Von Mozart bis Moderne

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Das Ensemble Berlin mit Sopranistin Elin Rombo begeisterte die ausverkaufte Aula der Berufsschulen Landsberg bei den Sommermusiken. Cellist Clemens Weigel dankte auch dem Landsberger Oboist Christoph Hartmann (zweiter von rechts) samt Familie.

Landsberg – „Wir hätten die zwei Konzerte der Sommermusiken doppelt verkaufen können.“ Wie üblich herrschte bei den Landsberger Sommermusiken am vergangenen Wochenende großer Andrang, aber mehr als 400 Besucher durften die Veranstalter pro Konzert nicht in die Aula der Berufsschulen lassen. Auch dieses Jahr waren die Zuhörer begeistert: Am Sonntagabend gab es langanhaltende Standing Ovations. Der einzige Kritikpunkt: Das Konzert am Samstag sei mit seinen drei Stunden ein bisschen zu lang gewesen.

Schon zum 18. Mal fanden die Sommermusiken des Ensemble Berlin statt. Vom Landsberger Oboisten Christoph Hartmann zusammen mit Kollegen der Berliner Philharmoniker 1999 ins Leben gerufen, ist Landsberg immer noch ein fester Punkt des Ensembles – auch wenn es inzwischen weltweit auftritt. Den diesjährigen 16 Musikern war die Lust am Konzertieren anzuhören: eine Leichtigkeit, die nur entstehen kann, wenn alle Musiker exakt aufeinander abgestimmt sind.

Am Samstag standen mehrere Einzelwerke, darunter einige zeitgenössische Komponisten auf dem Programm: Die bruchstückhaften Kafka Fragmente des ungarischen Komponisten György Kurtág forderten dabei schon genaues Zuhören. Das Concertino Nr. 2 des zeitgenössischen Komponisten Fernando Deddos zeigte wieder einmal das Können des Landsberg-Berliner Philharmonikers Hartmann.

Der Sonntag wurde vor allem durch das Werk „Quartett vom Ende der Zeit“ des 1992 gestorbenen Franzosen Olivier ­Messiaen geprägt: Er komponierte es in den Kriegsgefangenenlagern, in denen er ab 1940 inhaftiert war. Drei der acht Sätze entstanden in Übergangslagern, die anderen komponierte er im Lager StaLag VIII-A in einem Stadtteil von Görlitz – heute Polen. Dort fand auch die Uraufführung statt, im Januar 1941. Die seltsam anmutende Instrumentierung beruhte auf den im Lager vorhandenen Musikern: Klarinette, Violine, Cello und Klavier, das Organist Messiaen übernahm. 400 Lagerinsassen lauschten damals den teilweise dissonanten, teilweise sphärischen Klängen. „Niemals wieder wurde mit solcher Aufmerksamkeit und solchem Verständnis zugehört“, soll Messiaen später gesagt haben.

Diese Aufmerksamkeit wünschte sich am Abend auch Cellist Clemens Weigel, der durchs Programm führte. Das Werk beruhe auf der Offenbarung des Johannes: „Und der Engel schwur, dass hinfort keine Zeit mehr sein soll …“ Viele der sprechenden Satztitel weisen darauf hin: „Der Tanz des Zorns für die sieben Trompeten“ oder auch „Wirbel der Regenbögen für den Engel, der das Ende der Zeit verkündet“. Den Klängen liegen angeblich Vogelstimmen zugrunde. Deren Virtuosität habe Messiaen so beeindruckt, dass er sie in seine Musik einbaute. Ein aufmerksames Publikum hatte das Ensemble ohne Zweifel: Kaum ein Hüsteln war zwischen den Sätzen zu hören. Der „Tanz des Zorns“ erklang dabei im wütenden Unisono, die Lobpreisungen waren singende Duette, den „Abgrund der Vögel“ zeigte ein Klarinettensolo, das erhoffte Harmonien immer wieder brach. Das Geräusch einer Transall über der Schule verursachte Gänsehaut.

Das Sextett von Boccherini nach der Pause setzte sich in seiner fast schon Nichtigkeit stark ab. Und als Mozarts Ouvertüren und Arien aus „Die Hochzeit des Figaro“ und „Cosi van tutte“ erklangen, beherrschten eingängige Melodien den Saal. Sopranistin Elin Rombo wurde 2013 vom schwedischen König zur „Hovsångerska“ ernannt, zur „königlichen Hofopernsängerin“. Dass der Titel berechtigt ist, davon konnte man sich auch am Sonntag überzeugen. Die Mezzosopran-Arie des Pagen Cherubino sang sie mit burschikosem Einschlag, während eine Arie der Gräfin Almaviva in klarem Sopran mit leidenschaftlichem Vibrato erklang. Dass Rombo dabei auch noch auf der Bühne die Garderobe von kurzer Hose und Hemd zu Abendkleid wechselte, verstärkte die Illusion der Oper. Und als das Ensemble die berühmte „Der Hölle Rache“-Koloraturarie als Zugabe brachte, war auch der letzte Zuhörer überzeugt: ein immer wieder brillantes Ereignis.

Susanne Greiner

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