Landsberger Platte bleibt unberührt

Auf sechs Hektar will die Gemeinde Kaufering entlang der Bahnlinie Landsberg-Kaufering Freiflächen-Photovoltaik realisieren. Foto: kb

Auf der „Landsberger Platte“ wird es keine weiteren Freiflächen-Photovoltaikanlagen mehr geben. Das hat der Marktgemeinderat nach langer Debatte mit knapper Mehrheit beschlossen. Er hält damit an seinem im vergangenen Jahr gefassten Beschluss fest, wonach „keine weiteren Flächen der Landsberger Platte belegt werden dürfen.“ Verständigen konnte sich das Gremium allerdings auf zwei Solarparks östlich und westlich der Bahnlinie Kaufering-Landsberg.

Vier Möglichkeiten für weitere Solarparks wie die im Juli 2010 in Betrieb genommene Anlage „Am Höschläcker“ (6 Hektar) standen zur Wahl: auf der „Landsberger Platte“ nördlich (7,5 Hektar) und südlich (4,5) der Bahnlinie Kaufering-München ab dem Schwiftinger Weg in Richtung Osten sowie östlich (Mahdau-Ost, 4,6) und westlich (Mahdau-West, 2,0) der Bahnlinie Kaufering-Landsberg ab der Schrebergartenanlage in Richtung Süden. Die nördliche Variante am Schwiftinger Weg stellte Bürgermeister Dr. Klaus Bühler nicht mehr zur Diskussion, da sie aufgrund der Nähe zu dem benachbarten Aussiedlerhof „kaum realisierbar“ sei. Für Diskussionsstoff sorgte aber die südlich der Bahnlinie geplante Anlage auf der „Landsberger Platte“. Bühler war der Meinung, dass der Beschluss im Februar 2010 im Zuge der Entscheidung Solarpark „Am Höschläcker“, keine weiteren Flächen auf der „Landsberger Platte“ zu belegen, unter anderen Voraussetzungen gefasst worden sei. „Damit waren nur Ackerflächen gemeint“, sagte Bühler. Da inzwischen derartige Anlagen nur noch bis zu 110 Meter entlang von Bahnlinien und Bundesautobahnen, nicht mehr aber auf Ackerflächen eine Förderung erhalten, „sollte ein Beschluss zur Aufhebung dieses Beschlusses gefasst werden“, begründete der Rathauschef sein Ansinnen. Sache der Vernunft „Wir haben damals nicht nur von Ackerflächen gesprochen“, meinte hingegen Meinrad Mayrock (CSU). „Es ging damals auch um die Optik in dem Bereich. Wir haben letztes Jahr lange diskutiert, den Beschluss gefasst und dabei soll es bleiben.“ Nicht als „Sache der Parteipolitik, sondern der Vernunft“ bezeichnete es Hans Koch (SPD), der die Meinung vertrat, dass Kaufering als Schienenanlieger jetzt, wo solche Anlagen nur noch an Schiene und Autobahn förderfähig seien, eine Verantwortung habe. „Wir haben das aufzufangen und damit eine besondere Verantwortung, den Klimazielen nachzukommen.“ Koch brachte das Beispiel Hurlachs ins Spiel, dessen Energiekonzept samt Flächenmanagement aus dem Jahre 2002 vor­- sieht, nicht mehr als zwei Prozent der Gesamtfläche für Freiflächenanlagen zu verwenden. „Wir sprechen hier von insgesamt 17,1 Hektar, bei einer Gesamtfläche der Gemarkung Kaufering von etwa 1700 Hektar entspricht das gerade einmal einem Prozent“, so Koch, der schließlich für die Aufhebung des Beschlusses plädierte. Vor allem aber auch die Tatsache, dass hier einer der fruchtbarsten Böden Bayerns für die nächsten 25 bis 30 Jahre versiegelt werden soll, stieß einigen Marktgemeinderäten sauer auf. Ein Argument, das der Rathauschef nicht teilen konnte. „Es geht hier um eine Fläche von drei Hektar. Ich kann nicht sagen, wie viele Flächen in Kaufering belegt sind und in Richtung Biogasanlage laufen“, sagte er. Johann Drexl (parteilos), Biolandwirt und selbst Teilhaber einer Biogasanlage, betonte, dass – zumindest bei seiner eigenen Anlage – lediglich 15 Prozent mit Mais betrieben würden. „Wir halten die Fruchtfolge ein, dadurch wird keine Getreidefläche reduziert.“ Mit einer Freiflächenanlage auf der „Landsberger Platte“ würde die gesamte landwirtschaftliche Fläche der Gemarkung von 770 Hektar weiter reduziert, weshalb er ebenfalls für die Beibehaltung des Beschlusses war. Ebenso Thomas Wiesmann (SPD): „Für mich ergibt sich keine veränderte Situation. Und bei der ganzen Maisdiskussion frage ich mich schon, warum die Gemeinde dann Flächen an einen Biogasbetreiber verpachtet, der darauf Mais anbaut.“ Unterstützung erhielt Bühler hingegen von der UBV. Dr. Franz Nimführ: „Wir müssen dafür sorgen, dass wir aus eigener Kraft einen guten Teil unserer Energie erzeugen. So können wir der Gemeinde eine gute Einnahmesituation verschaffen, ohne etwas Verwerfliches zu tun.“ Ähnlich sah es Fraktionskollege Dr. Börries Graf zu Castell: „Wir kommen an den erneuerbaren Energien nicht vorbei. Es ist gut, wenn der Bürgermeister nach neuen Einnahmequellen sucht. Es geht um ein beträchtliches Vermögen, das wir ausgeben und auch einnehmen müssen.“ Für Gabriele Triebel (GAL) war genau das die grundlegende Frage: „Wieso kommen wir mit unseren Einnahmen nicht aus? Warum müssen wir weiter in Photovoltaikanlagen investieren?“ Ihr Rat: „Sparen.“ Vertagen? Ein derartiges Millionenprojekt sollte mehrheitlich gefasst werden, meinte Manfred Nieß (CSU), der sich als dritter Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender der CSU „zwischen den Stühlen“ fühlte. Er befürchtete eine „Kampfabstimmung“ und stellte den Antrag, den Aufhebungsbeschluss zu vertagen. Dieser wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt. Stattdessen wurde der Beschlussvorschlag zur Aufhebung des alten Beschlusses mit 9:11 abgelehnt. Die beiden anderen Flächen an der Bahnlinie Kaufering-Landsberg werden hingegen mit Freiflächen-Photovoltaikanlagen belegt werden. Geschlossen stimmte das Gremium für den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes „Photovoltaik – Mahdau-Ost“ sowie für den dazugehörigen Billigungs- und Auslegungsbeschluss. Vier Gegenstimmen gab es für die Fläche „Mahdau-West“, dessen Areal in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Die Obere Landesplanungsbehörde habe aber bereits Zustimmung signalisiert, erklärte Bühler.

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