Fuchstalbahn reaktivieren?

Dampflok war gestern

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Und wieder wird ein Teilabschnitt der Fuchstalbahn (nah-)verkehrstauglich ausgebaut – neue Schienen auf neuem Schotterbett gibt es aktuell zwischen Kinsau und Hohenfurch

Landkreis – Die Sitzungen der Struktur- und Verkehrskommission sind üblicherweise nicht-öffentlich. Zur jüngsten Versammlung aber lud Landrat Walter Eichner (CSU) als Zuhörer neben Landsbergs Bürgermeister Norbert Kreuzer (CSU) auch die Presse – es ging um die Zukunft der Fuchstalbahn.

„Wir sind Pragmatiker“, meinte der Landrat zur Eröffnung; „zum einen haben wir nichts vor der Öffentlichkeit zu verbergen“, außerdem werde „sonst sowieso um ein Interview angefragt, diese Arbeit können wir allen Beteiligten ersparen.“

So präsentierte Nahverkehrsexperte Dietmar Winkler vom Landratsamt jüngst unter anderem vorläufige Pläne zur Zukunft der „Fuchstalbahn“; an­gedacht ist demnach ein „Ringschluss“ über Schongau, Weilheim, Geltendorf, Mering, Augsburg, Kaufering und Landsberg.

Bei der anschließenden Diskussion wurden mehrere Dinge deutlich: Zum einen denkt man hier eher im Bereich von Jahrzehnten denn von Jahren und hat den Bahnverkehr der gesamten Region im Blick. Zudem bleibt die Haltung der Stadt zu den Ausbauplänen unverändert ablehnend. Dabei hatte Tyll-Patrick Albrecht, der als Sprecher der Initiative Fuchstalbahn (IFB) referierte, erneut versucht, Missverständnisse aus seiner Sicht aus dem Weg zu räumen. „Es geht hier nicht um die historische Eisenbahn“, betonte Albrecht. Man müsse das Bild der Dampflok, die durch den Landkreis rattert, aus dem Kopf bekommen. Auch werde „kaum jemand von Denklingen oder Hohenfurch mit der Bahn nach Landsberg fahren.“ Stattdessen drehten sich die Pläne und Diskussionen eher um „Flügelverbindungen“ und „umsteigefreies Pendeln“ Richtung München und Augsburg.

Nicht notwendig?

Gerade bei jungen Menschen gebe es inzwischen eine andere Einstellung zum Auto, meinte Albrecht, „die Preise im Verkehr ändern sich und das Denken ändert sich auch“. Bürgermeister Norbert Kreuzer allerdings bleibt konsequent bei seiner Linie. Er bekräftigte erneut die ablehnende Haltung der Stadt Landsberg zu den Plänen.

Die Bahnverbindung Augsburg-Landsberg-Schongau sei zwar für den Güterverkehr „dringend notwendig“, nicht aber für den Personenverkehr. „Da, wo wir zwei parallele gute Straßenverbindungen haben, brauchen wir nicht noch eine Bahn“, so Kreuzer, „ich sehe die Verbindung nur nötig für das Industriegleis.“ Derzeit sei die Schrankenanlage in der Katharinenstraße maximal viermal täglich geschlossen, davon einmal nachts und einmal um 4 Uhr morgens. „Mit einem getakteten Personenverkehr hätten wir da gleich ganz andere Verhältnisse. Dann schauen Sie sich mal den Verkehr in Landsberg an“, meinte Kreuzer.

Die Bedenken des Bürgermeisters konnte auch Albrecht nicht zerstreuen, der auf das Beispiel Bonn hinwies, wo die vielbefahrene Bahn-Rheinstrecke die Stadtverbindung kreuzt. „Da fahren fünf bis sechs Züge pro Stunde und der Autoverkehr beträgt das doppelte wie in der Landsberger Katharinenstraße – trotzdem geht das dort staufrei.“ Auch Eichner wies darauf hin, dass er zwar inzwischen „am Hauptplatz durch­aus im Stau stehe, aber nicht wegen der Bahn.“

Die Teilnehmer der Kommission, unter anderem Kauferings Ex-Bürgermeister Dr. Klaus Bühler, Bürgermeister Josef Lutzenberger (Utting), sowie die Kreisräte Rapp, Wasserle und Thurner standen dem Vorhaben ebenfalls klar positiv gegenüber. Nicht nur Lutzenberger fehlte allerdings in den Ringschluss-Plänen eine Verbindung im Landkreis: „Die Leute am Ammersee sind im Moment mehr nach Weilheim orientiert. Für Landsberg als Mittelzentrum wäre deswegen der Anschluss von Geltendorf nach Kaufering sehr wichtig.“

Langfristiges Projekt

Wie auch immer die Strecke verlaufen soll – zunächst müssen erst einmal die Vergabezeiträume der zwei betroffenen Regionalbahnen synchronisiert werden, bevor man überhaupt an Fahrpläne und Ringschlüsse denken kann. Das machte auch Landrat Eichner noch einmal deutlich. „Da ist 2017 die nächste Ausschreibung. Dann wird aber noch lange keine Fuchstalbahn fahren, das wird eher 2027.“ An dem langfristigen Projekt will er aber auf jeden Fall festhalten. „Wenn wir uns da nicht rühren, sind uns andere zum Schluss voraus. Auch in Hinsicht auf den Klimaschutz sollten wir uns da nichts verbauen."

Obwohl sich der Landrat am Ende der Sitzung mit Bürgermeister Kreuzer „fast auf einer Linie“ sah, hatten doch beide offensichtlich auch ganz unterschiedliche Signale zum Thema aus Schongau bekommen. Er habe „erst kürzlich“ wieder mit dem dortigen Landrat Dr. Friedrich Zeller gesprochen, so Kreuzer. „Dort will man mit der Bahn eindeutig über Weilheim nach Norden gehen.“ Eichner hatte aus einem Gespräch mit seinem Kollegen andere Informationen. „Ich glaube schon noch das, was er mir persönlich gesagt hat. Und er war positiv überrascht, aufgeschlossen und sehr erfreut über die Pläne mit der Fuchstalbahn.“ Schongau hat inzwischen bereits eine finanzielle Beteiligung an einem Gutachten über die Rentabilität der Strecke zugesagt.

Offene Türen fand Tyll-Patrick Albrecht später auch beim DGB-Kreisverband. Nach seinem Referat vor den Gewerkschaftern sagten diese der Initiative Fuchstalbahn ihre Unterstützung zu. „Gerade für die Berufspendler aus dem südlichen Landkreis könnte dieser Schienenweg eine Alternative zum Auto darstellen“, so der stellvertretende Kreisvorsitzende Roman Filgertshofer.

Christoph Kruse

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