboten werden. 

• Haltebuchten für die Busse sind weiterhin nicht vorgesehen. Allerdings scheint in die Frage der Schülerbeförderung Bewegung zu kommen, eventuell sollen die als Schulbusse genützten Regionalbusse nach dem Umbau mittags vom Bahnhof abfahren, entsprechende Gespräche zwischen Stadt und Landratsamt laufen.

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