Neues Pflaster für Landsberg

Es bleibt kleinteilig

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Es bleibt dabei: In der Herzog-Ernst-Straße (Foto) wird gesägtes Kleinsteinpflaster verlegt. Der Stadtrat hat den Auftrag jetzt vergeben.

Landsberg – Man kann der Landsberger CSU eine gewisse Beharrlichkeit nicht absprechen, wenn es darum geht, Beschlüsse zu kippen, die gegen ihre Stimmen gefallen sind. Ging es im vergangenen Jahr um den Drogeriemarkt am Penzinger Feld, scheiterten die Christsozialen jetzt zum wiederholten Mal mit dem Versuch, doch noch eine andere Pflasterung der Herzog-Ernst-Straße zu erreichen.

Die Entscheidungen über den Straßenbelag sind eigentlich längst gefallen. Mehrfach (jedesmal mit knapper Mehrheit) votierten die Räte dafür, „kleinteiliges, gesägtes Pflaster“, wie in der Salzgasse zu verwenden. CSU-Stadträtin Barbara Juchem hält das aber bekanntlich für nicht barrierefrei. Ihre Fraktionskollegen würden auch deshalb lieber sehen, dass das überzählige Pflaster vom Hauptplatzumbau verlegt wird, das im Moment im Frauenwald gelagert ist.

Da kam jetzt ausgerechnet ein Antrag aus der SPD-Fraktion scheinbar recht gelegen. Dieter Völkel hatte angestoßen, ein Gesamtkonzept für die Pflasterung in der Innenstadt erstellen zu lassen, um nicht in jedem Einzelfall neu diskutieren zu müssen. Das finde er „sehr gut“, meinte OB Neuner dazu und wollte den Antrag „sogar noch etwas erweitern“. Es gebe viel Handlungsbedarf, „vor allem in Hinter- und Vorderanger müssen wir uns überlegen, was wir mit Themen wie Gehwegen, Parkplätzen oder Fußgängerzone machen.“

Neuner hatte sich offenbar bereits weit gehende Gedanken gemacht. Für einen „städtebaulich integrierten Rahmenplan“ könne man einen Architekten-Wettbewerb ausschreiben, „falls wir uns dann nicht einig werden, könnten wir auch die Bürger befragen“. Es sei allerdings grundsätzlich die Frage, ob die Herzog-Ernst-Straße „in diese Planungen mit rein soll oder nicht“, meinte der Oberbürgermeister – und erntete entschiedenen Widerspruch.

„Zu dieser Straße gibt es längst Beschlüsse, die sind zu vollziehen“, so Völkel. Christoph Jell (UBV) sprach sich gar dafür aus, die Vorbesprechungen am Montag zwischen OB und Fraktionschefs abzuschaffen, „wenn das, was Sie uns dann hier im Stadtrat erzählen, überhaupt nichts mehr mit dem zu tun hat, was sie uns 48 Stunden vorher gesagt haben“.

Das Gremium sprach sich letztlich einstimmig dafür aus, den SPD-Antrag zu vertagen und die Verwaltung das mögliche weitere Vorgehen ausarbeiten zu lassen. Wenige Minuten später scheiterte der nächste Versuch, den beschlossenen Umbau der Straße doch noch einmal zu revidieren. Nachdem die Ausschreibung der Arbeiten längst gelaufen war und der Auftrag jetzt an eine Schongauer Firma vergeben werden sollte, lehnten dies CSU, OB und Stefan Meiser (ÖDP) ab, unterlagen aber mit 10:14.

Großzügig: Alte Pflastersteine verschenkt

Mehrfach hatte Medardus Wallner die Frage an Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) schon gestellt, jetzt wurde der UBV-Rat energisch. „Ich will jetzt endlich wissen, was mit dem alten Pflaster, das am Hauptplatz lag, passiert ist.“ Auflösen konnte das Rätsel Tiefbauamtschef Hans Huttenloher – die Steine wurden offenbar verschenkt.

Zur Sprache gekommen war das Thema nur, weil ein ähnliches Vorgehen auch beim Umbau der Herzog-Ernst-Straße vorgesehen ist. „Die Steine gehen in das Eigentum der ausführenden Firma über“, sagte Huttenloher auf Nachfrage.

Das passte mehreren Stadträten offensichtlich nicht. „Solche Steine werden aufbereitet und wieder verlegt“, hatte Dr. Wolfgang Weisensee kurzfristig herausgefunden, „und es werden bis zu 40 Euro pro Quadratmeter aufgerufen.“ Eine Einschätzung, der Huttenloher deutlich widersprach. Es handele sich beim derzeitigen Belag in der Herzog-Ernst-Straße um ein „hundsordinäres Pflaster, das nicht einmal geschnitten ist und sehr rau“. Deshalb seien die Steine in Bitumen verlegt. „Wenn man die im Winter rausmacht, bekommt man das vielleicht noch einigermaßen ab, aber im Sommer müsste man das von jedem Stein per Hand einzeln entfernen.“

Aus demselben Grund habe man auch beim Hauptplatzumbau die Steine der Baufirma überlassen, ohne dafür Geld zu verlangen. Interessant allerdings: Von den 5500 Quadratmetern Fläche war ein guter Teil mit „Katzenköpfen“ bedeckt, die lediglich lose in Splitt verlegt waren.

Christian Hettmer (CSU) wollte der Argumentation Huttenlohers nicht folgen. „Die Steine werden geschnitten und für gutes Geld neu verlegt. Es wird ja einen Grund haben, warum das Unternehmen offensichtlich Interesse an ihnen hat.“ Geändert werden kann an der Sachlage allerdings nichts mehr, da die Steine Teil der Ausschreibung waren.

Christoph Kruse

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