Landwirtschaft in der Not

Die Bauern schlagen Alarm. Aufgrund der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich auch die Lage in der Landwirtschaft dramatisch verschlechtert. „Egal, ob es um Getreide, Fleisch oder Milch geht – alle sind betroffen", sagt Leonhard Welzmiller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV). Überangebot und sinkende Kaufkraft führen im Verbund mit dem gnadenlosen Preisdruck der Einzelhandelsketten zu einem Preisverfall, der die Einkommen der Bauern dramatisch abstürzen lässt.

Die Lebensmittelindustrie spart an allen Ecken und Enden. Welzmiller nennt als Beispiel das Stichwort Analogkäse, eine Mixtur aus Wasser, Eiweiß, Pflanzenöl, Salz, Farbstoffen und Geschmacksverstärkern. Deutlich billiger als echter Käse, wird das Kunstprodukt zum Beispiel bei Fertigerzeugnissen wie Tiefkühlpizza sowie in der Gastronomie und in Bäckereien verwendet. „Gesund ist das nicht", so Welzmiller. „Und vielen Verbrauchern ist gar nicht klar, dass es sich dabei um einen Ersatzstoff handelt." Konkurrenz durch Kunstkäse Jährlich würden etwa 100000 Tonnen Analogkäse verarbeitet, wodurch eine Milliarde Kilogramm Milch weniger verwendet werden - „das entspricht 3,5 Prozent unserer deutschen Milchquote." Auch der Absatz an Butter sei um 65000 Tonnen im Jahr zurückgegangen, weil Backwarenhersteller zunehmend darauf verzichten. Die bayerische Landwirtschaft sichert nach Angaben des Bauernverbands gemeinsam mit dem vor- und nachgelagerten Bereich über 600000 Arbeitsplätze und somit rund doppelt so viele wie die Auto- und Zuliefererindustrie im Freistaat. Die Bauernhöfe sind zu fast 100 Prozent Familienbetriebe und haben deshalb bessere Chancen, die Krise zu überstehen. „Ein Agrarunternehmen muss Fremdarbeitskräfte bezahlen, ein Familienbetrieb kann bis zu einem gewissen Grad den Gürtel enger schnallen", so Welzmiller. Die jüngst von der Bundesregierung beschlossenen Erleichterungen beim Agrardiesel seien eine erste spürbare Hilfe aus Berlin. In der Region erhalten nun kleinere Betriebe sowie und Nebenerwerbslandwirte eine Steuerrückerstattung beim Agrardiesel. Bei einem Jahresverbrauch von 15000 Litern entspricht das in den kommenden zwei Jahren einer Ersparnis von 3000 Euro. Ein erster Schritt, aber noch lange nicht genug, so die Landwirte. "Nicht genug Unterstützung" Während anderen Wirtschaftszweigen mit hunderten von Milliarden Euro unter die Arme gegriffen wird, fühlen sie sich von der Bundesregierung weitgehend im Stich gelassen.

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