Künftig zwei Häuser

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Wird aus dem „Neuen Stadtmuseum“ bald das „Landsberg Museum“?

Landsberg – Das von der Stadtverwaltung beauftragte Beratungsunternehmen FranKonzept (Würzburg) hat dem Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrats vorgeschlagen, das Jesuitengymnasium zu sanieren und das „Neue Stadtmuseum“ an seinem bisherigen Standort zu erhalten. Dort soll unter dem Namen „Landsberg Museum“ künftig aber nur die Landsberger Geschichte dargestellt werden. Für die Kunst, die die Hälfte des Bestands an städtischen Exponaten ausmacht, soll eine neue Lösung her.

Soweit sind sich alle einig: Der jetzige Zustand ist unhaltbar. Die beiden oberen Etagen des ehemaligen Jesuitengymnasiums sind gesperrt, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Das Stadtmuseum besteht derzeit nur aus – durchaus erfolgreichen – Sonderausstellungen wie „Don‘t take your guns to town“ und „So ein Lech“. Bilder der Künstlervereinigung Scholle, malerische Darstellungen des Lechpanoramas, Urkunden und Zeugnisse der Stadtgeschichte, das alles lagert derzeit im Museumsdepot in der ehemaligen Lechrain-Kaserne und ist für kaum jemanden sichtbar. Nicht für Schulklassen, nicht für Kunststudenten, nicht für Bürger, nicht für Besucher. Landsberg ist museal, vom Herkomer-Anwesen abgesehen, derzeit nicht existent.

Aus eins mach zwei

Bis zum vergangenen Mittwoch gingen Beobachter und viele Stadträte davon aus, dass die Stadtverwaltung, allen voran Museumsleiterin Sonia Fischer, seit geraumer Zeit an einem neuen Museumskonzept arbeitet. Immerhin hatte es vor rund einem Jahr schon eine Museumsfahrt gegeben, bei der Fischer interessierte Stadträte zu erfolgreichen Museen in anderen Städten geführt hatte. Doch in der Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrats präsentierte FranKonzept plötzlich eine ganz andere Idee. Mit Unterstützung von Bürgermeister Axel Flörke, der auch Kulturbeauftragter des Stadtrats ist, und Sonia Fischer schlagen die Gutachter vor, nicht ein, sondern zwei Museen einzurichten. Die Formel lautet: „Geschichte auf dem Berg, Kunst am Fluss“.

Mit „Kunst am Fluss“ ist ein noch nicht präzisierter Standort in der Nähe von Herkomer-Museum und Papierbach-Areal gemeint. Angedacht sind Ausstellungsflächen in einem „modernen Gebäude“, in dem die im städtischen Besitz befindlichen Gemälde und Objekte gezeigt werden sollen. 400 Quadratmeter der Ausstellungsfläche würden für die vorhandenen „Scholle“-Bilder benötigt, der Rest stünde für andere Werke zur Verfügung. Das „Neue Stadtmuseum“ selbst wäre dann nur noch die Darstellerin der Stadtgeschichte auf zwei Etagen. Oben begänne der Rundgang mit der Betrachtung Landsbergs bis zum Jahr 1800, unten ginge es weiter mit der Periode von 1800 bis heute unter Einschluss des Nationalsozialismus.

In ferner Zukunft

Das war‘s dann auch im Wesentlichen in Sachen Konzept. Was dieses Stadtmuseum nun besonders besuchenswert machen soll, erfuhren die Mitglieder des Ausschusses nicht. Auch war das Plädoyer für die Erhaltung des bisherigen Standorts wenig überzeugend, zumal die Prüfung der Schlossbergschule komplett unterblieben war. Wegen des „Hin und Her“ hatte Gutachter Jochen Ramming den Komplex, der nach Erweiterung der Mittelschule an der Fritz-Beck-Straße frei wird, erst gar nicht in Betracht gezogen. Ebenso lehnten die Gutachter die Nutzung der möglicherweise zur Verfügung stehenden Spitalplatzschule ab; die recht sparsame Begründung lautete, die Schule sei kein „bedeutsames Gebäude“.

Noch problematischer war, dass Flörke, Fischer und Ramming kein Wort zu den Kosten der verdoppelten Museumslandschaft verloren. Bereits die Ertüchtigung des ehemaligen Gymnasiums dürfte eine Menge Geld verschlingen, wenn auch Zuschüsse der Landesstelle für nichtstaatliche Museen zu erwarten sind. Der Neubau eines zweiten Hauses dürfte angesichts der Knappheit städtischer Mittel kaum zu bewältigen sein. Axel Flörke versuchte daher sofort, die Stadträte zu beruhigen: Dieses zweite Museum sei etwas für die „ferne Zukunft“. Man solle erst einmal – und zwar recht schnell, im Januar oder Februar – über das Geschichtsmuseum entscheiden.

Scholle-Stadt

Grund für die Eile sind nicht nur die Sanierungsarbeiten, die in Auftrag gegeben werden müssen. FranKonzept schlug auch vor, weitere Standortmängel zu beseitigen. Das Neue Stadtmuseum leide unter „schwerer Auffindbarkeit, schwieriger Zufahrt, technischer Mängel und einer seriellen Raumaufteilung“. Eines der Gegenmittel soll ein Fußweg quer durchs Kloster sein. Außerdem sind neue Parkflächen am Heilig-Geist-Spital geplant.

Stadträte, die sich am Rande der Sitzung äußerten, zeigten sich überrascht. Wenn das „Kunstmuseum“ tatsächlich in eine „ferne Zukunft“ verschoben werden solle, bedeute das ja, dass die Bilder unter Einschluss der wertvollen Scholle-Sammlung bis in „ferne Zukunft“ im Depot unter Verschluss gehalten werden. Deswegen wurde bereits während der Sitzung der Verdacht laut, der wirkliche Vorschlag sei die schnell aufeinanderfolgende Schaffung zweier Museen unter Außerachtlassung der entstehenden Kosten. Auch vernachlässige das Gutachten das Angebot des Freistaats, den Landsberger Bestand an „Scholle“-Bildern zu erweitern und die Lechstadt zur „Scholle-Stadt“ zu machen. Dieser Gedanke habe im Gutachten zu wenig Resonanz gefunden.

Da der Ausschuss kein beschließender Ausschuss ist, fassten die Stadträte am Ende der Präsentation keine Beschlüsse. Ob das Thema alsbald in eine Stadtratssitzung kommt, ist noch nicht sicher. Eigentlich müsste erst geklärt werden, welche Gebäude für den Museumsbetrieb überhaupt zur Verfügung stehen. Das wiederum hängt davon ab, wie die Schlossbergschule genutzt wird. Darüber berät ein Arbeitskreis, der dem Vernehmen nach aus Zeitmangel erst Mitte Januar erstmals zusammenkommt.

Werner Lauff

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